Lokales

Mit Messer bedroht

Im Weilheimer Mordprozess vor dem Stuttgarter Schwurgericht wurde nochmals einer der drei Angeklagten zum Tathergang und zu seiner Rolle vor und nach der Tat befragt. Der 35-jährige, der im Dezember in Polen festgenommen wurde, streitet seine Beteiligung an dem Mord des Weilheimer Gartenbesitzers weiterhin ab.

BERND S. WINCKLER

Anzeige

STUTTGART / WEILHEIM Vielmehr soll nach Angaben des 35-Jährigen der neben ihm sitzende 28-jährige Darius S. die tödlichen Messerstiche gegen den 62-Jährigen verabreicht haben.

Noch immer ist die Frage nicht beantwortet: Wer von den beiden Männern und der 19-jährigen Polin auf der Stuttgarter Anklagebank ist der Mörder des Weilheimer Gartengrundstückbesitzers? Nach der Darstellung des jetzt vernommenen 35-Jährigen, der am 14. Oktober letzten Jahres mit den anderen per Bus von Polen nach Spanien aufbrach, aber an der österreichisch-schweizerischen Grenze ausgewiesen wurde und dann in Baden-Württemberg landete, soll der Mörder Darius S. sein.

Zusammen mit ihm und dessen damals noch 18-jähriger Freundin war man zu Fuß bei Weilheim unterwegs, hatte kein Geld zum Leben und fragte bei verschiedenen Bauern nach Arbeit und Essen. Letzteres habe man bekommen, aber keine Arbeit, sagt er aus. Zuweilen habe man Wohnmobile und Gartenhäuser aufgebrochen und darin übernachtet. Dort fand man auch reichlich Alkoholika, die man nicht verschmähte. Am Nachmittag des Tattages habe man zusammen einige Flaschen Schnaps und zahlreiche Biere getrunken. Darius S., der streng gesichert an Händen und Füßen gefesselt und von drei Justizbeamten flankiert, auf der Anklagebank sitzt und als Haupttäter gilt, habe seinen Mitbeschuldigten schon an jenem Nachmittag mit seinem Messer bedroht: "Er warf das Messer an Bäume und war gut drauf! Und er sagte zu mir, ich bringe dich um, als er mit dem erhobenen Messer auf mich zuging." Später habe er gesagt, es sei nur Spaß gewesen. Das Messer sei aber für ihn sehr wichtig gewesen, sagt der Mitangeklagte. Es eigne sich gut "zum Töten".

Als man den Gartenbesitzer freundlich um ein Glas Wasser und um Arbeit bat, und dieser das Wasser auch besorgen wollte, soll Darius S. plötzlich von hinten den Mann angesprungen und ihn mit dem Messer getötet haben. Warnende Zurufe von S. an den Aussagenden quittierte das Gericht mit einer Zurechtweisung. Nach der Tat habe man gemeinsam das Fahrzeug des Opfers geschnappt und sei damit nach München gefahren. Von dort aus ging es ohne Auto nach Dänemark, wo man kurzzeitig Arbeit fand. Danach, so der Pole weiter, setzte er sich von Darius und dessen 18-jähriger Freundin ab und wurde dann in seiner Heimat festgenommen. S. selbst sagte gestern noch nichts dazu. Auch die inzwischen 19-jährige Mitangeklagte, die bis jetzt von ihrem Schweigerecht Gebrauch machte, hat sich noch nicht geäußert. Sie werde im Laufe des Verfahrens noch aussagen, meinte ihr Verteidiger, der auch überzeugt ist, dass die junge Frau mit der Tat nichts zu tun hatte. Sie habe nur am Rande des Grundstücks auf die Männer gewartet. Der Prozess geht nächste Woche weiter.