Lokales

Mit der Messe wächst das Geschäft mit der Lust

Die neue Messe lockt so manche Unternehmer zu Neuansiedlungen auf die Filder. Auch im sprichwörtlichen horizontalen Gewerbe hat die moderne Ausstellungswelt Begehrlichkeiten geweckt und die Hoffnung, viele Euros mit Vergnügungsstätten wie Bordells oder Saunaclubs verdienen zu können. Die Kommunen schicken sich an, einigermaßen verträgliche Lösungen für die zunehmende Prostitution zu finden.

HARALD FLÖSSER

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KREIS ESSLINGEN Für Leinfelden-Echterdingen hat das Regierungspräsidium Stuttgart im September 2005 "zum Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstands" eine Sperrbezirksverordnung erlassen. Diese besagt, dass es im Stadtgebiet sechs Toleranzzonen gibt, in denen die Ausübung der Prostitution zugelassen ist. Vier davon liegen in den Gewerbegebieten von Leinfelden und Echterdingen. Erlaubt sind die sexuellen Dienstleistungen auch in unmittelbarer Nähe der Messe und des Flughafens. Die Stadt wollte mit der neuen Verordnung gegen die Prostitution in privaten Appartements vorgehen. Vor allem im Stadtteil Stetten hatte man damit zeitweise große Probleme. "Das haben wir nun im Griff", berichtet Klaus Peter Wagner, der Pressesprecher der Stadt Leinfelden-Echterdingen.

Dafür macht die Filderkommune nun Schlagzeilen als künftiger Standort für große Eroscenter. Ende dieses Monats wird im Gewerbegebiet Echterdingen-Nord ein Sauna- und Wellness-FKK-Club eröffnen. Der Geschäftsmann Jürgen Rudloff baut zu diesem Zweck ein bestehendes Gebäude in der Dieselstraße für 3,5 Millionen Euro um. Das im orientalischen Stil gestaltete Etablissement soll den Namen Paradise Island tragen. Nach dem Baurecht gilt der Betrieb als "Vergnügungsstätte". "Entspannung" finden die Gäste vor allem in den 35 Zimmern, in die sie sich mit den freizügigen Damen des Saunaclubs zurückziehen können. Dieser integrierte Bordell-Betrieb gelte offiziell als Nebengeschäft, erklärt Stadtsprecher Klaus Peter Wagner.

Ein echtes Bordell ist im Gewerbegebiet des Stadtteils Stetten geplant. Eine Firma aus Ostfildern möchte in der Sielminger Straße ein sogenanntes Laufhaus errichten. Der Stadt liege dafür eine Bauvoranfrage vor, bestätigt Klaus Peter Wagner. Laut Sperrbezirksverordnung sei ein Bordell-Betrieb dort auch zulässig. In Stetten hatte ursprünglich Jürgen Rudloff seinen Sauna- und Wellness-FKK-Club eröffnen wollen. Nachdem er dort jedoch auf massiven Widerstand gestoßen war, unter anderem bei den Nachbarn, orientierte sich der Geschäftsmann um nach Echterdingen.

"Uns war von vorneherein klar, dass wir durch den Bau der Messe mit solchen Vergnügungseinrichtungen konfrontiert werden", sagt der Sprecher der neuen Messestadt. Nun müsse man dafür auch erträgliche Rahmenbedingungen schaffen. Konkret bedeute dies, dass ein Gewerbestandort durch Bordell-Betriebe nicht abgewertet werden darf. Um dies gewährleisten zu können, will die Stadt die bestehenden Toleranzzonen nach den Worten Wagners "ein bisschen reduzieren".

In Ostfildern war das Thema in der Juni-Sitzung des Gemeinderats erstmals öffentlich zur Sprache gekommen. Im neuen Bebauungsplan für die "Vorderen und hinteren Hassenäcker" in Scharnhausen soll ein kleiner Bereich für bordellartige Betriebe vorgesehen werden. Die Verwaltung machte damals darauf aufmerksam, dass man sich in Ostfildern dem Thema nicht mehr verschließen könne. Denn in Städten mit mehr als 35 000 Einwohnern die Stadt hat diese Grenze vor Kurzem überschritten seien Freudenhäuser generell polizeirechtlich erlaubt. Im Vorfeld habe es eine "informelle Anfrage" eines potenziellen Investors gegeben, berichtet Bernd Kehrer, der Sprecher der Stadt Ostfildern. Er geht davon aus, dass durch die nahe gelegene Messe die Nachfrage nach Bordellen steigt. Doch Ostfildern werde entsprechend reagieren. Laut Kehrer ist die Stadtverwaltung gerade dabei, eine Sperrbezirksverordnung zu erarbeiten. Bis diese dann vom Regierungspräsidium Stuttgart genehmigt sei, werde man "alle Möglichkeiten des Baurechts nutzen", um Bordelle oder ähnliche Betriebe zu verhindern. Generell werde man in Ostfildern eine harte Linie fahren. Kehrer: "Ostfildern wird für derartige Etablissements ein schwieriges Pflaster bleiben."

In Filderstadt hat man das Thema Prostitution nach Einschätzung der Stadtverwaltung gut im Griff. Ende der 90er-Jahre hatte es in der Bürgerschaft massive Beschwerden gegeben, weil in fast allen Stadtteilen in angemieteten Wohnungen bordell-ähnliche Betriebe eröffnet hatten. Da sich die anrüchigen Freudenhäuser zum Teil mitten im Ortszentrum befanden, entstand unter den Nachbarn großer Unmut. Seit 2002 ist dies jedoch Vergangenheit. Als erste Kommune auf den Fildern hat Filderstadt im Juli 2002 eine Sperrbezirksverordnung erlassen. "Wir waren damit Vorreiter", berichtet Werner Kehrer, der Leiter des Ordnungsamtes in Filderstadt. Damals hatte man die Etablissements in sogenannte Toleranzzonen in den Industrie- und Gewerbegebieten verbannt. Von verstärkten Nachfragen potenzieller Betreiber seit Eröffnung der Messe habe man in Filderstadt bisher noch nichts gemerkt, sagt Kehrer. Konkrete Pläne für Freudenhäuser sind dem Ordnungsamtsleiter nicht bekannt.