Lokales

Mit schwarzen Zahnbürsten für den Politikwechsel

"Wie eine 2:0-Führung in der 80. Minute eines Fußballspiels" so sieht der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich die aktuelle Position seiner Partei im Bundestagswahlkampf. Auch seinem persönlichen Ergebnis im Wahlkreis Nürtingen blickt der Kirchheimer mit Optimismus entgegen. Sein Wunsch ist es, erneut die 45-Prozent-Marke zu knacken.

BIANCA LÜTZ

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NÜRTINGEN 45,6 Prozent der Erststimmen konnte Michael Hennrich bei der Bundestagswahl 2002 auf sich vereinen und überholte damit sogar Amtsvorgänger Elmar Müller. Ein solches Ergebnis würde sich der 40-Jährige auch am 18. September wieder wünschen. Die Prozentzahl steht für Hennrich dabei jedoch nur an zweiter Stelle: "Entscheidend ist, dass ich das Direktmandat hole und den Wahlkreis gewinne", sagte er bei einem Pressegespräch.

"Wir Abgeordneten vor Ort müssen uns schon gewaltig anstrengen, um die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen", räumte Hennrich ein. Seinen Wahlkampf knüpft der Kirchheimer Jurist an sein Engagement der vergangenen Legislaturperiode an: Im Wahlkreis präsent sein, Gespräche mit Bürgern führen, Firmen besuchen und für Reformen werben. Darüber hinaus organisieren Michael Hennrich und das Team rund um Wahlkampfleiter Thaddäus Kunzmann Veranstaltungen und Besuche prominenter CDU-Politiker wie Günther Oettinger oder Peter Hauk, bauen Info-Stände auf, verteilen Prospekte und verschenken schwarze Zahnbürsten mit dem Aufdruck "Michael Hennrich in aller Munde". "Das passt zu meinem Schwerpunkt Gesundheitspolitik", klärte Hennrich über die Idee hinter dem Wahlpräsent auf. In Zeiten, wo alle den Gürtel enger schnallen müssen, möchte der CDU-Kandidat seinen Wahlkampf "recht sparsam" bestreiten: 15 000 bis 20 000 Euro seien dafür eingeplant.

Inhaltlich stehen auch beim Wahlkampf vor Ort bundespolitische Themen im Vordergrund. Schwerpunkte

O:5080515.JP_ sind Arbeitsmarkt und Familienpolitik, Soziale Sicherung und Finanzen. Im Hinblick auf die Arbeitsmarktreform sprach sich der 40-Jährige dafür aus, den Kündigungsschutz zu lockern. Er solle künftig erst bei Betrieben greifen, die über 20 Mitarbeiter beschäftigen. Hartz IV ist aus Hennrichs Sicht nach wie vor der richtige Weg. Die Umsetzung wolle seine Partei jedoch verbessern. "Wir wollen Hartz IV stärker kommunalisieren", kündigte er an. So solle die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen schneller und flexibler gelingen.

"Wir müssen die sozialen Sicherungssysteme von Lohn und Arbeit abkoppeln", nannte Michael Hennrich einen weiteren Punkt auf seiner Agenda. Der CDU-Politiker plädierte für die solidarische Gesundheitsprämie, bei der eine fixe Pauschale für den Arbeitgeber anfällt. Zudem verteidigte er eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, über die die CDU eine Absenkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung finanzieren will. "Wenn wir insgesamt die Sozialabgabenlast reduzieren, können neue Arbeitsplätze entstehen", so Hennrich.

Des Lobes voll war Michael Hennrich über Angela Merkels Kompetenzteam mit "vielen herausragenden Persönlichkeiten". "Ganz besonders begeistert bin ich von Paul Kirchhof", gab Hennrich zu. Er sei nicht nur ein hervorragender Fachmann, sondern bringe auch neue Ideen ein und verkörpere einen unkonventionellen Politikstil. Überzeugt zeigte sich der Abgeordnete zudem von der Kanzlerkandidatin der Union: "Angela Merkel steht für glaubhafte Reformen", lobte er: "Sie will in dem Land etwas bewegen."

Den "Spielstand" vor der Bundestagswahl schätzt Michael Hennrich für die CDU ein "wie eine 2:0-Führung in der 80. Minute eines Fußballspiels". Dennoch ist das für ihn noch kein Grund zur Überheblichkeit: "Noch ist nicht alles gelaufen", betonte Hennrich und kündigte an: "Wir müssen weiterhin hochkonzentriert dabei sein." Nur so könne der notwendige Richtungs- und Regierungswechsel gelingen. Hochkonzentriert und voller Optimismus arbeitet Michael Hennrich auch auf seinen Wiedereinzug in den Bundestag hin. Ein weiteres Ziel für die nächste Legislaturperiode: "Ich würde gerne wieder in den Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung gewählt werden."