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Mit dem Motorrad auf Brautschau

Maria und Hermann Kaufmann gaben sich vor 60 Jahren das Ja-Wort

Maria und Hermann Kaufmann aus Ochsenwang haben sich am 14. Januar 1955 das Ja-Wort gegeben. Gerne erinnern sich die Eheleute morgen am Fest ihrer diamantenen Hochzeit daran.

60 Jahre lang haben sie Freud und Leid geteilt: Maria und Hermann Kaufmann aus Ochsenwang. Foto: Jean-Luc Jacques
60 Jahre lang haben sie Freud und Leid geteilt: Maria und Hermann Kaufmann aus Ochsenwang. Foto: Jean-Luc Jacques

Bissingen. Maria Bazle und Hermann Kaufmann lernten sich im „Flecka“ auf der Alb kennen und lieben. Die „Kerle“ aus Bissingen kamen regelmäßig herauf, um beim alten Kronenwirt Renz einzukehren. Zu den jungen Männern aus der Seegemeinde gehörte auch Hermann Kaufmann. Gerne startete er im Tal sein DKW-Motorrädle, um seine Braut oben in Ochsenwang zu besuchen.

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Im Januar 1955 heirateten die beiden in der Bissinger Kirche. Es war Winter, doch es regnete. Daran erinnert sich Maria Kaufmann noch gut. Gefeiert wurde im Adler. Es war eine große Hochzeit, denn neben der großen Verwandtschaft waren auch Nachbarn und Bekannte geladen, wie es früher so üblich war. Da Maria das jüngste Mädchen von sieben Geschwistern war, gab es genügend Platz in ihrem Elternhaus in Ochsenwang, und das Brautpaar konnte dort einziehen. Noch im selben Jahr kam ihre Tochter zur Welt, 1965 der Sohn.

Hermann Kaufmann arbeitete in Kirchheim als Schreiner, seine Ehefrau übernahm vom Vater die Ochsenwanger Poststelle und führte sie weiter. „Die war bei uns in der Stub’. Wir haben einen Schreibtisch hingestellt, und das war die Post.“ Hier verkaufte sie Briefmarken und bezahlte Renten aus. Sie trug Briefe und Pakete bei Wind und Wetter von Haus zu Haus. Das war vor allem im Winter nicht einfach, denn auch Engelhof, Rauberhof, Randeck, Ziegelhütte und Hoffmeister-Haus gehörten zum Ochsenwanger Bezirk. Schließlich erhielt Maria Kaufmann einen fahrbaren Untersatz, um leichter ihrer Arbeit nachgehen zu können.

1973 wurde die Ochsenwanger Poststelle aufgelöst, und die Posthalterin wurde zunächst nach Weilheim und dann nach Bissingen versetzt.

In Höhen und Tiefen hielten sie stets fest zusammen

Dort betreute sie die Poststelle bis zu ihrem 60. Lebensjahr 1994. Mit der Post waren die Kaufmanns auch in Urlaub an der Ostsee und in der Schweiz. „Wir sind immer miteinander fort und haben viel gesehen.“

Die vergangenen sechs Jahrzehnte hielten Maria und Hermann Kaufmann „in Höhen und Tiefen“ fest zusammen, wie die 81-Jährige sagt. Sie erzogen ihre beiden Kinder, die heute in Ochsenwang und Bissingen leben, und bauten ihr Haus von der Bühne bis zum Keller um und modernisierten es. Heute trifft sich Maria Kaufmann gerne mit anderen Frauen im „Schwalbennest“ und versorgt noch das „bissle Gmüs“ und die Hennen mit Gockel Gustav.

Liebevoll kümmert sie sich um ihren Mann, der nach einem Schlaganfall nicht mehr ganz so sicher auf den Beinen ist. „Damals war ich noch ganz anders auf Zack“, meint der 82-Jährige lachend und erinnert sich an die luftigen Zeiten, als seine Maria noch als Sozia hinter ihm auf dem Motorrädle saß. Beide sind dankbar, dass sie so lange zusammenbleiben dürfen. Gemeinsam mit ihren Kindern, ihrem Schwiegersohn und ihrer Schwiegertochter sowie den vier „Engala“ feiern Maria und Hermann Kaufmann am Sonntag „ganz ohne Trubel“ ihre diamantene Hochzeit. Zuversichtlich blicken sie in die Zukunft: „Die Eiserne schaffet mir au no . . .“