Lokales

Mit freundlichen Briefen gegen das Vergessen anschreiben

"Wenn ich auf mein Leben zurückblicke und denke, was ich alles gemacht habe, sage ich immer: Das Vernünftigste, was ich in meinem Leben getan habe, war, amnesty international in der Bundesrepublik zu gründen." Das bekannte Carola Stern, die im Januar im Alter von 80 Jahren gestorben ist. Wer die Organisation unterstützt, rettet Leben, die sonst verloren gewesen wären.

KIRCHHEIM Diese Unterstützung kann ausschließlich finanzieller Natur sein, da gründliche Recherchen in allen Teilen der Erde nötig sind, um die Verbrecher aufzuspüren, die willkürlich unschuldige Menschen festnehmen, foltern und töten lassen. Sie kann aber auch darin bestehen, an dieser Aktion "Briefe gegen das Vergessen" teilzunehmen, die weltweite Appelle organisiert, um den Verantwortlichen Einhalt zu gebieten. Auch das Schreiben ist mit wenig Zeitaufwand verbunden, da die Mitglieder der Kirchheimer ai-Gruppe im Bürgerbüro in der Alleenstraße sowie im Eine-Welt-Laden in der Dettinger Straße 50 Briefvorschläge bereit legen. Das Bürgerbüro hat von Montag bis Freitag zwischen zehn und zwölf Uhr geöffnet. Wer sich darüber hinaus über die Arbeit der Gruppe informieren möchte, kann sich an Dr. Roswitha Alpers, Telefon 0 70 21/65 45, wenden.

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Informationen über die drei Appellfälle, in deren Interesse in diesem Monat Briefe abgesandt werden sollen, können dem folgenden Text entnommen werden:

Ismail Lutef Huraish, Ali Mussara'a Muhammad Huraish und Hafez Ibrahim aus dem Jemen: Ismail Lutef Huraish, Ali Mussara'a Muhammad Huraish und Hafez Ibrahim sind in unmittelbarer Gefahr, hingerichtet zu werden. Ismail Lutef Huraish und sein Cousin Ali Mussara'a Muhammad Huraish waren im Jahr 2000 wegen eines 1998 begangenen Mordes zum Tode verurteilt worden. Obwohl Ismail Lutef Huraish gehörlos ist, stellten ihm die Behörden keinen Gebärdendolmetscher zur Verfügung. Die Behörden haben damit gegen das jemenitische Strafgesetz verstoßen sowie gegen den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Demnach müssen gehörlose Angeklagte die Möglichkeit haben, sich in Gebärdensprache zu verständigen. Hafez Ibrahim wurde wegen eines Mordes zum Tode verurteilt, den er im Alter von 16 Jahren begangen haben soll. Das jemenitische Strafgesetzbuch untersagt die Hinrichtung von Personen unter 18 Jahren. Nach Angaben des jemenitischen Menschenrechtsministers ist das Alter von Hafez Ibrahim umstritten, seine Anwälte machen jedoch geltend, dass der Verurteilte noch minderjährig ist. Die Todesurteile liegen Staatspräsident 'Ali 'Abdullah Saleh zur Prüfung vor. Sobald er die Urteile bestätigt, können sie jederzeit vollstreckt werden. Seit langem verurteilt ai die Anwendung der Todesstrafe im Jemen, da Todesurteile oftmals in Prozessen verhängt werden, die den internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren nicht entsprechen.

amnesty erbittet höflich formulierte Briefe an den jemenitischen Staatspräsidenten mit der Aufforderung, die gegen Ismail Huraish, Ali Mussara'a Muhammad Huraish und Hafez Ibrahim verhängten Todesurteile in Haftstrafen umzuwandeln.

Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch an: His Excellency General 'Ali 'Abdullah Saleh, President of the Republic of Yemen/Sana'a/Jemen, Telefax: 0 09 67-1-27 41 47. Bitte senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an die Kanzlei der Botschaft der Republik Jemen S. E. Herrn Yahya Ali Mohamed Al-Abiad, Budapester Straße 37, 10787 Berlin, Telefax: 0 30-89 73 05 62, E-Mail: botschaft-jemen@freenet.de oder konsulat@botschaft-jemen.de.

