Lokales

Mit Bürgern im Gespräch

Kirchheimer Ärzte werben auf dem Marktplatz um Verständnis für ihren Streik – Mittwoch Kundgebung

Die Klinikärzte sind frustriert. Nach dreimonatigen Verhandlungen und fünf Gesprächsrunden hat der Verband der kommunalen Arbeitgeber (VKA) noch kein verbindliches Tarifangebot unterbreitet. Deshalb haben Kirchheimer Mediziner gestern bei den Bürgern um Verständnis für die Fortsetzung ihres Streiks geworben.

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richard umstadt

Kirchheim. Während eine Gruppe von Ärztinnen und Ärzten in der Kirchheimer Klinik den Notdienst aufrecht hielt und eine andere Gruppe in der Stadt mit Bürgern über die Gründe der Arbeitsniederlegung sprach, nahm die Mehrzahl der streikenden Mediziner an der zentralen Großdemonstration in Frankfurt vor dem VKA-Sitz teil. Sie fordern von den kommunalen Arbeitgebern eine angemessene Grundvergütung und faire Bezahlung von Bereitschaftsdiensten in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen. Deren in Aussicht gestellte Gehaltssteigerungen von 2,9 Prozent für einen Zeitraum von 33 Monaten empfinden die Ärzte als Frechheit, zumal umgerechnet auf ein Jahr weniger als ein Prozent Gehaltsplus herauskommen würde. „Damit wäre noch nicht einmal ein Inflationsausgleich garantiert“, so Dr. Hans Widmann, Streikleiter der Ärzte im Kirchheimer Krankenhaus.

Auch der Stundenlohn für den Bereitschaftsdienst der Ärzte von fünf Euro treibt die Mediziner auf die Palme. Die Bereitschaftsdienste beginnen nach acht Stunden Vollarbeit und dauern in der Regel 16 Stunden. „Immer häufiger werden Routinetätigkeiten und selbst Operationen in die Zeit des Bereitschaftsdienstes geschoben, um Kosten zu sparen“, widerspricht Dr. Widmann der Behauptung des VKA, dass im Bereitschaftsdienst mehr geschlafen als gearbeitet wird. Die Arbeitgeber berechnen nämlich die Bereitschaftsdienste nicht voll, sondern werten sie nur zu einem geringeren Prozentsatz als Arbeitszeit.

Das alles führt dazu, dass der Beruf des Klinikarztes immer unattraktiver wird und es den Kliniken an Ärztenachwuchs mangelt. Deutschlandweit sind 5 000 Stellen unbesetzt, mit steigender Tendenz. „Da hilft es auch nicht, den Numerus clausus zu senken“, so Dr. Widmann. „Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sind einfach zu schlecht.“ Deshalb wollen die Mediziner weiter streiken, bis der VKA ein akzeptables Angebot vorlegt. Am Mittwoch findet deshalb morgens auf dem Esslinger Wochenmarkt eine Kundgebung der im Landkreis streikenden Ärzte statt. Anschließend fahren sie zur zentralen Protestveranstaltung nach Stuttgart, die dort auf dem Rathausplatz über die Bühne geht.