Lokales

Mit Speer und Schleuder auf "Nahrungssuche"

KIRCHHEIM Pünktlich um 10 Uhr standen die teilnehmenden Jungen und Mädchen mit ihren Rucksäcken am Wasserturm, um sich in die Kunst des steinzeitlichen Jagens einführen zu lassen. Nach der Begrüßung durch Karl-Heinz Buck vom Arbeitskreis Museumspädagogik ging es zu einer nahen Wiese am Waldrand, wo schon der Archäologe Rudolf Walter in steinzeitlicher Lederkleidung wartete. Zu den vielen Materialien, die er dabei hatte, zählten auch einige Tierfelle, die dann als passende Sitzgelegenheit dienten.

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Zunächst sollte den Teilnehmern gezeigt werden, wie die Menschen der Steinzeit Feuer machten. Beim Graben eines passenden Feuerlochs kamen dann Tonscherben zutage, die Museumsleiter Rainer Laskowski sofort genau begutachtete. Sie erwiesen sich aber "nur" als mittelalterlich.



Anschließend berichtete Rudolf Walter über das Leben in der Alt- und Jungsteinzeit. Dabei durften auch Feuersteine bearbeitet werden. Die Jungen und Mädchen mussten jedoch genau aufpassen, auf welche Stelle zu schlagen war, damit brauchbare Feuersteinstücke abfielen. Anschließend bekamen alle Haselnussstöcke, die mit Hilfe von Feuersteingeräten in Speere verwandelt werden sollten. Dabei wurden auch Ornamente angebracht und mit einem Steinbohrer ein passendes Loch für den Haken der Speerschleuder gebohrt.



Nachdem das Feuer inzwischen schon eine gute Glut hatte, wurde um die Mittagszeit allerlei gegrillt und Stockbrot gebacken. Rudolf Walter hatte zudem Pfeil und Bogen mitgebracht, womit unter fachkundiger Anleitung auf einen gemalten Schneehasen gezielt werden konnte. Bevor auch das Speerwerfen geübt werden konnte, mussten die selbst gebauten Jagdgeräte zuletzt noch befedert werden, denn ohne Federn ist kein stabiler Flug möglich. Benötigt werden dafür Sehnen von Tieren. Die künftigen Jäger suchten sich also passend Federn aus und befestigten sie dann so gut wie möglich mit künstlichem Sehnenmaterial am Ende der Speere.



Nachdem alle auch noch eine Speerschleuder ein etwa 50 Zentimeter langer stabiler Ast mit einem hakenförmigen Ende ausgesucht hatten, sollten Speere samt Schleuder ausprobiert werden, wobei aus Sicherheitsgründen auf eine gefährliche Speerspitze verzichtet werden musste. Noch etwas krumme Speere wurden gerade gebogen und die Federn gerichtet, bis zuletzt alles für gut befunden wurde und einsatzbereit war. Dann konnten die Jäger in Ruhe die nicht einfache Wurftechnik erlernen und einüben. Der abschließende Wettkampf bestand dann aus drei Disziplinen: Bogenschießen auf verschiedene Zielscheiben, Würfe mit dem Speer und schließlich auch noch mit der selbst gebauten Speerschleuder.



Mit großem Hallo wurde jeder Wurf oder Schuss kommentiert, während Rudolf Walter und Karl-Heinz Buck als unparteiische "Jagdrichter" fungierten. Nachdem der Sieger feststand, waren alle auf die Preise gespannt. Rudolf Walter holte daher einen großen Feuerstein aus seiner Materialkiste und schlug da-raus einen Faustkeil für den Sieger. Die anderen Wettbewerbsteilnehmer bekamen kleine Feuersteingeräte wie Schaber, Messer und Abschläge. Nachdem auch noch das Feuerloch zugeschüttet war, konnten sich die Steinzeit-Jäger nach einer kurzweiligen Zeitreise auf den Rückweg in die Gegenwart begeben.

Bevor die "Jagd in der Steinzeit" beginnen konnte, mussten die teilnehmenden Jungen und Mädchen erst die dafür erforderlichen Waffen basteln und ein Feuerloch graben.