Lokales

Mit Hort Kompromiss gefunden

Weilheim will im nächsten Schuljahr an der Limburg-Grundschule starten

In der Weilheimer Verwaltung sind in den vergangenen Wochen die Drähte offenbar heiß gelaufen. Nachdem das vorgesehene Ganztagskonzept für die Grundschule Wühle in der letzten Gemeinderatssitzung ad acta gelegt wurde, hat sich das Gremium nun für einen Hort an der Limburg-Grundschule ausgesprochen.

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ANKE KIRSAMMER

Weilheim. Vor vier Wochen sah es noch danach aus, dass die Eltern der künftigen Erstklässler mit einer Schmalspur-Variante an der Grundschule Wühle Vorlieb nehmen müssten (wir berichteten). Statt der geplanten Ganztagsschule mit einer kompletten Eingangsklasse hätten lediglich acht Kinder nachmittags betreut werden sollen. Eine „Lösung“, die im Gemeinderat keine Akzeptanz fand. „Es war richtig, das Thema damals abzusetzen“, betonte Bürgermeister Hermann Bauer nun in jüngster Sitzung. Nach intensiven Beratungen mit der Schulverwaltung liege jetzt eine tragfähige Lösung auf dem Tisch. Die sieht so aus, dass ab dem kommenden Schuljahr an der Limburg-Grundschule 22 Plätze für Abc-Schützen aus Weilheim und Hepsisau zur Verfügung stehen. Hinzukommen zwei Plätze für soziale Härtefälle. „Wir sind in der Pflicht, für die Kinder aus der Ganztagsgruppe im Kindergarten, die jetzt in die Schule kommen, eine Nachfolgeregelung anzubieten“, sagte Bauer. Für die Limburg-Grundschule hat sich die Verwaltung nun entschieden, weil dort die Schülerzahlen merklich zurückgehen und langfristig davon ausgegangen wird, dass im Grundschulbereich jeweils zwei Klassen pro Jahrgang ein Ganztagsangebot benötigen. Das hält die Verwaltung an der Wühle nicht für machbar.

Einer Ganztagsschule erteilte Bauer für das kommende Schuljahr jedoch eine Absage. Der Grund: An der Limburg-Grundschule steht ein Schulleiterwechsel bevor. Noch ist nicht klar, wer die Nachfolge von Rektor Georg Heinze antreten wird, der im Sommer ausscheidet. Zudem ist die Konrektorenstelle seit September 2007 unbesetzt. Deshalb gibt es auch noch kein pädagogisches Konzept – Voraussetzung für einen Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium.

Angedacht ist nun, die Nachmittagsbetreuung der Kinder in einem Hort mit Angeboten durch Lehrbeauftragte, Schulsozialverein, Musikschule und Sportverein zu gewährleisten. „Damit bekämen wir einen relativ hohen Standard“, erklärte der Geschäftsführende Schulleiter, Christian Birzele-Unger. Personell soll der Hort mit einer Erzieherin beziehungsweise einem Lehrer und einer Helferin ausgestattet werden. Bei 20 betreuten Kindern beläuft sich der Nettoaufwand der Stadt auf jährlich 33 000 Euro.

Mittelfristig geht Hermann Bauer davon aus, dass in Weilheim ein Drittel der Kinder eines Jahrgangs ein Ganztagsangebot wahrnehmen, langfristig könnten es sogar 40 bis 50 Prozent sein. Bei der bereits erfolgten Schulanmeldung vergangene Woche hatten im Vorgriff auf den jetzigen Gemeinderatsbeschluss insgesamt zehn Eltern ihr Kind für einen Hort oder eine Ganztagsschule vorgemerkt. „Die Zahlen sind vorläufig“, erklärte Bauer. Ausgegangen wird davon, dass noch eine ganze Reihe Eltern auf den Zug aufspringen, wenn sie die genauen Rahmenbedingungen kennen. Die sehen unter anderem eine einkommensabhängige Gebührenstaffelung vor. Wer beispielsweise ein Brutto-Familieneinkommen zwischen 1 500 und 3 000 Euro hat, bezahlt monatlich 140 Euro zuzüglich Mittagessen. Die Betreuung ist von Montag bis Freitag jeweils von 7.30 bis 17 Uhr gesichert.

Mittelfristig strebt die Verwaltung nach wie vor die Einrichtung einer Ganztagsschule an. Ein Architekturbüro soll nun untersuchen, wie die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden können und auch eine Lösung für einen Ganztagsbetrieb an der Haupt- und Realschule Wühle austüfteln. Für Sommer beziehungsweise Herbst ist eine Klausursitzung des Gemeinderats geplant, in der das Gremium über die grundsätzliche Konzeption einer Ganztagsbetreuung an den Weilheimer Schulen einschließlich der finanziellen Auswirkungen diskutieren will.

Im Ratsrund gingen die Meinungen zum neuen Konzept teils weit auseinander. Während Eva Haußmann beispielsweise von einer „guten Lösung“ sprach, bezeichnete Albrecht Narr Schüler und Eltern als „Verlierer“, da keine optimale Förderung der Kinder möglich sei. Für seinen Antrag, die Zahl der Plätze nicht zu deckeln, erntete er zwar Beifall von den zahlreichen Zuhörern, das Ratsgremium lehnte den Vorstoß jedoch ab. Rainer Bauer warnte davor, das Paket schlecht zu verkaufen und Professor Dr. Wackenhuth zollte der Verwaltung Lob: „Sie hätte ja auch sagen können, wir machen gar nichts“. Die jetzige Step-by-step-Lösung ging für ihn deshalb in Ordnung. Mit einer breiten Mehrheit wurde die neue Konzeption verabschiedet.