Lokales

Mit Dubletten der EC-Karten auf Beutezug

Die Welle der Betrüger, die Kontodaten ausspähen, hat jetzt auch den Kreis Esslingen erreicht. Dabei konnte die Polizeidirektion Esslingen am vergangenen Wochenende einen nicht alltäglichen Fahndungserfolg erreichen. Beim Versuch, Kontodaten auszuspähen, war ein 26-jähriger Rumäne auf frischer Tat festgenommen worden.

RUDOLF STÄBLER

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KREIS ESSLINGEN In einer eigens einberufenen Pressekonferenz stellt die Polizeidirektion Esslingen nochmals die bisher bekannten Fakten heraus. Der Leitende Polizeidirektor Klaus Schmerling machte klar, dass es sich jetzt nicht um "Panikmache" handle. "Wir wollten einfach nochmals nachlegen, um die Bevölkerung vor diesen Dingen zu warnen." Nach seinen Worten wurde bereits vor einigen Tagen mit sämtlichen Banken im Kreis Kontakt aufgenommen, und diese haben auch ein entsprechendes Schreiben der Ermittler erhalten. "Wir sitzen mit denen in einem Boot, und Veränderungen an Eingangstür oder direkt an den Bankautomaten sind kaum zu erkennen." Schmerling machte klar, dass hier vor allem das Bankpersonal gefordert sei, aber auch seine Polizisten. "Diese müssen schnell reagieren, aber wir haben auf diesem Gebiet eine prima Truppe."

Dass diese "Spezialisten" auch im Kreis Esslingen tätig sind, brachte am vergangenen Samstag eine Bankangestellte aus Filderstadt auf. In den Morgenstunden machte sie in ihrer Bankfiliale eine merkwürdige Entdeckung. Im Vorraum der Bank, in dem der Geldautomat untergebracht ist, war ein Rauchmelder installiert worden, dies allerdings ist nicht üblich.

Die Polizeidirektion Esslingen hatte bereits in den vergangenen Wochen die Sicherheitsbeauftragten der Banken sensibilisiert, nachdem bei verschiedenen Filialen im Kreisgebiet bereits Kontodaten ausgespäht worden waren. Mit einem Vorsatzgerät einem so genannten "Skimmer" werden bei den Geldautomaten, beziehungsweise beim Türöffner die Daten der EC-Karte abgelesen und die dazugehörigen PIN-Nummern mit einer Minikamera aufgezeichnet. Die Kamera war in diesem Fall in dem Rauchmelder versteckt.

Als dieser Rauchmelder der Bankangestellten aufgefallen ist, hat sie sofort die Polizei verständigt. Nach einer mehrstündigen Observation betraten zwei Männer am vergangenen Samstagabend den Vorraum der Bank, um ihre "Beute" zu holen. Hierbei konnte einer der Täter festgenommen werden. Bei der Durchsuchung eines Stuttgarter Hotelzimmers konnte die Polizei weitere zur Tat benutzten Gegenstände sicherstellen.

Mit den erspähten Daten werden Kartendubletten hergestellt und diese an Mittäter im Ausland weitergegeben. Die "Datenermittler" verschwinden in der Regel sehr schnell wieder und tauchen auch nicht in Polizeiakten auf. Man geht bei der Esslinger Polizei davon aus, dass die Banden aus Rumänien kommen. Der leitende Polizeidirektor Schmerling ist sich sicher, dass die Täter oder "Anbringer" von Kameras sehr schnell ausgewechselt werden. Diese Arbeiten sowieso völlig ungeniert in den Vorräumen der Banken, haben nicht einmal Masken auf, "sie verschwinden ja gleich wieder." Das Ziel der Polizei sei es jetzt, an die Hintermänner heranzukommen. Mit den Karten wird dann im Ausland das entsprechende Konto geplündert. In Deutschland können die Täter mit den Kopien nichts erreichen. Die Banken haben bereits entsprechende Sicherungen eingebaut.

Der festgenommene Rumäne wurde bereits am vergangenen Sonntag mit Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart dem Haftrichter beim Amtsgericht Stuttgart vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Durch die betrügerischen Einlösungen entstand nach dem bisherigen Ermittlungsstand der Polizeidirektion Esslingen ein Schaden von rund 108 000 Euro.

Der für die Wirtschaftskriminalität im Kreis zuständige erste Kriminalhauptkommisar Dieter Barth stellte klar, dass der Landkreis Esslingen lange Zeit von diesen Betrügern verschont gewesen sei. Bei der Festnahme am vergangenen Samstag "sei auch einiges Glück dabeigewesen." Um die Banden zu stoppen, bedürfe es einer sehr engagierten Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den Banken. Nach seinen Erkenntnissen seien allein in einer Bank im Kreis rund 50 Kunden betroffen. Nochmals wurde betont, dass die Polizei auf keinen Fall eine "Panikmache" wolle, dass aber durch Präventation "die Bürger mit ins Boot genommen" werden sollen.

Auch etwas aus der benutzten Technik war zu erfahren. So können die eingebauten Kameras rund 12 bis 15 Stunden arbeiten, genug Zeit, um viele Kontendaten auszuspähen. Um die Kameras in Betrieb zu halten, koppeln die Täter mehrere Akkus hintereinander. Reagiert hätten jetzt bereits viele Banken und seien auf eine andere Technik umgestiegen. Aber die Polizei ist sich im Klaren darüber, dass sie immer nur reagieren kann.

Natürlich hat die Polizeidirektion Esslingen auch noch einige Tipps für die Bankkunden parat. Die wohl beste Vorsichtsmaßnahme ist die Abdeckung der Tastatur so lange die Eingabe der PIN-Nummer erfolgt. Diese sollte so erfolgen, dass weder von einer Person noch von einer Kamera die Zahlenfolge abgelesen werden kann. Der Kunde sollte auch auf keinen Fall Hinweise befolgen, bei denen er zur mehrmaligen Eingabe der PIN-Nummer aufgefordert wird. Aufdringliche Personen oder angebliche Helfer sollten bestimmt aufgefordert werden, auf Distanz zu bleiben. Sollte eine Karte im Automaten stecken bleiben, sollte der Raum nicht verlassen, sondern Bank oder Polizei verständigt werden. Die Polizei sollte auch sofort verständigt werden, wenn man eine missbräuchliche Benutzung der Scheck- oder Kreditkarte bemerkt. Betroffene Kontoinhaber werden von der Bank oder der Polizei informiert, dabei wird auf keinen Fall nach PIN- oder Geheimnummer gefragt.

Den zentralen Sperrannahmedienst für DebitKarten (zum Beispiel EC-Karten, Maestro-Karten, BankCards, SparkassenCards) erreicht man rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0 18 05/02 10 21.