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Mit Schwung und Verspieltheit den richtigen Ton getroffen

KIRCHHEIM Über hundert Kinder und mehr als ein Dutzend Musiker und Musikerinnen bevölkerten die Bühne der Kirchheimer Stadthalle, um 23 neue Kinderlieder erstmals in dieser Welt öffentlich erklingen zu

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PATRICK TRÖSTER

lassen. Geschaffen haben diese neckischen Kleinode 17 Studierende der Klasse Professor Axel Ruoffs der Stuttgarter Musikhochschule.

Doch versteckten die angehenden und komponierenden Schulmusiker sich nicht hinter ihren Noten, sondern sie traten auch als versierte Interpreten mit allerlei Instrumenten in den wechselnden Begleitbands auf.

Den Gesangspart übernahmen die Chöre der Musikschule Kirchheim, worunter sich ein ganzes Chorsystem, bestehend aus Vorchören, dem Hauptchor sowie der Förder- und Leistungsstufe, mit einem pädagogisch-künstlerischem Konzept verbirgt.

Dies bedeutet, dass bei diesen neuen Kinderliedern die ganz Kleinen im Grundschulalter mit den schon Großen und dem frischen Abitur in der Tasche zusammen auftraten. Und dabei sangen alle die 23 Lieder mit ihren zusammen 64 Strophen auswendig.

Einstudiert hatten diese Leistung Beate Hoffmann-Mundl und Bertram Schattel. Letzter übernahm auch die musikalische Leitung und trat überdies als höchst wendiger Sprecher hervor, dessen Stimme allerlei Farben, vom Krächzen bis zum Näseln, annehmen konnte. Denn um diese Kinderlieder zyklisch zu verbinden, hatte sich Florian Aißlinger eine launische Geschichte ausgedacht, in der die Liedprotagonisten allerlei Getier und manches Kraut der Pflanzenwelt verknüpft wurden. Und was bekam man da nicht alles zu hören! Einen Rumpelstilzchen-Blues, einen Mäusebussard-Funk mit Rockrefrain, einen Besteck-Tango, einen walzernden Bauernritt, eine schunkelnde Affenschule, ein offbeatig-ungestühmes Wiedersehen, ein schelmisch swingendes Detektivlied, einen frank gewebberten Löwenzahn-Song, einen recht fuzzyligen Wäschereggae oder ein tigerindisches Begegnungskolorit.

Der Fantasie schienen keine Grenzen gesetzt, und dank der vielen Komponisten und ihrer recht unterschiedlichen musikalischen Ausrichtungen wirken die 23 neuen Kinderlieder wie ein buntes Kaleidoskop, das sich farblich immer wieder neu zusammensetzt.

Mit Begeisterung begleiteten die Schöpfer mit ihren Instrumenten in wechselnden Besetzungen charakteristisch ihre eigenen Werke: eine Blockflöte zwitschert vogelhaft, Posaune und Horn bringen einen Bären auf Trab, mit einem E-Bass wird der Rock angezupft, Violine und Querflöte schmachten terzend im Tango, oder Kongas ertappen die Stimmung eines Krokodils.

Als Rückgrat aller Arrangements freilich das Klavier fungiert, ohne das ein Schulmusiker den Boden verliert. Diese instrumentale Farbigkeit übertrug sich auch auf den ganzen Chor.

Die meist einstimmigen Kinderlieder erklangen mit Schwung und Verspieltheit, trafen die Studierenden in ihren Kompositionen den Ton und Humor der Kleinen. Die Liedtexte stammen von verschiedenen Kinderautoren, sind an sich schon gut ausgewählt und bieten eine große kindgerechte Reizpalette. Bertram Schattel weiß sich dieser musikalisch verzückend zu bedienen und dank seines Temperamentes und seines Gestenreichtums sang der riesige Kinderchor wie aus einem Guss, stiegen sicher in die verschiedenen Rhythmen ein, die Melodien erklangen wie aus einer Kehle, und die schnell wechselnden Stimmungen von frech über elegant und sanft bis zu lyrisch wurden im Handumdrehen getroffen. Das zahlreiche Publikum und die stolzen Eltern waren ganz fasziniert, und so mancher kaufte sich schon in der Pause die CD dazu.

Schon vor der Weltpremiere nämlich wurden die Lieder in der Musikhochschule an zwei Tagen, wie an diesem Abend gehört, aufgenommen und vom Strube-Verlag gerade rechtzeitig zur Uraufführung in Kirchheim herausgegeben.

INFO"Ein Gaul fiel ins Gras und brach sich die Nas." Neue Kinderlieder von Studierenden der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, herausgegeben von Axel Ruoff und Harald Lierhammer. Unter der Verlagsnummer 5104/CD ist die CD mit Einspielungen der Lieder erhältlich.