Lokales

"Mit dem Fahrrad zum Einkauf"

Das negativ besetzte Bild des "nach oben buckelnden und nach unten tretenden Radfahrers" von einst hat längst ausgedient. Grell gekleidet und selbstbewusster denn je erleben sportliche Zweiradfahrer auf filigranen Rennpneus oder groben Stollenreifen ihre Freizeit. "Hollandräder" und andere "Alltags-Exoten" wurden längst wieder als ideale Vehikel für die Fahrt in die Stadt oder für rasche Einkäufe entdeckt.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Die Verwendung des Fahrrads als alltägliches Verkehrsmittel soll in Kirchheim konsequent gefördert werden. Die Kirchheimer Stadtverwaltung trägt in enger Zusammenarbeit mit der Initiative "FahrRad" der Lokalen Agenda 21 mit dem Bau von Radwegen und der Markierung von Schutzstreifen ihren Teil dazu bei. Dass Radfahren in Kirchheim schon lange ein wichtiges Thema ist, belegt zweifelsfrei eine schon im Jahr 1987 am Rathausgiebel angebrachte Plakette. In offensiver Bescheidenheit wird dort darauf hingewiesen, dass Kirchheim sich als Sieger des Landeswettbewerbs "Mit dem Fahrrad in der Stadt" feiern kann. Seither hat sich viel getan und nach einer ersten Phase, in der die Planung vor allem die Freizeitradler auf sicheren aber nicht immer direkten Routen durch die Stadt führte, wurde das Zweirad längst als alltagstaugliches Fortbewegungsmittel entdeckt, dem auch entlang der Hauptverkehrsachsen Direktrouten für ein schnelles und zielorientiertes Vorankommen etwa zum Bahnhof zur Verfügung gestellt werden müssen.

Dass Günter Riemer als Kirchheimer Bürgermeister und Präsident des württembergischen Radsportverbandes ganz besonders darauf achtet, dass die längst vor ihm schon gut ins Rollen gekommene Zweiradszene nicht stagniert, überrascht nicht. Das Fahrrad ist dank der günstigen Topografie Kirchheims und nicht zuletzt auch dank des Engagements der Initiative "FahrRad" der Lokalen Agenda ungebremst im Vormarsch. Nach der Initialzündung eines ersten Runden Tisches zum Thema "Radfahren in Kirchheim" zogen Bürgermeister Günter Riemer und der Sprecher der Initiative "FahrRad", Dieter Hutt, gestern ein äußerst positives Resumee ihres inzwischen zweiten gemeinsamen "Runden Tisches".

Die künftig immer zu Beginn und gegen Ende der Fahrradsaison geplanten Begegnungen sieht Dieter Hutt dabei auch als ein Zeichen der Wertschätzung der bisher geleisteten Arbeit an. Die erste und viel gelobte Maßnahme der Initiative FahrRad und der Kirchheimer Stadtverwaltung war das bis heute stark nachgefragte "Scherbentelefon". Unter der Rufnummer 0 70 21 / 50 21 62 können Verunreinigungen, nicht funktionierende Beleuchtungskörper oder auch gefährliche Scherben auf der Fahrbahn mit genauer Ortsangabe direkt an den Bauhof weitergeleitet werden. Bei längeren Radtouren kann es durchaus vorkommen, dass die per Handy durchgegebenen Probleme auf der Heimfahrt bereits beseitigt sind. Immerhin 35 Missstände wurden im laufenden Jahr bereits gemeldet und konnten dann auch umgehend behoben werden.

Wichtige Geburtshilfe leisteten die Mitglieder der Agenda-Initiative "FahrRad" auch bei der Markierungskonzeption, die jetzt konsequent nach entsprechend gesetzten Prioritäten abgearbeitet wird. Für so etwas wie einen Quantensprung beim Bemühen, die vielen Vorteile des Alltagsradelns in unterschiedlichsten Ausprägungen deutlich zu machen, hatte die Imagekampagne "FahrRad" im vergangenen Jahr gesorgt.

Wie ein roter Faden zogen sich durch das gestrige Pressegespräch natürlich immer wieder die Schutzstreifen, die sich nach anfänglichen Berührungsängsten längst guter Akzeptanz erfreuen. Die Umsetzung weiterer solcher Schutzstreifen ist im kommenden Jahr in der Nürtinger Straße im Bereich Steingaubrücke und in Jesingen vorgesehen.

Sehr zufrieden zeigten sich Bürgermeister Günter Riemer und Dieter Hutt gestern auch mit dem Ergebnis des vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFZ) und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) durchgeführten "Fahrradklimatests". Innerhalb der Region Stuttgart konnte Kirchheim bekanntlich einen zweiten Platz hinter Bietigheim-Bissingen belegen und sich damit vor Nürtingen, Filderstadt, Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen und Göppingen positionieren. Landesweit reichte es im Kreis von insgesamt siebzehn vergleichbaren Städten für Platz vier.

Wie berichtet, erhielt Kirchheim dabei die besten Noten in den beiden Kategorien "Werben für das Radfahren" und "Maßnahmen in jüngster Zeit". Die schlechteste Platzierung erhielt Kirchheim beim Punkt "Fahrraddiebstahl", was möglicherweise für eine erfreulich starke Nachfrage der im Zuge der Umbaumaßnahmen des Bahnhofsvorplatzes angebotenen Fahrradboxen sorgte, die schon zu 50 Prozent ausgebucht sind. Im kommenden Jahr sollen auch am Bahnhof in Ötlingen zunächst einmal drei Boxen aufgestellt werden, die für fünf Euro im Monat oder 50 Euro im Jahr gemietet werden können, um das Fahrrad vor Diebstahl und Vandalismus geschützt unterzubringen.

Klarer Schwerpunkt der Fahrrad- und Einzelteildiebstähle war im zurückliegenden Jahr neben Schulen wieder das Freibad, dass daher in der Sommersaison auch wieder intensiv beobachtet werden soll.

Am Samstag, 13. Mai, plant die Initiative "FahrRad" eine von Stadt und Land geförderte Aktion "Mit dem Fahrrad zum Einkauf". Lokale Fahrradhändler präsentieren sinnvolles Zubehör wie Anhänger, Fahrradtaschen und Körbe. Außerdem sollen Fahrradanhänger angekauft und vier Wochen lang kostenlos zum Test zur Verfügung gestellt werden. Angeregt wurde beim jüngsten Runden Tisch, beim nächsten Parkplatzflyer auch Fahrrad-Stellplätze und die für Einkäufe per Rad geplanten Schließfächer dort ebenfalls einzuzeichnen.