Lokales

Mit dem Rad auf Energie-Tour

Lokale Agenda Energie präsentiert Palette zur Einsparung von Energie

Schon lange Zeit vor der offiziellen Eröffnung der „Energie-Tour 2008“ der Lokalen Agenda, Arbeitsgruppe Energie, drängten sich zahlreiche Inte-ressierte vor dem und im Kirchheimer Rathaus. Schnell umringt waren die aufgestellten Informationsstände. Das alles sehr zur Freude der Veranstalter und Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker: „Ich freue mich sehr über die ungeheure Resonanz“.

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Rudolf stäbler

Kirchheim. In ihrer Eröffnungsrede machte die Oberbürgermeisterin klar, dass die Energie das Thema heute sei und auch in Zukunft sein wird. Immer knapper werdende Ressourcen und weltweit steigender Bedarf an Energie sorgten für drastisch steigende Preise. Und sie nannte auch noch Lösungswege: die Nutzung und den Ausbau erneuerbarer Energien, eine effiziente Energienutzung und das Sparen von Energie. Nur so, so Angelika Matt-Heidecker, könne der Bedarf einer Industriegesellschaft auch in Zukunft gedeckt werden. Dass die Stadt Kirchheim diesem Thema große Aufmerksamkeit schenke, sei unter anderem auch daraus zu ersehen, dass für die städtischen Liegenschaften ein Ener­gie-Ingenieur eingestellt wurde und ein Klimakonzept für die Stadt bereits in Planung sei. Außerdem ist die Stadt Kirchheim der Energie­agentur im Landkreis Esslingen beigetreten.

Die Oberbürgermeisterin erinnerte daran, dass die AG Energie seit über drei Jahren die Bürger der Teckstadt zum Energiesparen aufrufen und über die gegebenen Möglichkeiten informieren. Die Mitglieder der AG investierten auch jetzt wieder viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit um die Energie-Tour vorzubereiten und durchzuführen. Dafür gelte allen Beteiligten der Dank.

Die Energie-Tour, die am Nachmittag mit den Fahrrädern angegangen wurde, ist ein Teil des Projekts „Energie clever nutzen und sparen“, das vom Umweltministerium Baden-Württemberg und von der Stadt Kirchheim als Agenda-21-Projekt finanziell gefördert wird. Auf der Tour boten die Kirchheimer Firmen den Interessierten sogenannte Hausmessen.

Der Stuckateurbetrieb Reinöhl informierte über das Dämmen der Gebäudeteile in Zusammenarbeit mit der Dachdeckerei Angelmaier, die natürlich über Dachdämmungen Fragen beantworten konnte. Um Wasser und Wärme ging es bei der Firma Russ in Nabern. Dazu gehörten Fotovoltaik, Solarthermie, Pellets und Stückholz. Die Firma Bezler Heizungstechnik klärte unter anderem auch zu den Themen Wärmepumpe und Geothermie auf. Energiesparfenstern, Rollläden und Sonnenschutz hatte sich die Firma Fensterbau Grässle angenommen. Ebenfalls mit Informationen zur Hand waren die Firmen Fritz Haußmann, Stuckateurmeister und die Holzbau GmbH Banzhaf.

Mehr theoretisch, aber nicht weniger interessant, waren die verschiedenen Fachvorträge am Vormittag im großen Sitzungssaal des Rathauses, der wohl einen solchen Besucherandrang bei den Gemeinderatssitzungen nicht aufweisen kann.

Zunächst ging es um den „Geldbeutel“ der Interessierten. Diplom-Ingenieur Bernd Söllner erklärte die verschiedenen Möglichkeiten, an die Fördertöpfe zu kommen. Staatliche Einrichtungen bieten vielfältige Förderungen in den Bereichen Wärmeschutz und Heizenergieeinsparung an. Zu den Fördermöglichkeiten gehören zinsgünstige Darlehen, Zuschüsse oder Erleichterungen bei der Einkommenssteuer. Zum Teil haben auch Kommunen und Energieversorgungsunternehmen Förderprogramme entwickelt.

Wie wichtig ein Energieausweis ist, machte Energieberater Gerd Kicherer in seinem Referat klar. Es ist die wichtigste Information über ein Gebäude auf einen Blick. Der Energiepass verschaffe Klarheit über den Energiebedarf von Wohngebäuden und, so Kicherer, ist eine verlässliche Hilfe bei Miet- und Kaufentscheidungen.

Dem Heizen mit der Sonne hatte sich Diplom-Ingenieur Bernd Söllner gewidmet. Diese Energie kann mittels Solarkollektoren direkt in Wärme für Warmwasserbereitung und/oder Heizung (Solarthermie) oder auch in Strom (Fotovoltaik) umgewandelt werden. Solarthermische Anlagen zur Warmwasserbereitung werden üblicherweise so ausgelegt, dass sie den Warmwasserbedarf für einen Vier-Personen-Haushalt im Sommer vollständig decken. Argumente für die Solarthermie gibt es laut Söllner genügend. So ist die Anlage eine krisensichere Investition, ein aktiver Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, eine Stück Unabhängigkeit, ein sichtbares Zeichen für Verantwortungsbewusstsein. Solaranlagen stellten mit einer Lebensdauer von mehr als 20 Jahren eine ausgereifte und sichere Technik dar.

Referent für den Bereich Geothermie war Diplom-Ingenieur Andreas Kiefer. Es handelt sich hierbei um die Nutzung von Umgebungswärme. Auch bei niedrigen Temperaturen enthalten Luft und Boden reichlich Wärmeenergie. Um diese nutzbar zu machen, muss die Wärme allerdings mit einer Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau angehoben werden. Dem Boden oder der Luft wird zur Nutzung dieser Möglichkeit über Erd- oder Luftwärmetauscher Energie entzogen und dem Heizungssystem zugeführt.