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Mit der Sonne Gewinn machen

300 Kunden, die nach einer kreisweiten Kampagne auf Naturstrom umgestiegen sind, reichen ihnen nicht als positive Ökobilanz. Die Grünen im Kreis treiben den Umstieg auf regenerative Energie weiter voran. Die größte Fotovoltaikanlage in Plochingen ist vor wenigen Tagen ans Netz gegangen. Und ein neues Unternehmen, die Sonnenstrom Neckar-Fils-Fildern GmbH und Co. KG wurde gegründet.

MIRIAM HESSE

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PLOCHINGEN Es regnet. Kein guter Tag für die Besichtigung der neuen Sonnenstromanlage in der Thüringer Straße. Eigentlich sei die südöstliche Lage dort ideal, erklärt Hubert Arnold vom Umweltzentrum Plochingen. Aber heute sammeln die Solarmodule nur 6,3 von den 41 Kilowattstunden Strom, die sie maximal erreichen können. Die Ökoenergie hat ihre Tücken. Nur 50 Prozent Anteil an Ökoenergie sind wirtschaftlich machbar, sagt Thomas Banning, Vorstand der Naturstrom AG, frei heraus. Aber das Potenzial sei längst nicht ausgeschöpft.

Nur etwa ein Prozent der Deutschen bezieht bisher grünen Strom aus regenerativen Energien wie Sonne, Wind und Biomasse. Zusammen mit der Naturstrom AG, einem der ersten unabhängigen Anbieter mit bundesweit rund 12 000 Kunden, haben engagierte Ökostrom-Befürworter im Kreis Esslingen im August ein Unternehmen gegründet: die Sonnenstrom Neckar-Fils-Fildern GmbH und Co. KG. Die Naturstrom fungiert dabei als persönlich haftende Gesellschafterin. Anleger und Kommanditisten, die sich beteiligen wollen, haften nur mit ihrer Einlage.

Viele kleine Module ergeben eine große Sonnenstromanlage. So will man Anleger für die neue Sonnenstrom-Firma gewinnen. Beteiligen kann sich jeder schon ab 500 Euro mit einem so genannten Solarbaustein. Wer als Kommanditist einsteigen will, muss mindestens 5 000 Euro investieren. Vier bis fünf Prozent Rendite soll die Anlage laut Grünen-Kreisvorstand Matthias Weigert, einem der beiden Gründungskommanditisten, bringen. Es gehe schließlich nicht nur um Gewinnmaximierung, sondern auch um ideelle Werte.

Einen speziellen Risikofaktor muss man bei dieser Investition allerdings berücksichtigen: Das Wetter bestimmt den Gewinn mit. Es hängt auch davon ab, wie oft die Sonne in den nächsten 20 Jahren scheint, sagt Weigert. Lange gefackelt wird nicht. Eine Gesamtsumme von einer halben Million Euro soll in den kommenden Monaten akquiriert werden. Und das erste Projekt ist schon ans Netz gegangen. Für 185 000 Euro wurden auf einem Mehrfamilienhaus in der Thüringer Straße 249 Solarmodule angebracht, die vor wenigen Tagen ans Netz gingen.

Auch die Kampagne Rückenwind für Ökostrom sehen die Grünen als Erfolg, der fortgesetzt werden soll. 300 Kunden habe man in einem halben Jahr bereits gewinnen können. Insgesamt 170 000 Euro würden dadurch in die ökologische Energiewirtschaft umgeleitet. Man könne ein Angebot vermitteln, bei dem Kunden sogar günstiger wegkommen als bisher, so Jürgen Menzel, Leiter der Kampagne: Die vorherrschende Meinung, dass Ökostrom immer teurer ist, ist damit widerlegt.

Weitere Infos finden Interessenten im Internet unter www.gruene.de/esslingen.