Lokales

Mit einem Beil auf die Freundin eingeschlagen

Ein 22-jähriger angelernter Lackierer aus Lenningen muss sich seit gestern vor dem Stuttgarter Landgericht wegen versuchten Totschlags an seiner gleichaltrigen Lebensgefährtin verantworten. Der Mann soll im Juni vergangenen Jahres mit einem Beil auf die Frau losgegangen sein und sie dabei erheblich verletzt haben. Mehrere Polizeibeamte soll er schwer beleidigt und einen verletzt haben.

BERND WINCKLER

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STUTTGART/LENNINGEN Den Angriff mit dem Beil streitet der 22-Jährige am gestrigen ersten Prozesstag vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts energisch ab. Dass er die Freundin, die mit ihm zusammen eine zweijährige Tochter hat, geschlagen habe, gibt er indes vor den Richtern zu, schränkt aber ein, dass sie ihn verbal gereizt und ihn auch geschlagen hätte. Geschehen sein soll die Tat am frühen Morgen des 24. Juni in der gemeinsamen Wohnung des Paares.

Aus einem verbalen Streit soll sich eine handgreifliche Auseinandersetzung entwickelt haben, in deren Verlauf der Angeklagte zuerst mit einem Schuh in das Gesicht der Freundin geschlagen habe. Danach, so die Anklage, schüttelte er die Frau am Kopf und schlug sie an eine Wand. Danach flüchtet das Opfer in die Toilette und schließt sich ein. Doch schnell habe der Beschuldigte die Toilettentüre von außen geöffnet und soll jetzt aus einem Werkzeugkoffer ein kleines, etwa 10 Zentimeter langes Beil geholt und damit gezielt und in Tötungsbilligung auf den Kopf der verängstigten Frau eingeschlagen haben. Obwohl die 22-Jährige ihre Arme schützend vor dem Kopf hielt, soll ein Schlag sein Ziel getroffen und eine große Platzwunde an der linken Stirnseite verursacht haben.

Ein zufällig anwesender Freund des Angeklagten griff ein und zog den Beschuldigten aus der Toilette. Die Frau erlitt nach Auskunft der Mediziner eine Schädelprellung, Platzwunden am Kopf und an den Armen sowie eine Schwellung am linken Auge. Eine Nachbarin hatte den Kampflärm gehört und die Polizei benachrichtigt. Als die Beamten den Angeklagten daraufhin festnehmen wollten, soll der sich geweigert und die Polizisten als "Scheiß-Bullen" tituliert haben. Auch als die Beamten, inzwischen auf vier Polizisten verstärkt, sanfte Gewalt anwendeten, um ihn festzunehmen, habe er wild um sich getreten und dabei einen der Uniformierten verletzt. Auch auf der Fahrt im Streifenfahrzeug soll der 22-Jährige die Beamten weiterhin schwer beleidigt haben.

Die Anklage selbst geht neben des versuchten Totschlags gegen ihn auch noch von gefährlicher Körperverletzung, Widerstand und fünffacher Beleidigung aus. Dies bestreitet der Angeklagte, der nach eigenen Angaben drei verschiedene Lehrstellen abbrach und zuletzt arbeitslos war, jetzt vor dem Stuttgarter Schwurgericht nicht. Auch den Streit und einige Schläge gegen die Lebensgefährtin gibt er zu. Den Einsatz des Beils allerdings bestreitet er und sagt bei der gestrigen Verhandlung aus, dass eigentlich die Frau ihn geschlagen habe. Erst als sie ihm auf den Kopf geschlagen habe, will er sich gewehrt haben. Das Paar habe sich bereits in der Hauptschule kennengelernt. Doch habe es in der Beziehung, aus der eine Tochter hervorging, sehr viel Streit gegeben. Zumal die Freundin ihn einmal mit einem anderen Mann betrogen habe, so der Beschuldigte. Am Tatmorgen soll die Frau ihn so sehr gereizt und provoziert haben, unter anderem habe sie auch seine Mutter beleidigt, sodass er schließlich zuschlug.

Das Gericht hat zur Aufklärung 14 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Ein Urteil soll erst nach Abschluss der Beweisaufnahme Ende Februar gesprochen werden.