Lokales

Mit der Kamera auf Suche nach eigenem Platz

Ein Treff mitten im Städtle, ohne dass Nachbarn gestört werden. Der seit Jahren gehegte Wunsch von Weilheimer Jugendlichen scheint der Quadratur des Kreises zu gleichen. Mit Hilfe eines Videoprojekts sollen sich die Teenies Klarheit über ihre genauen Vorstellungen verschaffen.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Als eine Art Pilotprojekt will der Geschäftsführer des Esslinger Kreisjugendrings (KJR), Kurt Spätling, den Videodreh verstehen. Das Projekt soll die Möglichkeit eröffnen, das Vorhaben buchstäblich auszuleuchten und Fragen sowie mögliche Probleme im Zusammenhang mit Nachbarschaft, Standort, Aufsicht, Ruhestörung oder Müll im Vorfeld zu erkennen.

Schon seit Jahren sind Jugendliche, meist Mädchen und Jungs ausländischer Herkunft, in der Limburgstadt auf der Suche nach einem geeigneten Treffpunkt, an dem sie zwanglos zusammenkommen können. Obwohl überwiegend regelmäßige Besucher des Jugendtreffs im Untergeschoss der Limburghalle, steht der Wunsch nach einer gemeinsamen Anlaufstelle in der Stadt auf der Prioritätenliste der Teenies ganz oben. "Und wenn der Jugendtreff 24 Stunden offen hätte, würden wir uns trotzdem gerne auch mal ohne Erwachsene treffen", sagte die 15-jährige Anita während eines Pressegesprächs gestern. Um ihrem Ansinnen nach einer Jugendanlage Nachdruck zu verleihen, hat die Clique rund hundert Unterschriften gesammelt. Vom Spielplatz in den Hofgärten im Städtle und vom Eingangsbereich der Stadtbücherei verdrängt, nachdem es Probleme mit Anwohnern gegeben hatte, treffen sich die 14- bis 16-Jährigen seit geraumer Zeit neben der Kreissparkasse an einer wenig einladenden Bushaltestelle, an der sie nicht unter sich sind. Zum harten Kern gehören 15 Teenies. Bisweilen rotten sich aber auch 30 Jugendliche in der Stadtmitte zusammen.

Ob es ein bloßes Dach auf vier Pfosten mit Bänken und einem Mülleimer ist, was sie sich vorstellen oder ob es daneben auch die Möglichkeit geben soll, Fußball zu spielen die Überlegungen der Teenies gehen derzeit noch in ganz unterschiedliche Richtungen. "Klar ist, dass ihr auch zu Kompromissen bereit sein müsst", betonte Spätling. Als neuralgischen Punkt sieht er die Standortfrage. "Wir wollen die Jugendlichen nicht an den Rand drängen." Andererseits müsse man mit etwaigen Anwohnern zu einer Lösung kommen. "Es muss uns gelingen, die Leute großzügiger, toleranter zu machen", so seine Überzeugung.

In dem Videoprojekt soll ergebnisorientiert gearbeitet werden. Zur Unterstützung stellt der KJR den Jugendlichen eine Studentin an die Seite. Am Anfang sollen die Erstellung eines Drehbuchs und die Überlegung stehen, wie das Projekt am sinnvollsten dargestellt werden kann. Auch werden sich die Teenies mit der Recherche nach geeigneten Plätzen beschäftigen, und die Befragung von anderen Jugendlichen sowie von Anwohnern wird eine Rolle spielen. "Die Jugendlichen müssen außerdem sehen, ob es Leute gibt, die das Projekt sponsern", sagte Spätling. "Wenn der Film stimmt, muss man an die Umsezung gehen", gibt er sich optimistisch. Der KJR-Geschäftsführer erinnert an eine in Kirchheim vor zwei Jahren durchgeführte Befragung von über 1 000 Jugendlichen, in der unter anderem der Wunsch nach einem preiswerten Cafe ohne sozialpädagogische Betreuung laut wurde. Spätling: "Vielleicht erleben wir ja die Renaissance der Milchhäusletreffs."

Im Rahmen eines Runden Tisches wurde auch der Stadtverwaltung deutlich gemacht, dass der Wunsch nach einer Jugendanlage ernst zu nehmen ist. Während der jüngsten Sitzung des Jugendtreffbeirats wurde das Projekt einstimmig begrüßt. Auch Rathauschef Hermann Bauer ließ auf Anfrage verlauten: "Wir stehen dem Ansinnen der Jugendlichen positiv gegenüber."

Rückendeckung gibt's außerdem von Evelyn Schmidt, der Leiterin des Weilheimer Jugendtreffs: "In dem Alter sind die Teenies auf dem Weg in die Eigenständigkeit und haben zunehmend das Bedürfnis nach einer Privatsphäre." Klar ist für sie jedoch auch, dass es mit dem Erreichen des Ziels nicht getan ist. "Wenn die Anlage erst mal da ist, müssen die Teenies viel dafür tun, sie auch zu erhalten." Eine Konzeption soll deshalb auch für eventuell auftretende Problemfälle erstellt werden.

Spätling sieht das Weilheimer Projekt in einen größeren Rahmen eingebunden: "Unser Personal muss mobiler werden." Ob derartige lockere Treffpunkte in der Zukunft eventuell sogar Jugendhäuser ersetzen können, ist für den KJR-Mann ebenfalls eine noch nicht abschließend geklärte Frage.