Lokales

Mit "Haft ond Hoka" rund um die Uhr gefeiert

Ob jemand nun von Geburt an "Haft ond Hoka" im Gedärm hat oder nicht am Wochenende waren wieder alle auf den Beinen, die Kirchheim kennen, schätzen und lieben. Ganz individuell konnte jeder zu allen Tages- und Nachtzeiten das passende Angebot finden. Die Namen der aktiven Vereine reichten von A wie AC Catania bis Z wie Zither- und Akkordeonverein.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Zum offiziellen Auftakt des 26. "Haft- ond Hokafeschts" begrüßte die Schulband der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule am Samstag um 18 Uhr alle "Nichtfußballfans" auf dem Kirchheimer Marktplatz. Eine gute Viertelstunde später kam dann die kalte Dusche für die "Feschtler" in Form eines plötzlichen Wolkenbruchs und für die Fußballfans vor den heimischen Bildschirmen durch das 1:0, das Adriano für Brasilien erzielte.

Aber schon bald war wieder alles in bester Ordnung zum "sportlichen" Auftakt des Kirchheimer Stadtfests. Als Angelika Matt-Heidecker, die gerade vom Tennis kam, mit wenigen wuchtigen Schlägen das Bierfass anzapfte, glänzten auf dem Marktplatz außer den Augen der Freibierenthusiasten allenfalls noch die regennassen Dächer und Schirme im wieder erstrahlenden Sonnenschein. Und außerdem hatte Podolski in Nürnberg schon längst den Ausgleich erzielt. Auf den neuen Trainer des VfB Stuttgart anspielend, hatte Kirchheims Oberbürgermeisterin die Devise ausgegeben: "Mache Fasse auf, mache Fasse leer." Letzteres besorgten die "Nichtfußballfans" in kürzester Zeit.

Etwas länger dauerte es, bis auch die Fußballgucker am Samstag in die Stadt kamen, um die Niederlage gegen die brasilianischen Ballkünstler zu verdauen oder anderweitig Vergessen zu suchen. In der lauen Sommernacht war das bei den vielen Angeboten kulinarischer und musikalischer Art auch kein allzu großes Problem. Kirchheims Innenstadt war prall gefüllt, und freie Plätze waren bei der großen Party kaum mehr zu bekommen.

Der stellenweise größte Volksauflauf war später am Abend zu verzeichnen, als die Masse zum Martinskirchplatz strömte, um das Feuerwerk mitzuerleben. Nachdem parkende Autos für etwas Verzögerung gesorgt hatten, wurde das Publikum darunter auch etliche ganz kleine Beobachter auf den Schultern ihrer Papas mit einem grandiosen Spektakel belohnt: Die ältesten Gebäude Kirchheims leuchteten in sämtlichen bengalischen Farben. Die Raketen spiegelten sich selbst in der Max-Eyth-Straße noch in den oberen Fenstern der Häuser wider.

Auch als sich der Rauch und die vielen Zuschauer wieder verzogen hatten, war der Auftaktsamstag des "Haft- ond Hokafeschts" noch lange nicht vorbei. "Rock around the clock" ertönte irgendwann nach Mitternacht in der Marktstraße, und an diesem Motto schien auch so schnell niemand rütteln zu wollen. Vom Rossmarkt über den proppenvollen Marktplatz bis hinunter zum Rollschuhplatz ging die Feier munter weiter.

Für die Frühaufsteher, die den Spätheimkehrern vermutlich noch begegnet sind, begann der Sonntag mit dem traditionellen Flohmarkt, der wieder alles mögliche und unmögliche an Waren zu bieten hatte. Das Bücherangebot reichte von Werken mit Titeln wie "Ich bin das kleine Pony" bis hin zu Homers Ilias. Keramik, Fahrräder, CDs und DVDs fanden sich ebenso in den "Auslagen" der privaten Händler wie die eher unzeitgemäßen Angebote, zu denen etwa Winterstiefel oder Schreibmaschinen zählten.

Ob mit oder ohne Gang über den Flohmarkt die andere Sorte der Frühaufsteher traf sich am zweiten Tag des "Haft- ond Hokafeschts" in der Martinskirche zum ökumenischen Gottesdienst mit ebensolchem Gesang: Sogar die Kirchenchöre übten sich erfolgreich im Singen konfessionsübergreifender Töne.

Gesungen, getanzt und musiziert wurde anschließend in der gesamten Innenstadt, die schon vor 11 Uhr zu vollem Leben erwachte. Auch die internationale Küche bereitete sich auf den Ansturm vor, der zur Mittagszeit an allen Ständen zu erwarten war. Und alsbald füllte sich die Stadt auch wieder mit zahlreichen "Haft- ond Hokafeschtlern". Besonders begehrt waren die Schattenplätze, während sich einige Tische und Bänke in der prallen Sonne unberührt weiter aufheizen konnten.

Die Stimmung anzuheizen, war dagegen Sache der vielen musikalischen Darbietungen vom Marktplatz angefangen, über den Schlossplatz, den Martinskirchplatz und den Rathausvorplatz bis hin zum Open-Air, das die Bastion auf dem Rollschuhplatz veranstaltete. Auch aus den Seitenstraßen dröhnte noch einiges an musikalischen Beiträgen.

Wer es lieber etwas ruhiger hatte, konnte sich im Marstallgarten das mittelalterliche Lagerleben beschauen und eintauchen in eine Welt, in der die lautesten Töne mit Hörnern produziert werden garantiert ohne elektronische Verstärkung. Weitere Möglichkeiten zum vorübergehenden Rückzug aus der großen Menschenmenge bot die Martinskirche: Zum einen war der Turm zu besteigen, und zum anderen lud die Kirche im Inneren durch Kühle und Stille zum kurzen Verweilen ein.

Das festliche Treiben des 26. "Haft- ond Hokafeschts" hatte schließlich jeden Erholungssuchenden alsbald wieder im Griff. Denn gestern Abend begann beim Kirchheimer Stadtfest noch ein weiterer lauer Sommerabend, der den Besuchern bis zur späten Stunde mit ausgeprägter Feierlaune und fetzigen Rhythmen kräftig einheizte.