Lokales

Mit „Schmackes“ in die Zukunft

Verein „Schmeck die Teck“ freut sich über Mitgliederzuwachs – „Über Erhalt der Kulturlandschaft entscheidet Verbraucher“

Für den Verein „Schmeck die Teck“ ist 2008 ein gutes Jahr. Der Mitgliederzuwachs, den er heuer erfahren durfte, spornt ihn mächtig an, auch in Zukunft verstärkt die Werbetrommel für den Erhalt der Kulturlandschaft zu rühren. „Der Verbraucher hat es in der Hand, durch Produkte aus heimischer Erzeugung die Pflege der Landschaft um die Teck zu fördern“, so Vereinsvorsitzender Klaus Lang.

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richard umstadt

Kirchheim. Der Verein ist aktiv und das muss er auch sein. Denn in Krisenzeiten, in denen die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ sich auch beim Nahrungskauf niederschlägt, führen qualitativ hochwertige heimische Erzeugnisse eher ein Schattendasein. Dabei wird leicht übersehen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den von Landwirten, Bäcker, Müller, Metzger und Brennereien angebotenen Produkten und der Landschaft zwischen dem Hohenneuffen und dem Reußenstein gibt. Einer Landschaft, die nicht nur als tägliche Kulisse für die Fahrt zur Arbeit parat steht und dann am Wochenende, weil sie doch so schön ist, auch für alle Erholungssuchenden da ist. „Unser Lebens- und Freizeitraum ist so wertvoll durch seine Vielfältigkeit“, weiß „Schmeck-die-Teck“-Geschäftsführerin Anne Rahm.

Diese Kulturlandschaft am Albtrauf mit ihren Wacholderheiden und Streuobstwiesen ist nicht für alle Zeiten zementiert, sondern sehr verletztlich, sagt Anne Rahm, von Beruf Landschaftsplanerin. Die Natur kann sich ändern, wie sie im Laufe der Geschichte – das belegen alte Fotos – oftmals ihr Gesicht veränderte. Wo früher Weinberge der Reblaus zum Opfer fielen, stehen heute blühende Apfel- und Birnbäume oder Kirschenanlagen, gepflanzt und gepflegt von Menschenhand. Doch auch diese könnten schon bald der Vergangenheit angehören, wenn sich niemand ihrer annimmt. Vor allem Landwirte sind es, die die Streuobstwiesen mähen oder ihre Rinder dort grasen lassen, und Edelbrennereien, Saftereien, aber auch Obst- und Gartenbauvereine, die die Bäume schneiden und düngen und ihre Früchte ernten. Sie alle leben davon, die aus heimischer Produktion gewonnenen Erzeugnisse wie zum Beispiel Milch, Fleisch, Wurst, Brot, Honig, Edelbrände und Natursäfte zu verkaufen.

Viele von ihnen sind Mitglieder des Vereins „Schmeck die Teck“. Der Initiative gehören neben 24 Betrieben inzwischen auch über 20 Privatpersonen an, freut sich Vorsitzender Klaus Lang. 2001 aus der Lokalen Agenda in Kirchheim hervorgegangen, appelliert die Geschäftsführerin des Vereins, Anne Rahm, an die Verbraucher, nicht nur auf den Preis zu achten, sondern auch auf die Herkunft der Waren. „70 Prozent des Obstes und Gemüses werden aus Südeuropa importiert.“ Kurze Wege der Produkte vom Erzeuger zum Kunden sind dagegen bei „Schmeck die Teck“ garantiert. Martina Rommel berichtet von einer Studie, in der Goldene Delicious aus Südtirol, vom Bodensee und aus dem Lenninger Tal auf Spritzmittel hin untersucht wurden. Dabei schnitt der aus dem „Täle“ am besten ab.

„Inzwischen haben immer mehr Verbraucher erkannt, dass es auf eine gesunde Nahrung ankommt“, sagt Klaus Lang. Deshalb will der Verein mit einem neuen Flyer seine Hofläden und Verkaufsstellen in Gutenberg, Ober- und Unterlenningen, Owen, Dettingen, Bissingen, Weilheim und Kirchheim noch bekannter machen. Auch denkt er daran, seine Erzeugnisse im Kirchheimer Weltladen sowie später im Biosphärenlädle anzubieten. Sehr gut könnten sich die Vereinsmitglieder auch einen „Schmeck-die-Teck“-Markt am Naturschutzzentrum vorstellen. Darüber hinaus strebt der Verein eine Kooperation mit PLENUM und dem Biosphärengebietsteam an. Sein kurzfristiges Ziel ist es, sich bei Kommunen, Vereinen, Institutionen und Firmen vorzustellen und auf die Vielfältigkeit der „Schmeck-die-Teck“-Erzeugnisse hinzuweisen.

„Der Gesellschaft muss es etwas Wert sein, ihre natürliche Umgebung, in der sie lebt und Erholung sucht, zu erhalten“, meint Hans Ederle vom Bissinger Helleshof. „Wenn die Landwirte die Wiesen und Heiden nicht mehr pflegen und schützen können, bleibt die Arbeit an den Kommunen und am Landkreis hängen. Doch das wird nicht umsonst sein.“ Das sieht auch Angelika Kuch vom Sulzburghof in Unterlenningen so. Durch die kleinparzellierten Strukturen am Albtrauf sind vor allem Landwirte benachteiligt und vom Verbraucherverhalten abhängig. Ob sie existieren können, entscheidet nicht zuletzt der Käufer an der Ladenkasse.