Lokales

Mit der Stretchlimousine zum Schulball

Die 17-jährige Katharina Schmauder aus Unterlenningen verbringt fünf Monate in den USA und besucht die High School in Plainview, Nebraska. Im Jugendmagazin des Teckboten berichtet sie regelmäßig über den "American Way of Life". Dieses Mal beschreibt sie die Freizeitaktivitäten der Jugendlichen in den USA.

LENNINGEN/PLAINVIEW Das "außerschulische" Leben der Jugendlichen in den USA ist meistens gar nicht so außerschulisch. Nach Unterrichtsschluss an der Plainview High School ist für viele Schüler und Lehrer der Schulalltag noch nicht vorbei. Es gibt zahlreiche Sportangebote und "Clubs".

Anzeige

Im Bereich Sport bietet die High School Sportarten wie Golf, Leichtathletik, Football, Wrestling, Volleyball und Tanzen an. Jede Sportart hat ihre Saison. Etwa ein bis zwei Mal pro Woche finden Wettkämpfe statt. Schüler treten gegen Sportler anderer umliegender Schulen an. Zunächst spielen Schulteams aus dem Bezirk gegeneinander, und wenn sie gut genug sind, in der Hauptsatdt Lincoln gegen die besten Schulteams aus ganz Nebraska. Das so genannte "State Championship" dauert jeweils drei Tage lang. Um zu einem Basketballspiel der Schulmannschaft zu gehen, fährt man auch gerne mal mehr als eine Stunde mit dem Auto.

Als es das Basketballteam der Plainview High School zum State Championship schaffte, kamen viele Eltern mit ihren Kindern nach Lincoln und wohnten dort in einem Hotel, um bei jedem Spiel live dabei sein zu können und das Schulteam anzufeuern. Die Spiele der "State Championships" aller Sportarten werden im Fernsehen übertragen.

Ein Grund dafür, dass Sport so wichtig ist, liegt darin begründet, dass die Schüler durch gute Leistungen ein "Scholarship" für ein College erhalten können. Das heißt, wenn sich ein Schüler zum Beispiel verpflichtet, für ein Collegeteam Football zu spielen, muss er weniger Geld für den Collegebesuch bezahlen.

Außer Sport werden auch noch andere "Clubs" von der Schule angeboten. Der meist besuchte in Plainview ist der FFA, die ursprünglich "Future Farmers of America" hieß, also: die künftigen Landwirte Amerikas. Ziele sind es, Schülern das Sprechen in der Öffentlichkeit, den Umgang mit Finanzen und bürgerliche Verantwortung beizubringen. Es werden hauptsächlich Themen aus dem landwirtschaftlichen Bereich behandelt.

Ein weiterer "Club", der an der Plainview High School angeboten wird, heißt "Family, Career and Community Leaders of America" (Familie, Karriere und kommunale Führung). Ein Projekt des Clubs könnte die Vorbereitung auf ein imaginäres Vorstellungsgespräch sein. Außerdem sammelt der Club Spenden für soziale Projekte und ist verantwortlich für Schulaktionen wie die Valentins-Herzchenaktion.

Für begeisterte Sänger besteht die Möglichkeit, im "Swing Choir", einer Kombination aus Singen und Tanzen, mitzuwirken. Wer in der High School Band ist, spielt bei Basketballspielen, um das Schulteam anzufeuern. Außerdem gibt es Schulfächer, die Zeit außerhalb es regulären Stundenplans beanspruchen. Wer "Speech" besucht, hat an den Wochenenden während der Saison regelmäßig "Speech Meets". Dort halten Schüler verschiedener Schulen Reden und werden von einer Jury bewertet. Es gibt etwa die Gebiete Poesie, humorvolle Prosa, ernste Prosa und "Persuasive", was so viel heißt wie "Überzeugungsarbeit" . Was sich zunächst nicht allzu interessant anhört, ist sehr spannend und amüsant. Humorvolle Prosa ähnelt etwa Auftritten von Komikern.

Insgesamt dürfen die Schüler nur drei Tage pro Semester fehlen, oder sie müssen einen Semestertest schreiben. Entschuldigtes Fehlen wegen Krankheit oder Ähnlichem gibt es nicht. Allerdings sind fast täglich einige Schüler entschuldigt abwesend, wegen der Teilnahme mit der Schule verknüpften Aktivitäten. Diese Schul-Aktivitäten sind es auch, die zu einem ausgeprägten "High School Spirit", einer starken Verbundenheit mit der eigenen High School und einem gewissen Stolz auf die Schüler der Schule führen.

Wenn Jugendliche am Wochenende nicht durch schulischen Veranstaltungen ausgebucht sind, gehen sie gerne ins Kino, treffen sich mit Freunden, um Filme zu schauen oder fernzusehen, gehen bowlen, angeln, Golf spielen, jagen oder fahren einfach mit dem Auto durch den Ort. Eine beliebte Freizeitaktivität im Winter ist auch "Schlitten fahren". Da es rund um Plainview kaum Berge oder Hügel gibt, binden die Jugendlichen dazu einen großen Gummireifen an ein Auto und lassen sich durch den Schnee ziehen. Viele Jugendliche arbeiten an den Wochenenden, zum Beispiel in Restaurants, im Supermarkt oder helfen den Eltern mit der Arbeit auf der Farm.

Ein weiteres Freizeitangebot, das von der Schule organisiert wird, sind Schulbälle. Im Februar hatten wir den "Sweet Heart Dance", unseren Valentinstagsball. Diesen Monat war "Prom" an unserer Schule. Das ist der große Schulball, um den es oft in den amerikanischen Teenie-Filmen geht. Alle Bälle finden in der Sporthalle der Schule statt.

Zur "Prom" sind nur Schüler der elften und zwölften Klasse sowie deren Partner eingeladen. Am Tag vor der Prom dekorierten wir Elftklässler die ganze Halle unter dem Thema "Celebration Island". Wir haben sämtliche Dekorationen selbst gebastelt. Allerdings gibt es auch fertige Dekorationssets zu kaufen, für die manche High Schools jährlich mehrere tausend Dollar ausgeben.

Zur eigentlichen "Prom" waren sämtliche Eltern am Eingang versammelt, um Fotos zu machen. Einige der Zwölftklässler kamen mit einer echten Stretchlimousine. Zuerst gab es Essen, dann kam ein Fotograf und machte Fotos von den einzelnen Paaren und den Klassenstufen. Um 21 Uhr ging dann der eigentliche Ball los. Das Ende war um 24 Uhr, dann gab es von 1 bis 4 Uhr noch die "Post Prom" mit Essen und vielen von Eltern betreuten Geschicklichkeitsspielen. Bei diesen Spielen konnte man Spielgeld gewinnen und davon Preise kaufen. Alles in allem war der Abend ein unvergessliches Erlebnis.