Lokales

Mit neuem Leitthema geht es schwungvoll in die Zukunft

Zum Landfrauentag fanden Mitglieder aller 18 Ortsvereine des Bezirkes Nürtingen den Weg in die Neidlinger Reußensteinhalle. "Zukunft gestalten Demokratie entfalten" lautet das Leitthema, zu dem die einzelnen Vereine in den nächsten zwei Jahren Projekte, Aktionen oder Vorträge organisieren werden.

ANJA WEISSINGER

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NEIDLINGEN Muntere Klaviermusik und eine spontane Gesangseinlage der Neidlinger Landfrauen bildeten den Auftakt zum Landfrauentag des Bezirkes Nürtingen. "Obwohl draußen noch Winter herrscht, ist hier drinnen der Frühling schon zu spüren", begrüßte die Bezirksvorsitzende Doris Bopp die Gäste in der liebevoll geschmückten Reußensteinhalle in Neidlingen. Kurz stellte sie das neue Leitthema "Zukunft gestalten Demokratie entfalten" vor, und verwies dabei auf den Verein "als kleinste Form der Demokratie", indem man sich einmischen, aber auch Verantwortung übernehmen könne.

Danach richtete Neidlingens Bürgermeister Rolf Kammerlander Grußworte an die Gäste. Als "aktuell und interessant" bezeichnete er das neue Leitthema, mit dem die Landfrauen einmal mehr zeigten, dass sie sich mehr als den Erhalt von Traditionen zum Ziel gemacht hätten: "Sie wollen aktiv, engagiert und lebendig das Gemeindeleben mitgestalten".

Als "einen der größten Weiterbildungsträger" bezeichnete Landrat Heinz Eininger die Landfrauen. Sie stellten sich immer wieder Herausforderungen der Zeit, mit Themen, die alle etwas angingen. "Das brauchen wir, wenn wir die Zukunft gemeinsam gestalten wollen", betonte er in seiner Ansprache. Lobende Worte fand der Landrat dabei auch für die Projekte und Aktionen, die von den Landfrauen regelmäßig verwirklicht werden, wie zum Beispiel die Offensive gegen so genannte Alcopops oder das Projekt "Aktionsbündnis genfreie Landwirtschaft". Vor allem in der derzeitigen "Umbruchsituation" einer immer älter werdenden Gesellschaft, in der es immer wichtiger werde, bessere Bedingungen für die Familie zu schaffen, seien die Landfrauen mit ihren Themen "auf der Höhe der Zeit".

Mit dem etwas abgewandelten Lied "Die Gedanken sind frei" und ihrem Zehn-Punkte-Programm stimmten die Neidlinger Landfrauen auf den Vortrag zum Thema "Zukunft gestalten Demokratie entfalten" ein. Offenheit, Interesse am Gegenüber, Toleranz, das Mit- und Einmischen in die Politik sowie das Setzen und Erreichen von Zielen waren dabei tragende Elemente.

"Würden wir uns noch im Jahre 1850 befinden, wären die wenigen anwesenden Männer hier allein", eröffnete die Landesgeschäftsführerin des Landfrauenverbandes Marianne Schmid-Bastin ihren Vortrag zum neuen Leitthema. "Damals war es den Frauen nämlich unter Strafe verboten, an öffentlichen Versammlungen teilzunehmen, geschweige denn einen Verein zu gründen." Am Beispiel Saudi-Arabiens, wo Frauen noch immer kein Wahlrecht hätten, führte Schmid-Bastin vor Augen, wie kostbar eine funktionierende Demokratie sei.

Außerdem gab sie zu bedenken, dass es auch den deutschen Frauen bis vor nicht mal hundert Jahren verwehrt war, politisch mitzumischen. "Demokratie ist nicht selbstverständlich und sie ist angreifbar", betonte die Rednerin und führte ihren Zuhörern vor Augen, dass bis zum heutigen Zeitpunkt die wenigsten Staaten der Welt über demokratische Systeme verfügten. "Demokratie ist eine seltene Pflanze und wir haben sie zu pflegen", appellierte sie an ihr Publikum. Doch seit die Frauen im Jahre 1919 das Wahlrecht erhielten, hätte sich viel verändert.

"Wir haben viel erreicht und es hat sich viel zum Positiven entwickelt", eröffnete die Landesgeschäftsführerin einen geschichtlichen Abriss über die Situation der Frau in Gesellschaft und Politik. Als Meilensteine bezeichnete sie dabei unter anderem das Gesetz zur Gleichberechtigung in der Ehe, die Neuregelung der Unterhaltszahlungen, die Gesetzesänderung zum Erbanspruch der Frau sowie die Maßnahmen zur Eingliederung lediger Mütter in die Gesellschaft. Dabei betonte sie jedoch auch, dass sowohl in den Parlamenten auf Bundes- und Landesebene als auch in verantwortungsvollen Posten der Wirtschaft der Frauenanteil noch sehr gering sei. Dies liege ihrer Meinung nach auch daran, dass die Männer nur ungern auf ihre Privilegien verzichteten: "Erst wenn die Männer uns das Haushaltsmanagement streitig machen, haben wir Gleichberechtigung erreicht."

"Die Familie ist die kleinste Zelle der Demokratie." Sie lehre junge Menschen soziale Schlüsselkompetenzen wie Rücksicht und Hilfsbereitschaft, aber auch Kritik- und Diskussionsfähigkeit. Für die "Demokratiefähigkeit" junger Menschen hätten ihrer Meinung nach auch Vereine eine wichtige Rolle inne, da sie ebenfalls in der Lage seien, diese Werte zu vermitteln. Mit dem Aufruf zu Mut, neuen Ideen und Durchhaltevermögen schloss sie ihre Rede.

Für zehnjähriges ehrenamtliches Engagement erhielt die Vorsitzende des Ortsvereines Neuffen, Renate Müller, im Anschluss eine Ehrenurkunde. Auch zwei personelle Veränderungen hatte Doris Bopp zu verkünden: Nach 16 Jahren verabschiedete sich Hedwig Veith als Vertreterin des agrarsozialen Arbeitskreises aus ihrem Amt. An ihre Stelle wird Renate Gölz treten. Außerdem müssen sich die Landfrauen schweren Herzens von ihrer Bezirksgeschäftsführerin Ingeborg Roser verabschieden. Nach 28 Jahren im Amt der Geschäftsführerin wird sie ab Mai ihre Aufgaben Gudrun Barner überlassen.