Lokales

Mit Lastschriften zu 14 Millionen

Etwa 2000 Bankkunden sind im Kreis Esslingen in den vergangenen Wochen per Lastschrift von verschiedenen Firmen um 39 Euro erleichtert worden. Knapp 150 Anzeigen, so Polizeisprecher Fritz Mehl, bearbeitet das Betrugsdezernat der Esslinger Kripo derzeit. Doch das ist nur die Spitze eines Eisberges.

MARTIN ZIMMERMANN

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KREIS ESSLINGEN Die Welle offensichtlichen Betruges rollt durch ganz Deutschland. Tausende Abbuchungen im Raum Esslingen, hunderte in Bayern, zirka 1200 bei der Sparkasse Mittelthüringen, abertausende im Raum Düsseldorf: Für die offensichtlich unberechtigten Abbuchungen benutzten die Firmen Tele-Tipp Direct, Eurovox Telecom, Phoenix 88, Dialog Tipp-Systeme, Dialog Tipp-Service und Glücksmillion allem Anschein nach alte Bankdaten. Das abgebuchte Geld landete auf verschiedenen Konten der Postbank Saarbrücken. Diese Konten wurden nach Angaben der Postbank am 9. Dezember 2005 eröffnet. Am 22. Dezember nahm das Betrugsdezernat der Esslinger Kriminalpolizei nach Hinweisen der Volksbank Plochingen erste Ermittlungen auf.

Die betroffenen Banken im Raum Esslingen reagierten schnell und informierten ihre Kunden: Die Kreissparkasse Esslingen warnte auf ihrer Homepage und versandte an betroffene Kunden einen Brief, dem der Artikel der Esslinger Zeitung beigefügt war, in dem vor der 39-Euro-Masche gewarnt wurde. Bis heute, so die Pressereferentin der Kreissparkasse, Gertrud Henle, hätten mehr als 400 Kunden die Lastschrift zurückgefordert.

Mittlerweile hat sich auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart eingeschaltet und die Beschlagnahme der Konten bei der Postbank beantragt. Auf die Frage, ob von den betreffenden Konten bereits Geld abgehoben wurde, zeigt sich die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Tomke Beddies, jedoch bedeckt: "Aus ermittlungstaktischen Gründen kann ich dazu nichts sagen." Keine konkrete Antwort gibt es auf diese Frage auch von der Postbank. Uta Schaller von der Pressestelle der Postbankzentrale in Bonn betont, man habe noch im alten Jahr die betroffenen Konten gesperrt.

Gut informierte Kreise gehen davon aus, dass die Postbank bereits um Millionenbeträge geschädigt wurde. Allein jede Rückforderung eines geprellten Kunden kostet die Postbank drei Euro. Die Höhe des finanziellen Schadens will Schaller nicht beziffern, bestätigt jedoch indirekt, dass von den Konten bereits Geld abgeflossen ist: "Über die Höhe können und wollen wir keine Auskunft geben, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Wir haben Strafantrag gegen die betreffenden Firmen gestellt." Bis Ende des Jahres, bestätigt die Pressesprecherin, gingen 370 000 Lastschriften auf den verschiedenen Konten ein eine Summe von über 14 Millionen Euro. Erst der Abschluss der Ermittlungen werde aber zeigen, ob es sich tatsächlich um Betrug handle.

Mindestens eine Firma, die Tele-Tipp-Direct, scheint bereits einmal in eine Serie unberechtigter Abbuchungen verwickelt gewesen zu sein. Bei der Deutschen TeleTipp in Steinenbronn beschwerten sich in den vergangenen Wochen massiv Anrufer über die Abbuchung von 39 Euro. Geschäftsführer Andreas Calov stellt klar: "Wir haben nichts mit der Tele-Tipp Direct zu tun. Wir haben gegen diese Firma im Jahr 2003 in einem ähnlichen Sachverhalt eine einstweilige Verfügung verwirkt." Auch damals habe Tele-Tipp Direct Abbuchungen ohne Auftrag vorgenommen.