Lokales

Mit dem Bollerwagen zum Einsatz

Die Kinderfeuerwehr „Little red hot Chillies“ gehört zu den Anwärtern auf den Ehrenamtspreis

Sie waren die Ersten im ­gesamten Landkreis Esslingen und die zweite Truppe in ganz Baden-Württemberg: die „Little red hot Chillies“, die Kinderfeuerwehr von Notzingen. Die ­„heiße“ Gruppe ist Anwärter auf den Ehrenamtspreis.

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Iris Häfner

Notzingen. Dieser aus dem Rahmen fallende Einsatzwagen ist nicht zu übersehen und hat es im wahrsten Sinn des Wortes in sich: Der große Bollerwagen ist nicht nur feuerrot mit Folie und der Aufschrift „Feuerwehr Notzingen – Little red hot Chillies“ beklebt, sondern in seinem Innern finden sich D-Schläuche, C‑DCD-Verteiler und voll funktionsfähige Hohlstrahlrohre Marke Gardena-Eigenbau. „Das ist was ganz Besonderes, das gibt es nur in Notzingen“, verrät Benjamin Lay, Kommandant der Feuerwehr Notzingen. Hier zeigen sich die weiteren Fähigkeiten der einzelnen Feuerwehrleute, die aus einfachem Gartenschlauchzubehör und anderen Baumarktteilen mit viel Grips und Fingerfertigkeit einsatzfähige Löschgeräte für kleine Kinderhände als Prototypen anfertigen.

„Die Chillies, wie wir sie in der Kurzform nennen, sind ein komplettes Eigengewächs“, sagt Benjamin Lay voller Stolz. Die Frage, Kinderfeuerwehr ja oder nein, war schnell geklärt, denn die Notzinger Wehr trieb wie andere Vereine und Organisationen auch die Sorge um den Nachwuchs um. Die Jugendfeuerwehr zählte damals sechs Mitglieder. „In dem Alter haben sie dann drei Mal Nachmittagsschule, gehen in den Sportverein, spielen ein Instrument und haben deshalb für Neues keine Zeit mehr. Uns war klar, wir müssen sie früher für die Feuerwehr interessieren“, so der Kommandant.

Die Notzinger Wehr konnte und kann dabei mit ihren Pfunden wuchern: Mara Feller ist Mitglied der aktiven Wehr und von Beruf Erzieherin. Beste Voraussetzungen also, um 2006 mit der Kinderfeuerwehr zu starten – fehlte nur noch ein pfiffiger Name. „Bambini-Feuerwehr fanden wir zwar nicht schlecht, aber nicht einzig genug. Dann kam einer auf die Idee mit der Chilischote und das war‘s: die sind klein, rot und heiß, sprich, die brennen feurig auf der Zunge“, erzählt Benjamin Lay. Und weil die Kids dank Werbung mit Begriffen verwöhnt sind, wurden es die „Little red hot Chillies“.

Alle 14 Tage montags trifft sich der jüngste Notzinger Feuerwehrnachwuchs von 17.30 bis 18.30 Uhr, im Sommer wird‘s auch gern mal ein bisschen länger. Es gibt einen richtigen Dienstplan, auf dem sich die unterschiedlichsten Aktivitäten finden. Bei schönem Wetter stehen Spiel und Spaß im Freien auf dem Programm, in der kühlen Jahreszeit wird manchmal gebastelt, damit die Kinder etwas mit nach Hause nehmen können. Neben all dem fließen Feuerwehrthemen kindgerecht ein, die durchaus ihren praktischen Nutzen auch im Alltag haben, etwa, wie man sich bei einem Not- oder Brandfall richtig verhält. Unterstützung erhält Mara Feller durch ihre Schwester Lea Sigloch, ebenfalls aktive Feuerwehrfrau, und Michael Schobert, gleichfalls bei der aktiven Wehr.

Auch die Kleinsten müssen den Dienst korrekt in Schutzkleidung antreten: Fahrradhelm und Gummistiefel bringen sie von zu Hause mit, Warnwesten und Handschuhe in ihrer Größe bekommen sie ihm Magazin übergestreift. „Sicherheit steht an oberster Stelle, das gilt auch für die Chillies“, stellt Benjamin Lay klar. Derart gerüstet üben die Kinder wichtige Handgriffe und Verhaltensmuster der Feuerwehr ein: Schlauch schnell ausrollen, richtige Löschhaltung einnehmen oder richtiger Umgang mit Verteiler und Hohlstrahlrohr. Mit Letzterem lässt sich mit einer Kippbewegung der Hand das Wasser an- oder abstellen, Benjamin Lay spricht in diesem Zusammenhang von Sprühstößen. Außerdem können die Kinder damit drei verschiedene Löscharten ausführen: feines Sprühen, reiner Strahl und davon den Mittelweg.

Regelmäßig findet sich der Begriff „Notzingen kennenlernen“ auf dem Dienstplan. Dabei inspizieren die Kinder entlegene Ecken der Bodenbachgemeinde, lernen spielerisch die einzelnen Straßen und die Standorte der Hydranten kennen – und selbstverständlich waren sie auch schon im Wasserhochbehälter in Wellingen.

Der Hauptübung am 9. Oktober fiebern die jüngsten Mitglieder der Feuerwehr Notzingen langsam entgegen. Ihre Feuertaufe haben sie schon 2007 mit Bravour bestanden. Die damals 17-köpfige Truppe musste zunächst zur Brandbekämpfung mit Kübelspritzen ausrücken und konnte recht schnell „Feuer aus“ melden. Als zweite Aufgabe folgte eine weitere Variante der Brandbekämpfung. Gekonnt bauten vier Trupps den Löschangriff mit drei D-Strahlrohren auf. Sie warfen die Schläuche aus, kuppelten sie aneinander und gaben den Befehl „Wasser marsch“ an den Trupp, der den Verteiler bediente, weiter. Zielsicher löschten sie auch dieses Feuer. Apropos D-Rohre und -Schläuche: Sie gehören zur Standardausrüstung der „großen“ Feuerwehr und kommen bei kleinen Bränden regelmäßig zum Einsatz.

Wer mehr über die Chillies erfahren möchte, kann sich auf der Homepage www.feuerwehr-notzingen.de näher informieren. Dort finden sich auch Bilder vom ersten Hüttenwochenende und der Hauptübung.