Lokales

Mit dem Fahrrad von Prag nach Cuxhaven

Nachdem letztes Jahr Venedig an der Reihe war, hatte sich die Männersportgruppe des TSV Oberboihingen auch heuer wieder eine außergewöhnliche Radtour vorgenommen. Sie führte die Pedaleure vom Herzen Böhmens an die Nordsee. Mit dabei bei der anspruchsvollen Tour waren Werner Geissler aus Lindorf und Rolf Henzler aus Ötlingen.

RAINER STEPHAN

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KIRCHHEIM Dass auch im fortgeschritteneren Alter noch ordentlich Sport betrieben werden kann, zeigten einmal mehr die Oberboihinger Männersportler. Die Altersspanne der siebenköpfigen Gruppe reichte von 58 bis 71 Jahre.

Die Anfahrt zum Ausgangspunkt Prag erfolgte mit dem Kleinbus und Fahrradanhänger. Zur Einstimmung auf die vor ihr liegenden Strapazen gönnte sich die Gruppe eine ausgiebige Rundfahrt durch die "Goldene Stadt" mit Einkehr im Traditionsgasthof "Schwejk".

Von Prag aus waren am ersten Tag 140 Kilometer über Melnik, der Elbe entlang und über Litomerice bis nach Aussig zu bewältigen. Abwechselnd fuhr jeder mal das Begleitauto, sodass alle zu ihrer verdienten Verschnaufpause kamen.

Weniger einladend zeigte sich der zweite Tag es war kalt und regnerisch. Das Tourenheft hatte mit seiner Empfehlung Recht, hin und wieder das Rad zu schieben. Denn je näher die Grenze kam, umso schlechter wurden die Straßen. Am Elbsandsteingebirge vorbei wurde alsbald Bad Schandau gesichtet und über Pirnau dann das schöne "Elbflorenz" Dresden erreicht, das in aller Ruhe besichtigt werden konnte. Erst gegen 21 Uhr kamen die sieben Schwaben erschöpft im Nachtquartier in Radebeul an.

Weiter an der Elbe entlang ging die Reise über Meißen und Torgau zum Etappenziel Dommitzsch. Dort wurden die Strukturprobleme des Ostens offensichtlich. Von einstmals 4000 Einwohnern sind gerade noch 1500 übrig geblieben mit weiter fallender Tendenz. Der Gastwirt entließ anderntags seine lieb gewonnenen Gäste erst, nachdem sie ihm nochmals das Radlerlied "Wir fahr'n so gerne Rad" gesungen hatten. Nächster Zwischenstopp war in der Lutherstadt Wittenberg angesagt, das mit allen seinen Sehenswürdigkeiten gründlich inspiziert wurde. Die aufkommende Hitze ließ den Wunsch nach reichlich Sonnencreme und Wasser aufkommen, um die größte Touretappe mit 160 Kilometer bis nach Magdeburg unbeschadet bewältigen zu können.

Bei Kilometer 500 legten die Hobbysportler eine Pause ein und gönnten sich ein Glas Sekt auf einer Elbterrasse. Dieses Bild hatte auch symbolischen Charakter; Rolf Henzler: "Das Schöne an dieser Tour ist die Dominanz der Kameradschaft gegenüber dem sportlichen Leistungsgedanken."

Beeindruckend in der Landeshauptstadt waren der Dom, der Marktplatz mit dem MagdeburgerReiter und das sehenswerte Rathaus, erbaut im italienisch-niederländischen Renaissance-Stil. 15 Kilometer flussabwärts mussten die Radler das größte europäische Wasserstraßenkreuz passieren, wo der Mittellandkanal die Elbe in zehn Meter Höhe überquert. Bei Rogätz wurde die Elbe wieder mit einer "Giersfähre", einem strömungsgetriebenen Schiff, überquert. Tagesziel war Havelberg, ein reizvolles Städtchen mit ostelbischer Backsteinkultur, in der die kreisrunde Innenstadt völlig von Wasser umgeben ist.

Entlang der Havel verließ die Gruppe am nächsten Tag Sachsen-Anhalt und landete in Brandenburg, um in Wittenberge den ersten ungeplanten Stopp einzulegen: In Richtung Elbdeich befanden sich die Radfahrer plötzlich inmitten von Filmdreharbeiten. Beeindruckenswert waren bei diesem Tourabschnitt die vielen Störche, die in den Flussauen ihr Zuhause haben. Danach führte der Radweg von der Elbe weg und bescherte eine ungewollte Bergetappe bis zum Zielort Bleckede.

Tags darauf quälte die Radler die Sorge um eine Übernachtungsmöglichkeit im von Touristen "total überfüllten" Hamburg. So stellte sich die Stippvisite in Ochsenwerder als Glücksfall heraus, da die Bekannten bei der Quartiersuche erfolgreich mithalfen. Direkt auf der Reeperbahn, gleich neben der "Großen Freiheit", ließ sich noch ein gemütliches Plätzchen finden. Selbstredend war der Abend mit dem Besuch klassischer Highlights wie Hafen, Fischmarkt und Binnenalster ausgebucht.

Während der letzten 70 Kilometer bis Cuxhaven blies den Sportlern ständig frischer Nordseewind ins Gesicht. Ein Glück, dass die Windschatten spendenden "Zugpferde" Heiner Kromer und Rolf Henzler die Radkameraden unter ihre Fittiche nahmen. In diesem Tourabschnitt stellte sich das Radfahren nicht ganz einfach dar, da öfters durch Schlupftüren die Weidezäune passiert werden mussten. Ein Kurzurlaub am Zielort mit Wattenmeerfahrt und einem Besuch der Insel Helgoland schloss die glücklicherweise von Unfällen und Pannen verschonte Tour ab. Wen wundert es da noch, dass alle Teilnehmer rundum zufrieden waren und schon heute an zukünftige Erlebnistouren im Kreise Gleichgesinnter denken.