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"Mit diesen Schülermengen war nicht zu rechnen"

Das Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium hat derzeit enorme, unvorhergesehene Wachstumsraten zu verzeichnen. Rechtzeitig zum Schuljahresbeginn am kommenden Montag ist die Schule deshalb um "Gebäudeteil F" erweitert worden. Die beiden zusätzlichen Klassenzimmer befinden sich nördlich der Sporthalle am Rand des Schulgeländes.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Schulleiter Dr. Andreas Jetter kennt die gängigen Vorurteile, die gegenüber der jüngsten Erweiterung des Ludwig-Uhland-Gymnasiums zunächst vorherrschen: "Bei Containern stellt man sich oft silberne Blechschüsseln vor." Er selbst spricht aber lieber von Klassenzimmern "in Fertigbauweise" und wirft dabei einen Blick über den Großen Teich: "In den USA würde man das als vollwertigen Anbau bezeichnen."

Als entscheidenden Punkt sieht Jetter die Unterschiede zwischen heutigen Containern und ihren Vorläufern aus den 60er- oder 70er-Jahren: "Die Wärmedämmung ist gut, die Klassenzimmer sind vollständig eingerichtet und der Standort ist optimal." Die Container seien im Grünen integriert, und die Fenster zeigen gleich aus mehreren Gründen in Richtung Osten. So setzt die Mittagssonne den neuen Räumen nicht zu stark zu, es gibt keine Ablenkung für oder durch den Sportunterricht im Freien und schließlich präsentiert sich die weiße Containerfront auch aus ästhetischen Gründen zur Straße hin mit ihrer Fensterseite. Dr. Jetters Fazit: "Ich selbst werde dort liebend gern unterrichten."

Für Außenstehende sei es natürlich nur schwer nachzuvollziehen, warum am Ludwig-Uhland-Gymnasium so kurz nach dem Um- und Neubau schon die nächste Erweiterung ansteht: "Ich würde es selbst auch nicht verstehen, aber das Wachstum in diesem Tempo wurde einfach unterschätzt." In den vergangenen beiden Jahren hat die Schülerzahl um jeweils 100 zugenommen. Inzwischen hat das Ludwig-Uhland-Gymnasium die 1400-Marke überschritten und ist gemeinsam mit Plochingen das zweitgrößte Gymnasium im Land. Nur in Marbach gibt es eine Schule mit noch mehr Gymnasiasten. Die Containerlösung bezeichnet Andreas Jetter als "pure Notwendigkeit" und fügt hinzu: "Sonst hätten wir im neuen Schuljahr zwei Räume zu wenig gehabt."

Kirchheims Schulamtsleiter Steffen Weigel bestätigt diese Angaben auch aus der Sicht des Schulträgers: "Mit diesen Schülermengen war nicht zu rechnen." Die Übergangsquote von der Grundschule aufs Gymnasium liege jetzt bei 42 Prozent. G 8 führe eher dazu, dass noch mehr Schüler ans Gymnasium drängen "das ist die umgekehrte Entwicklung als erwartet". Das sorge zwar für Entlastung an den Realschulen, habe aber für das Ludwig-Uhland-Gymnasium die Folge, "dass wir die Schüler nicht mehr anders unterbingen als in den Behelfsbauten". Für den Unterricht entstünden keine Einschränkungen wegen der Container. Zudem seien die neuen Räumlichkeiten auch später vielseitig nutzbar, wenn ab 2012 die 13. Klasse G 8-bedingt endgültig wegfällt und folglich die Schülerzahlen an den Gymnasien wieder zurückgehen dürften.

Steffen Weigel denkt an Jugendräume oder an Klassenzimmer für andere Schulen, an denen es in einigen Jahren vielleicht ebenfalls einmal mehr Schüler als Räume geben könnte. Der Kirchheimer Unternehmer Frank Schäufele, der für die Inneneinrichtung der beiden neuen Klassenzimmer zuständig ist, sieht noch weitere schulische Verwendungsmöglichkeiten gegeben: "Erstmals erfolgt hier die Elektrifizierung in Containern nicht über die Wände, sondern über den Boden. Das heißt, dass sich die Klassenzimmer auch zu naturwissenschaftlichen Räumen umfunktionieren lassen oder dass jeder Platz nachträglich noch mit einem PC ausgerüstet werden kann." Stühle und Tische sind zudem in der Höhe verstellbar, sodass auch Eingangsklassen die Zimmer ihren Zwecken anpassen könnten.

Schulleiter Jetter, der die neuen Räume im kommenden Schuljahr nur für die Oberstufe vorgesehen hat, ist vorläufig damit zufrieden, überhaupt die zusätzlichen Klassenzimmer bekommen zu haben. Die Bauten schlagen mit Gesamtkosten von 150 000 Euro zu Buche. Die Stadt Kirchheim trägt diese Kosten allein, weil das Regierungspräsidium Stuttgart keine Zuschüsse für Übergangsbauten gewährt. Reduzieren ließen sich die Kosten übrigens dadurch, dass im neuen Gebäudeteil keine Toiletten vorgesehen sind. Stattdessen müssen die in der benachbarten Sporthalle benutzt werden.

Noch wird in den Containern fieberhaft gearbeitet. Der "Gebäudeteil F" erhält bis Montag den letzten Schliff: "Die Fertigstellung wird eine Punktlandung", zeigt sich Andreas Jetter davon überzeugt, dass die Container mit Schuljahresbeginn tatsächlich bezogen werden können.

"essbar" im Zeitplan

Auch beim Anbau am Schlossgymnasium ist der Terminplan "exakt erfüllt", wie Schulleiter Siegfried Lutz auf Anfrage mitteilte. Die Bauten seien komplett fertig, die Küche der neuen Mensa "essbar" komplett eingerichtet und rund hundert Mütter in Kochteams aufgeteilt. Die Geräteeinweisung haben die Teams ebenfalls schon hinter sich, sodass den Probeläufen an den ersten beiden Schultagen nichts mehr im Wege steht. Wie geplant, können die Schüler des Schlossgymnasiums dann am Mittwoch, 14. September, erstmals in der "essbar" schlemmen.