Lokales

Mit freundlichen Briefen gegen das Vergessen anschreiben

Im Rahmen der Preisverleihung für bürgerliche Ehrenämter wurde auch amnesty international wegen der Organisation der "Briefe gegen das Vergessen" genannt. Die Anerkennung geben die Mitglieder der hiesigen ai-Gruppe gerne an die Teilnehmer der Aktion weiter, weil diese ihre Arbeit erst zu einem wirkungsvollen Instrument machen.

KIRCHHEIM Dieser Einsatz für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen ist heute wichtiger denn je. Seitdem einerseits Terroranschläge und andererseits die Furcht vor ihnen die Welt beherrschen, ist eine eklatante Zunahme von Menschenrechtsverletzungen zu beobachten. Unzählige Tote sind zu beklagen, unzählige körperlich Verletzte und psychisch Traumatisierte, Unzählige, denen Lebenszeit gestohlen wird, indem sie, obwohl unschuldig, inhaftiert sind. Und deshalb darf das Engagement für die Menschenrechte und ihre Opfer nicht nachlassen. Deshalb bitten die Mitglieder der Kirchheimer ai-Gruppe jeden Monat um eine Teilnahme an dieser Aktion. Sie ist mit wenig Zeitaufwand verbunden, da im Bürgerbüro in der Alleenstraße am Schweinemarkt (Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr) sowie im Eine-Welt-Laden in der Dettinger Straße 50 Briefvorschläge bereit liegen. Neuerdings können sie auch von der Homepage der Kirchheimer ai-Gruppe heruntergeladen werden (http://amnesty.21publish.de/Gruppe 1225). Wer sich darüber hinaus über die Arbeit der Gruppe informieren möchte, kann sich an Dr. Roswitha Alpers, Paradiesstraße 10, Telefon 0 70 21/65 45, wenden.

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Informationen über die drei Appellfälle dieses Monats können dem folgenden Text entnommen werden:Pamela Huaringa Félix aus Peru: Pamela Félix wird immer wieder bedroht, damit sie die Klage gegen die Polizisten zurückzieht, denen sie vorwirft, im November 2004 ihren Bruder Ricardo erschlagen zu haben. Dieser war von zwei Polizisten verprügelt worden und den dabei erlittenen Verletzungen erlegen. Die Täter wurden zunächst wegen Folter mit Todesfolge angeklagt, eine Tat, die mit einer 20-jährigen Haftstrafe geahndet wird. Bei Prozessbeginn im Mai 2006 legte der Staatsanwalt ihnen jedoch nur Folter zur Last, was maximal acht Jahre Haft bedeutet. Pamela Félix setzt sich seit dem Tod ihres Bruders für die Aufklärung und Sühnung dieses Falles ein. Nach Informationen von ai wurde sie im November 2005 von zwei Männern entführt, sechs Stunden festgehalten und geschlagen. Im August wurden die beiden Polizisten, denen der Tod ihres Bruders zur Last gelegt wird, entlassen, weil sie länger als die gesetzlich zugelassenen 18 Monate in Untersuchungshaft verbracht hatten. Zwei Wochen später wurde Pamela Félix in anonymen Anrufen mit dem Tod bedroht. Nach Kenntnis von ai belegen zahlreiche Fälle, dass in Peru Opfer von Menschenrechtsverletzungen, ihre Angehörigen sowie Menschenrechtsverteidiger systematisch drangsaliert und bedroht werden. Deshalb erbittet ai höflich formulierte Briefe an die Generalstaatsanwältin mit der Forderung, Maßnahmen zu ergreifen, die die Sicherheit von Pamela Huaringa Félix gewährleisten. Ferner sollen die Verantwortlichen für die Morddrohungen ermittelt und vor Gericht gestellt werden. Ihre Adresse lautet Sra. Fiscal de la Nacin Adelaida Bolivar Arteaga, Attorney General, Fiscalia de la Natin, Av. Abancay, cuadra 5 s/n, Lima 1, Peru (Telefax: 00511/ 4 27 17 92). Eine Kopie an den Botschafter der Republik Peru, S. E. Herrn Carlos Alberto Higueras Ramos, Mohrenstr. 42, 10117 Berlin, ist sinnvoll (Telefax: 030/ 20 64 10 77, E-Mail: gabinete@embaperu.de).

