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Mit Rad und Trolley zum ersten Abschlag

Der Automobilhersteller Volvo hat Georg Humburg auf der Wintersportmesse ispo den Volvo Sportsdesign Award "EcoDesign" verliehen. Sein Wettbewerbsbeitrag "Streitwagen", ein Aluminiumtrolley, den Golfer ans Fahrrad hängen können, setzte sich neben sieben anderen Gewinnern durch. Das Unternehmen ehrt mit dem Preis Innovationen aus dem Sportsektor, die Design und Nachhaltigkeit gekonnt verbinden.

TOBIAS FLEGEL

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KIRCHHEIM / MÜNCHEN Der große, gläserne Glaszylinder des schwedischen Wettbewerbssponsors steht mitten im Wohnzimmer. Trotzdem kann Georg Humburg die Auszeichnung noch nicht richtig fassen: "Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich mal für meinen Fahrradtrolley einen Design-Preis bekomme", sagt der 31-jährige Sportökonom.

Natürlich war er von seiner Idee überzeugt. Allerdings habe er während der einjährigen Entwicklungsarbeit mehr Kritik denn Beifall geerntet besonders von Freunden und Bekannten. "Die haben meine Idee als spinnert abgetan und meinten, dass Golfer in schicken Autos und nicht mit dem Fahrrad zum Golfplatz fahren", sagt der Sportsfreund.

Skeptisch begegneten ihm auch manche Golfspieler: "Immer wenn ich mit meinem Mountainbike und dem Trolley dahinter ankam, dachten die, dass ich so gleich weiter von Loch zu Loch fahre und den schönen Rasen beschädige." Im Großen und Ganzen seien die Reaktionen auf den Golfplätzen aber positiv gewesen. "Eine junge Mutter wollte mir sogar gleich einen Prototypen abkaufen, weil sie keine Lust mehr hatte, ihren Sohn ständig mit dem Auto zum Golfen zu fahren", berichtet Humburg. Solche Reaktionen hätten ihn bestärkt, weiterzumachen. Da sein Kombigefährt dennoch häufig für Missverständnisse und sogar Streit sorgte, habe er es Streitwagen getauft. Auch weil das Gespann aus Fahrrad und Trolly an einen römischen Kampfwagen erinnere, erschien ihm der Name passend.

Streit zu provozieren war dabei das Letzte, was der Kirchheimer mit seiner Erfindung beabsichtigte. Vielmehr habe er sein Gefährt anfangs als Gag betrachtet. Nach Abschluss seines Studiums vor eineinhalb Jahren nahm der Sportökonom und Hobbygolfer eine Stelle bei einem Pforzheimer Mountainbikehersteller im Vertrieb an. Dort suchte er nach neuen Wegen, die edlen Räder an den Mann zu bringen. Dabei kam ihm die Idee, einen Golftrolley zu entwickeln, den sich Spieler ans Fahrrad hängen können. "Ursprünglich habe ich den Trolley konzipiert, um Mountainbikes auf Golfplätzen präsentieren und neue Käufer gewinnen zu können", erklärt Georg Humburg.

Nachdem ihm sein Vorgesetzter grünes Licht gegeben hatte, konstruierte er zunächst einen Prototyp des Streitwagens. Das leichte Aluminiumgestänge ließ Humburg in der Pforzheimer Werkstatt zusammenschweißen. Bei Fahrten zum Kirchheimer Golfplatz testete er Stabilität und Beweglichkeit seines Gefährts und behob nach und nach alle Mängel.

Am Ende war der Erfinder von dem Fahrradtrolley so überzeugt, dass er ihn als eigenes Produkt selbst vertreiben wollte. Georg Humburg ließ seine Konstruktion eintragen und gründete seine Firma Essedum, über die er den Streitwagen vertreibt. Danach begann er, seine Erfindung auf Sportmessen und Golfturnieren zu präsentieren.

"Wer nicht weit vom Golfplatz weg wohnt, ist meiner Meinung nach mit dem Rad schneller beim ersten Abschlag als mit dem Auto", sagt Humburg. "Meinen Trolley können sich Golfer einfach an die Kupplung unter dem Sattel hängen und dann direkt zum Golfplatz fahren." Dort angelangt, geht es zu Fuß weiter und der Streitwagen verwandelt sich in einen normalen Handwagen für Schläger und Ausrüstung.

Der junge Erfinder aus dem Schwabenländle hofft nun, dass ihm der Volvo-Preis auch finanzielle Erfolge beschert. Zwar habe er bereits vor dem Wettbewerb Anfragen aus Korea und der Schweiz erhalten, doch unterm Strich sei die Nachfrage gering gewesen, meint er. Falls sich das jetzt ändert, müssen sich Kunden allerdings auf längere Lieferfristen einstellen: Noch immer werden nämlich alle Streitwagen in der Pforzheimer Werkstatt geschweißt, und zwar in Handarbeit. Aber immerhin hätte sich dann das Jahr Entwicklungsarbeit für Georg Humburg gelohnt.

INFOWeitere Informationen gibt es unter der Internetadresse www.essedum.com.