Lokales

Mit der Kamera über den Teckturm weit hinaus geblickt

BISSINGEN Sich für die Schönheiten der heimischen Landschaft und gleichzeitig für die Exotik ferner Länder zu begeistern, muss sich nicht ausschließen. Das belegen einmal mehr die Bilder des Bissinger Fotografen Hans-Jörg Richter. "Fotos rund um die Teck" sowie "Tiere und Landschaften Südafrikas", beides

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RICHARD UMSTADT

zeigt er in den hellen und für eine Ausstellung geradezu prädestinierten Räumen des Bissinger Rathauses.

Bürgermeister Wolfgang Kümmerle äußerte sich bei der Vernissage froh darüber, den engagierten Mitbürger für die Fotoausstellung gewonnen zu haben. Seinen Bildern sehe man an, dass er sich in der Seegemeinde wohlfühlt. Dabei ist es für einen Fotografen nur selbstverständlich, dass er seine nähere Heimat sehr genau und vor allem durchs Objektiv betrachtet und neu entdeckt, wie zum Beispiel das fotografische Schmankerl "Abnehmender Mond hinter Teckturm" beweist. Für jemanden, der das Wahrzeichen der Region seit Geburt an vor Augen hat, muss es immer wieder aufs Neue reizvoll sein, den Teckberg aus einem noch nie gesehenen Blickwinkel zu betrachten. Zusammengetragen und präsentiert auch in Hans-Jörg Richters "Teckkalender", der inzwischen nicht nur in Bissingen "Kultstatus" besitzt, wie der Bürgermeister verriet.

Andererseits lernte der Schwabe auf vielen Reisen, richtigerweise Safaris, die besondere Atmosphäre und das besondere Licht Afrikas kennen und lieben. "Er kam dem Garten Eden ganz nah", wie Wolfgang Kümmerle sagte. So entstanden faszinierende Fotos von Löwen, Elefanten, Giraffen, Affen, Flusspferden, Vögeln und Landschaften Afrikas, die bewusst deren Schönheit zeigen und Lohn für Ausdauer und Geduld sind.

Von Haus aus ist Hans-Jörg Richter kein Fotograf, wie dessen Bruder Bernhard in seiner Ausstellungseinführung sagte. Doch wie bei vielen Söhnen exzessiv fotografierender Väter blieb es auch bei Hans-Jörg Richter nicht aus, dass er zur Kamera griff, einer Exakta Varex. Damals gab es noch keine Automatik und schnell musste Hans-Jörg Richter lernen, was Belichtungszeit und Blende bedeuten. Die Belichtung musste mit einem separaten Belichtungsmesser in Verbindung mit Erfahrungswerten eingestellt werden. Lange probierte er herum, ohne sich wirklich weiter zu entwickeln. Der entscheidende Moment für ihn war eine Reise nach Kenia im Jahr 1994. Dort sah er auf einmal Farben und Landschaften, die ihn neu ausrichteten. Während allerdings Vater Reinhold Richter immer noch analog fotografiert und Dias für seine bekannten Lichtbildervorträge produziert, wurde Hans-Jörg Richter vom Digital-Virus infiziert.

Dass eine Foto-Safari nicht unbedingt ein Osterspaziergang ist, wusste Bernhard Richter aus eigener Erfahrung: Elfstündiger Flug nach Johannesburg, mit dem Mietwagen Fahrt in den Krüger-Nationalpark, um sechs Uhr morgens wecken, eine Dose Cola zum Frühstück, von 6.30 bis 17 Uhr Foto-Pirsch im Nationalpark, "wobei nicht selten ein bis zwei Stunden ausgeharrt werden muss, bis so ein Bild gelingt".

"Hans-Jörg beherrscht sein Handwerk mittlerweile relativ gut und seine Bilder sind fast brillant", urteilte Bernhard Richter. Dies könne man unter anderem auch am Aufbau seiner Fotos erkennen.

Hans-Jörg Richter ist seit sieben Jahren Mitglied der Bissinger Hobbykünstler und stellte 2000 auch zum ersten Mal seine Fotos der Öffentlichkeit vor. Die vielen positiven Rückmeldungen hätten ihn in seinem Tun bestärkt. Eine weitere Richtschnur ist für ihn der Vergleich mit den Fotos der Foto-Comunity im Internet. Der erfolgreiche "Probelauf" für seine Ausstellung im Bissinger Rathaus erfolgte übrigens in den Amtsräumen seines Bruders Bernhard im Reichenbacher Rathaus.

Das Handwerkszeug des Bissinger Freizeit-Fotografen ist eine EOS 20 D, wobei eine EOS 40 D hinzukommen wird. Seine Fotos optimiert er am Computer, verfremdet sie aber nicht. "Ich versuche bewusst, die Schönheiten der Welt zu zeigen, nicht die Probleme. Ich bin kein Dokumentator", so der 44-Jährige, dessen nächstes großes Projekt eine Foto-Safari zu den außergewöhnlichen Landschaften Namibias sein wird.

Am Anfang stand nicht das Wort, war auch nicht das Bild. Am Anfang der Vernissage war der Klang. Marimbafonklänge enführten die Besucher vom Bissinger Rathaus weg in die Weiten Afrikas, erinnerten an ferne Trommeln im Busch, an das Prasseln des Regens und das Rauschen der Flüsse. Die musikalische Einführung in die Foto-Ausstellung hätte passender nicht sein können. Dass die 15-jährige Vanessa Wünsch aus Kirchheim am Marimbafon ein "Riesentalent" ist und bereits etliche Preise einheimste, wie Hans-Jörg Richter verriet, ließ sich aus dem kleinen Ausschnitt ihres Repertoires bereits erkennen.

INFO Die Ausstellung im Bissinger Rathaus dauert bis 29. Februar 2008 und ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen: Montags von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Am Sonntag, 9. Dezember, ist der Künstler von 15.30 bis 19 Uhr anwesend.