Lokales

Mit Beil der Freundin auf den Kopf geschlagen

Wegen versuchten Totschlags an der Ex-Freundin mit einem Beil, gefährlicher Körperverletzung und fünffacher Beamtenbeleidigung soll ein 22-jähriger Lenninger Lackierer fast fünf Jahre hinter Gitter.

BERND WINCKLER

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LENNINGEN/STUTTGART Im Prozess vor dem Stuttgarter Schwurgericht beantragte gestern die Staatsanwältin gegen den Mann das Strafmaß von vier Jahren und acht Monaten Haft.

Für sie war am gestrigen zweiten Verhandlungstag vor dem Stuttgarter Landgericht klar, dass der 22-Jährige an jenem 24. Juni vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung seine Freundin zwar nicht töten wollte, aber beim Zuschlagen mit der stumpfen Seite eines Beils deren mögliches Ableben billigend in Kauf genommen habe.

Es geschah nach einer Sonnwendfeier bei Erkenbrechtsweiler. Bereits auf dem Heimweg bekamen der Angeklagte und seine Lebensgefährtin aus nichtigem Anlass Streit, wie die Anklägerin jetzt nach Abschluss der Beweisaufnahme feststellt. Dabei habe der 22-Jährige die Frau so schwer beleidigt, dass diese, zusammen mit einem anderen Begleiter, einen anderen Heimweg wählte. Der Streit setzte sich in der gemeinsamen Wohnung ebenfalls im Beisein des Bekannten fort. Erneut gab es gegenseitige Beleidigungen, es wurde geschubst und schließlich soll der Angeklagte den Kopf der Frau an eine Wand geschlagen haben.

Nach einem Fußtritt ins Gesicht, so die Staatsanwältin, schloss sich die bereits schon erheblich verletzte Frau in der Toilette ein. Mit einem 800 Gramm schweren Beil habe der Angeklagte aber die Türe gewaltsam geöffnet und dann mit dieser Waffe auf den Kopf des Opfers mindestens zwei bis drei Mal eingeschlagen. Als der Bekannte dazwischenging und sagte, er solle aufhören "Du schlägst sie ja tot" habe der Angeklagte gesagt: "Na und, wenn schon, das ist meine Sache." Erst nachdem der Bekannte ihn von seinem Opfer wegzerrte, gab er auf.

Die inzwischen von Nachbarn alarmierten Polizeibeamten beleidigte der Angeklagte bereits bei deren Eintreffen an der Wohnungstüre. Als die Ordnungshüter aber die blutende Frau sahen, wurde er kurzerhand gefesselt und mit aufs Revier genommen. Die Verletzte selbst kam ins Krankenhaus. Sie erlitt schwere Kopf- und Armverletzungen. Der Angeklagte selbst hatte auf der Fahrt zum Revier noch fünf Polizeibeamte schwer beschimpft und beleidigt, einen dabei sogar verletzt.

Vor dem Schwurgericht selbst gab der Angeklagte nur einen Faustschlag gegen die Freundin zu. Den Rest wisse er nicht mehr. Dies aber nahm ihm die Staatsanwältin nicht ab und forderte die Richter der Schwurgerichtskammer auf, ihn wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung sowie mehrfacher Beleidigung zu der Gesamtstrafe von vier Jahren und acht Monaten zu verurteilen. Wer mit einem solchen Beil auf den Kopf eines Menschen schlägt, nimmt dessen Tod in Kauf, wetterte die Anklägerin. Strafschärfend sei zudem, dass der Mann bereits wegen Körperverletzung vorbestraft ist und noch unter Bewährung stehe.

Die Verteidigerin des 22-Jährigen hingegen vertritt die Meinung, dass rechtlich kein Tötungsversuch vorliegt und beantragte eine Strafe nur wegen Körperverletzung. Das Urteil wird am nächsten Dienstag verkündet.