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Mit Slalom und Eimerlauf den Ernstfall geprobt

Geschick, Ausdauer, Teamwork, Zuverlässigkeit und fachliche Kompetenz all das müssen Feuerwehrler heute mitbringen. Schon frühzeitig führen die Wehren ihren Nachwuchs deshalb an die Aufgaben im aktiven Dienst heran. Am Samstag maßen sich über 250 junge Floriansjünger aus 30 Kreiswehren beim großen Pokalwettbewerb in Nürtingen.

NICOLE MOHN

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NÜRTINGEN Knifflig sieht der Parcours aus, den die fünf jungen Burschen aus Nürtingen da vor sich haben. Die Gastgeber müssen bei den 14- bis 18-Jährigen heute als Erste durch die acht Aufgaben und die Uhr tickt beständig mit. Saugleitung legen, Radwechsel, Schläuche genau ins Ziel bringen oder Knoten knüpfen an den verschiedenen Stationen müssen die Mannschaften aus der Jugendfeuerwehr ihr Wissen und Können vor den kritischen Augen der Schiedsrichter unter Beweis stellen. Im Ernstfall könnte schließlich das eigene Leben davon abhängen. Jeder Handgriff muss deshalb sitzen.

Etwas spielerischer geht es da schon bei den Jüngeren zu. Kichernd kippt das Team aus Hochdorf um: Gar nicht so einfach, zu viert auf den zwei Holzskiern zu laufen. Nebenan versuchen sich die Mitkonkurrenten um den Titel im Wassertransport mit undichten Eimern durch Pylonslalom und Hürde. Eine ziemlich feuchte Angelegenheit, doch das stört die jungen Kämpen wenig, die blauen Overalls trocknen schnell wieder. Trotz Spaß und Spiel: Auch bei den Kleinen ist der Ehrgeiz da, bei den Kreispokalwettspielen im Nürtinger Wörth-Stadion eine gute Leistung abzuliefern. Seit Wochen schon haben sie für den Wettbewerb trainiert.

Die Nürtinger haben es inzwischen geschafft: Sie werden am Ende Rang 4 belegen. Den Pokal bei den 14- bis 18-Jährigen holt sich in diesem Jahr die Mannschaft aus Wolfschlugen, gefolgt von Beuren und Kirchheim. Bei den Startern der Unter-14-Jährigen hat das Team aus Esslingen vor Beuren und Neuhausen punktgleich auf Platz 2 sowie Plochingen die Nase vorn.

Das Training der Nachwuchskräfte ist aber nur ein Aspekt der ausgedehnten Jugendarbeit in den Kreiswehren. Längst haben die Jugendwehren viele Aufgaben bei der Vermittlung von Werten und sozialen Kompetenzen übernommen, die früher in der Familie an die Kinder weitergegeben wurden.

Das machte der Erste Landesbeamte des Landkreises Esslingen, Matthias Berg, in seinem Grußwort zur Hauptversammlung der Kreisjugendwehren am Abend vor dem Pokalwettkampf in der Mörikehalle in Nürtingen deutlich. Längst haben deshalb nicht nur fachliche Themen rund um die Sicherheit und Brandbekämpfung einen festen Platz in der Arbeit des Kreisverbandes erhalten, wie der Bericht des Kreisjugendwartes Uwe Steck zeigte. Themen wie das neue Waffengesetz oder die Referate zu Themen wie Verschuldung von Jugendlichen gehören mittlerweile ebenso zum Angebot an die Jugendwarte der Wehren wie zahlreiche Fachlehrgänge und Seminare zur Aus- und Weiterbildung für den Bereich Jugendarbeit.

Hier leistet der Kreisverband offensichtlich gute Arbeit. Rund 1 045 Kinder und Jugendliche sind mittlerweile in den Jugendabteilungen der Wehren engagiert das sind 21 mehr als im Vorjahr. Mittlerweile sind zudem immer mehr Mädchen bei den Jugendwehren aktiv: 24 Neuaufnahmen zählte Steck hier 2004. Insgesamt stieg die Zahl der Jugendwehren weiter an. Kohlberg besitzt mittlerweile eine Jugendwehr, und noch in diesem Jahr hofft Steck, den letzten weißen Fleck im Kreis zu schließen: Als letzte der Kreiswehren plant nun auch Baltmannsweiler die Gründung einer Nachwuchsgruppe.

Damit liegt der Esslinger Verband auch im Ländle ganz weit vorne, informierte der stellvertretende Jugendwart der Landesjugendfeuerwehr Baden-Württemberg, Andreas Rudlof. Über 6 500 Stunden Arbeit investierten die Jugendleiter in die Ausbildung und Förderung der Kinder im vergangenen Jahr, dazu kommen nochmals rund 6 000 Stunden für die Vor- und Nachbereitung meist zusätzlich zum Dienst bei der aktiven Wehr.

Für Heinrich Heuschele hielt Rudlof noch eine besondere Überraschung parat: Dem stellvertretenden Kreisjugendfeuerwehrwart verlieh er für sein langjähriges Engagement in der Jugendfeuerwehr auf kommunaler bis Landesebene die silberne Ehrennadel.