Marian Isabela Rivas Martinez und eine Unbekannte aus El Salvador: Die Leiche der 17-jährigen Marian Isabela Rivas Martinez wurde am 4. Dezember 2002 in San Bartolo gefunden. Sie war vergewaltigt, ermordet und verstümmelt worden. Fünf Tage später fand man in einem Rucksack im Park Libertad von San Salvador den abgetrennten Kopf einer anderen jungen Frau. Ihre Identität ist noch nicht geklärt, und sie ist seither unter dem Namen Rosa N. bekannt. Im Januar 2003 wurden daraufhin mehrere Bandenmitglieder wegen Mordverdacht festgenommen. Sie kamen im August 2004 jedoch wieder frei, weil sie sich zum Tatzeitpunkt in Haft befunden hatten. Gegen einige dieser Bandenmitglieder wurde auch wegen dem Mord an Marian Isabela Rivas Martinez Anklage erhoben. Auch diese Anklage wurde im August 2004 aus Mangel an Beweisen fallengelassen. Bislang sind wegen der Morde an Rosa N. und Marian Isabela Rivas Martinez keine weiteren Ermittlungen eingeleitet worden. Die gesamten Beweismittel sollen verlorengegangen oder vernichtet worden sein. Der Fall wurde zu den Akten gelegt. Zwischen Ende 2002 und Mitte 2004 wurden in El Salvador mindestens 20 Frauen ermordet und ihre Leichname verstümmelt. Einige der Frauen sind vor der Ermordung vergewaltigt worden. Keiner der Verantwortlichen wurde bislang vor Gericht gestellt, die Ermittlungen in den übrigen Fällen sind eingestellt worden.

amnesty erbittet höflich formulierte Briefe an den Staatspräsidenten mit der dringenden Aufforderung, dass die Morde an Marian Isabela Rivas Martinez, Rose N. und anderen in ähnlicher Weise getöteten Frauen gründlich untersucht und die Verantwortlichen ermittelt und vor Gericht gestellt werden.

Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch an den Presidente de la Republica de El Salvador, S. E. Elias Antonio Saca, Casa Presidencial, Alameda Dr. Manuel Enrique Araujo 5500, San Salvador, El Salvador. Telefax: 0 05 03-22 43-99 47, E-Mail: Belisario_artiga@hotmail.com.

Bitte senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an die Kanzlei der Botschaft der Republik El Salvador, S. E. Herrn Edgardo Carlos Suarez Mallagray, Joachim-Karnatz-Allee 47, Ecke Paulstraße, 2. Obergeschoss, 10557 Berlin, Telefax: 0 30-22 48 82 44, E-Mail: congenalmeania@t-online.de, Embasalva.RFA@t-online.de, info@botschaft-elsalvador.de.

Adam Medow aus Inguschetien: Zalina Medowa war mit ihrem zweiten Kind schwanger, als ihr Ehemann Adam Medow im Juni 2004 dem "Verschwindenlassen" zum Opfer fiel. Am 15. Juni 2004 verließ der 24-jährige Adam Medow seine Wohnung in der russischen Teilrepublik Inguschetien. Am Abend rief er an und teilte seiner Frau mit, dass er einen Unfall gehabt hätte. Zwei Tage später erhielt die Familie einen Anruf von einem ihr bekannten Polizisten. Dieser gab an, Adam Medow werde auf einer Wache in Inguschetien festgehalten. Dort erfuhren die Angehörigen, dass Adam Medow an diesem Tag von der inguschetischen Verkehrspolizei im Kofferraum eines Autos aufgefunden worden war, das von Mitarbeitern des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB gesteuert wurde. Die Polizei nahm die Geheimdienstler fest, die Adam Medow offenbar gerade nach Tschetschenien bringen wollten. Ein Polizist stellte ein Treffen zwischen Adam Medow und seinen Brüdern in Aussicht. Bevor das Treffen stattfinden konnte, wurde die Familie benachrichtigt, dass auf Befehl des Geheimdienstes die mutmaßlichen Entführer wieder freigekommen waren und dass diese Adam Medow nach Tschetschenien gebracht hatten. Seine Familie hat keinen Hinweis mehr auf seinen Aufenthaltsort. Nachdem Zalina Medowa beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Beschwerde wegen des "Verschwindenlassens" ihres Ehemannes eingereicht hatte, wurde sie von FSB-Angehörigen bedroht: Sie müsse die Klage zurückziehen, wenn ihre Kinder nicht als Waisen aufwachsen sollen. Zalina Medowa verließ daraufhin mit ihren Kindern die Russische Föderation.

amnesty erbittet Briefe an den Generalstaatsanwalt, in denen Sie eine Untersuchung der Festnahme und des "Verschwindenlassens" von Adam Medow sowie der Vorgehensweise der Angehörigen des FSB fordern, die versuchten, Adam Medow im Kofferraum eines Autos nach Tschetschenien zu bringen.

Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch an Vladimir Ustinov, Procurator General of the Russian Federation, 103793 Moskva, Ul. Bolshaya Dimitrovka 15a, Russische Föderation, Telefax: 0 07-49 52 92 88 48. Bitte schicken Sie eine Kopie Ihres Schreibens an die Kanzlei der Botschaft der Russischen Föderation S. E. Herrn Vladimir Kotenev, Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin, Telefax: 0 30-2 29 93 97, E-Mail: info@Russische-Botschaft.de.

pm