Brahim Sabbar aus Marokko und Westsahara: Der Generalsekretär der "Sahrauischen Vereinigung der Opfer schwerer Menschenrechtsverletzungen des marokkanischen Staates" ist ein gewaltloser politischer Gefangener. Er und der Menschenrechtsverteidiger Ahmed Sbai waren am 17. Juni 2006 festgenommen worden, wobei Brahim Sabbar getreten und geschlagen wurde. Brahim Sabbar wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er einem Polizisten Widerstand geleistet haben soll, was er bestreitet. Ihm steht ein weiteres Verfahren bevor, in dem die Anklagen unter anderem auf Mitgliedschaft in einer verbotenen Vereinigung und Anstiftung zu gewalttätigen Protesten gegen die marokkanische Verwaltung der Westsahara lauten. Im selben Verfahren steht auch Ahmed Sbai unter Anklage. Die Behörden gehen offenbar gegen Brahim Sabbar vor, weil er Informationen über Menschenrechtsverletzungen in der Westsahara sammelt und öffentlich für die Selbstbestimmung der Menschen in dieser Region eintritt. Amnesty erbittet höflich formulierte Briefe an den marokkanischen Ministerpräsidenten, mit der Forderung, Brahim Sabbar umgehend freizulassen oder ihm sofort einen fairen Prozess im Einklang mit internationalen Standards zu gewähren. Der Appell soll gerichtet werden an His Excellency Driss Jettou, Prime Minister, Département du Premier Ministre, Palais Royal, Touarga, Rabat, Marokko (Telefax: 0021237/76 99 95). Die Kopie an die Botschaft des Königreichs Marokko sollte an S. E. Herrn Mohammed Rachad Bouhlai, Niederwallstr. 39, 10117 Berlin, geschickt werden (Telefax: 030/20 61 24 20, E-Mail: marokko-botschaft@t-online.de).

Mikalaj Astrejka, Tsimafej Drantschuk, Enira Braniskaja und Aljaksandr Schalajka aus Weißrussland: Diese gewaltlosen politischen Gefangenen wurden am 21. Februar 2006 von Angehörigen des KGB festgenommen. Als Angehörige der unabhängigen Wahlbeobachtergruppe "Initiative Partnerschaft" wollten sie die Präsidentschaftswahlen vom März 2006 beobachten. In einem Prozess, zu dem weder Angehörige noch Anwälte Zugang hatten, wurden sie am 4. August 2006 der "Bildung und Betreibung einer nicht registrierten Organisation, welche die Rechte der Bürger beschneidet", schuldig gesprochen. Mikalaj Astrejka erhielt eine zweijährige Haftstrafe, Tsimafej Drantschuk eine einjährige und Enira Braniskaja sowie Aljaksandr Schakajka, die inzwischen frei sind, wurden zu sechs Monaten verurteilt. Für ai dienen diese Urteile ausschließlich der Einschüchterung. Amnesty erbittet höflich formulierte Briefe an den Staatspräsidenten, mit der Forderung, die beiden Inhaftierten sofort freizulassen, weil sie wegen der friedlichen Wahrnehmung ihrer Grundrechte inhaftiert sind. Der Appell soll gerichtet werden an S. E. President Alyaksandr G. Lukashenka, ul. Karla Marxa 38, 220016 Minsk, Belarus (Telefax: 00375/1 72 26 06 10), die Kopie an die Botschaft der Republik Belarus, S. E. Herrn Wladimir Skworzow, Am Treptower Park 32, 12435 Berlin, geschickt werden, (Telefax: 030/53 63 59 23, E-Mail: Info@belarus-botschaft.de).

pm