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Mit Down-Syndrom nur Förderschule

Mauricio Klumpp hat Down-Syndrom. Der Junge ging mit drei weiteren Kindern in die integrative Außenklasse der Schule im Park in Ostfildern. Nun ist diese Außenklasse aufgelöst worden. Mauricio soll zurück in die Sonderschule. Seine Eltern aber wehren sich massiv dagegen.

DORIT BROCKMEIER

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KREIS ESSLINGEN Im Regierungsbezirk Stuttgart gibt es 78 Klassen, in denen behinderte Kinder in unterschiedlicher Form gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet werden. In ganz Baden-Württemberg sind es 127 Klassen. Es gibt die so genannten Außenklassen, in denen eine Gruppe von mindestens fünf Behinderten mitsamt Lehrern an eine allgemein bildende Schule ausgelagert wird. Die Außenklasse nimmt in bestimmten Bereichen am Unterricht einer Klasse mit Nichtbehinderten teil, ansonsten erhält sie Sonderunterricht. Voraussetzung dafür ist, dass Lehrer, Eltern, Schüler und Schule einverstanden sind.

Das Sonderschulzentrum Rohräckerschule Esslingen hatte bisher eine Außenklasse in der Schule im Park in Ostfildern, der unter anderem Mauricio Klumpp aus Ostfildern und Clarissa Lang aus Baltmannsweiler angehörten. "Mein Sohn wäre nicht dieser aufgeweckte, selbstständige und offene Junge, wenn er diesen Unterricht nicht erhalten hätte", sagt Andreas Klumpp. Die Eltern der behinderten Kinder sind sich einig: Das Integrationsprojekt hat die Kinder in ihrer Entwicklung gefördert. Sie hätten von den Nichtbehinderten in kürzester Zeit viel gelernt und soziale Kompetenzen erworben.

Laut neuesten Studien hat der integrative Unterricht Vorteile für alle Beteiligten. "Die Nichtbehinderten lernen Teamfähigkeit und Toleranz, und die Behinderten fühlen sich gut aufgehoben", sagt dazu der Pädagogische Vorsitzende der Diakonie Stetten, Ulrich Raichle.

Funktioniert die Zusammenarbeit der Sonderschullehrer mit den anderen Lehrern, dann entstünden keine Verzögerungen im Unterricht. Im Kunstunterricht oder bei Ausflügen sind alle Kinder zusammen, in Mathe werden sie getrennt. Genau diese Zusammenarbeit zwischen den Lehrern habe aber in der Rohräckerschule nicht mehr funktioniert, mutmaßt Andreas Klumpp. Er musste sich massiven Widerständen vom Oberschulamt (jetzt Regierungspräsidium Stuttgart) und von der Sonderschule am Zollberg entgegensetzen, um die Außenklasse schaffen zu können. Seltsamerweise seien die Widerstände hauptsächlich aus der Rohräckerschule gekommen und nicht aus der Schule im Park. Rektor Heinz Weigle konnte zu den Vorwürfen nicht befragt werden, da er gerade im Urlaub ist.

Nachdem es im vergangenen Schuljahr zu verschiedenen Streitigkeiten gekommen war, wurde die Klasse nun aufgelöst. Helga Willers, Schulamtsdirektorin im Landratsamt, erklärt das so: "Wir konnten die Klasse nicht mehr weiterführen, weil es nicht mehr genug Teilnehmer gab."

Dies sei bei der Auflösung nicht das Thema gewesen, sagt dazu Andreas Klumpp. Zusammen mit den Eltern von Clarissa Lang haben die Klumpps versucht, eine andere Lösung für ihre Kinder zu finden. Sie suchen nach einer allgemein bildenden Schule, die bereit ist, die Kinder in den Unterricht einzubinden.

Bisher hätten die Gespräche mit dem Regierungspräsidium und dem Kreisschulamt nur ergeben, dass die Kinder wieder in die Rohräckerschule sollten. Eine Sprecherin des Regierungspräsidiums sagte dazu, derzeit werde nach einer Lösung gesucht. Ob diese bis zum Schuljahresbeginn gefunden wird, ist fraglich.