Lokales

Mit neuer, zeitgemäßer Konzeption in die Zukunft der Jugendarbeit

Durch mehr Gemeinwesenarbeit und eine breitere Angebotspalette will das neue Team des Kirchheimer Jugendhauses auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen.

ANJA WEISSINGER

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KIRCHHEIM Junge Menschen sollen zur Selbstständigkeit geführt werden, damit sie für sich selbst sorgen lernen und ein Leben in Eigenverantwortung führen können. Doch selbst wenn Jugendarbeit diese Ziele erreicht, ist dies noch lange kein Garant für eine stolperfreie Entwicklung im Teeniealter. Die Anzahl derer, die "biografische Brüche" zu verzeichnen haben, nimmt immer mehr zu. Schulabschluss und Berufsausbildung sind längst keine Selbstverständlichkeit mehr: Auch in Kirchheim werden die Sozialpädagogen im Jugendhaus mit dieser Problematik konfrontiert.

Das neue Team der Linde reagiert auf diese Umstände mit einer neuen Konzeption. Mit erweiterten Öffnungszeiten und einem größeren Angebot ist der Grundstein dazu gelegt. Auch in verstärkter Gemeinwesenarbeit sieht Hausleiter Matthias Altwasser den richtigen Weg in die Zukunft. Diesen Begriff will er füllen durch eine verstärkte Kooperation mit Schulen, Vereinen und anderen sozialen Einrichtungen sowie mit Projekt- und Kulturarbeit.

In einer alternden Gesellschaft, in der sich Jugendliche mehr und mehr als Minderheit sehen, sei generationsübergreifende Arbeit besonders wichtig. Hier möchte Altwasser in Zukunft auch die Zusammenarbeit mit dem Kirchheimer Bürgerbüro vertiefen. Nach den Herbstferien soll dazu ein "Generationsprojekt" starten, das Jugendkultur früher und heute beleuchtet und mit selbst geschossenen und -entwickelten Bildern dokumentiert. Matthias Rothengaß, neuer Mitarbeiter und Leiter des Projekts, will die Mitwirkenden dabei von Anfang an, also auch in die Planung, vor allem aber in die genaue Umsetzung aktiv mit einbinden. Über die Präsentation der Ergebnisse sollen die Jugendlichen selbst entscheiden.

Dieses Partizipationsprinzip will auch die Sozialpädagogin Jutta Deuschle im Kultur- und Veranstaltungsbereich verwirklichen. Anstatt die Veranstaltungen selbst zu organisieren, will sie Unterstützung und Know-how bereitstellen. Jugendliche, aber auch Erwachsene sollen so in einem geschützten Rahmen in Eigeninitiative Events gestalten. Neben Musik- und Partyveranstaltungen finden auch Comedyaufführungen und Lesungen statt: Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt.

Neu in der Linde ist der Medienbereich: Im Computerraum können Jugendliche Bewerbungen erstellen oder Schulaufgaben machen. Mit diesem Teil der Neukonzeption will das Lindeteam Medienkompetenz in allen Altersklassen fördern: Die Linde steht nicht nur auf diesem Gebiet allen Bürgern, egal welchen Alters, zur Verfügung .

Im "Offenen Bereich" können die Besucher ihr eigenes Freizeitprogramm gestalten, oder aber eines der betreuten Sport- oder Kreativangebote nutzen. Hierfür steht die Linde jetzt immer dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr offen. Das neue Konzept sieht vor, mit Aktionen wie "Straßenfußball für Toleranz" oder Tischfußballturnieren auf dem Marktplatz wieder mehr Jugendkultur in die Stadt zu tragen. Unter dem Stichwort "Erlebnispädagogik" organisiert das Team in Zukunft auch wieder Ausflüge in die Natur, wie zum Beispiel Klettertouren oder Höhlenwanderungen.

Auch die Jugendkneipe "Garage" hat ihr Programm verändert: Sie kann ab jetzt, ebenfalls zu den neuen Öffnungszeiten, im "Offenen Breich" oder auch als Treffpunkt genutzt werden.

Dass die Programmerweiterung bei den Abendveranstaltungen großen Anklang findet, wurde bereits bei der ersten "Jam-Session", die im Rahmen der "Friday Night live" stattfand, deutlich: Über 100 Besucher strömten in die Garage.

Mädchenarbeit wurde im Jugendhaus schon immer groß geschrieben. Das vor zehn Jahren gesteckte Ziel, den Anteil an Jungen und Mädchen auszugleichen, ist mittlerweile erfüllt. Das Angebot reicht von Tanzgruppen, über Mädchenberufsinformationstage bis hin zu Selbstverteidigungskursen. Besonders stolz ist Antonia Jaksche, zuständig für die Mädchenarbeit, auf das Mädchenzimmer, das gemeinsam geplant und liebevoll eingerichtet wurde.

Obwohl sich in der Linde einiges verändert hat, betont der Hausleiter Matthias Altwasser, dass durch die Neuerungen niemandem etwas weggenommen wird: "Die Linde ist und bleibt Anwalt der Kinder und Jugendlichen in Kirchheim ".