Lokales

Mit vertrauten Zugpferden in Berlin vertreten

Die Wahl-"Partys" verdienten ihren Namen zwar nicht angesichts des viele Fragen aufwerfenden Wahlausgangs, doch das lag nicht an den örtlichen Gegebenheiten. Charakteristisch für den Wahlausgang in Kirchheim und Umgebung war die hohe persönliche Wertschätzung der drei Abgeordneten, die sich bei CDU-Mann Hennrich in einem persönlichen Stimmenzuwachs niederschlug. FDP-Kandidatin Ellen Winkler-Oberman hoffte bei Redaktionsschluss sogar noch auf ein viertes Bundestagsmandat für den Wahlkreis.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM Jamaika, Ampel oder große Koalition . . . die Veröffentlichung der ersten Trends in Deutschlands Fernsehsendern ließ der Nation den Atem stocken und noch nie angedachte politische Farbkombinationen ins Kalkül ziehen. Währenddessen herrschte in den TV-freien Sitzungssälen im Kirchheimer Rathaus und in den Städten und Gemeinden rundum emsige Betriebsamkeit beim Auszählen.

Das Ergebnis auf lokaler Ebene barg durchaus Überraschungen: Erfreulich, wenn auch vorhersehbar, ist die Tatsache, dass der Wahlkreis Nürtingen-Kirchheim auf jeden Fall weiterhin mit den Abgeordneten Michael Hennrich, Rainer Arnold und Dr. Uschi Eid stark in Berlin vertreten sein wird. Vielleicht gesellt sich zu diesem Kleeblatt sogar noch die FDP-Kandidatin Ellen Winkler-Oberman. Mit Platz zehn auf der Landesliste harrte sie bei Redaktionsschluss noch der weiteren Auszählung.

Eine überzeugende Bestätigung erfuhr CDU-MdB Michael Hennrich, der erwartungsgemäß wieder das Direktmandat holte. Er verbesserte sein Wahlergebnis und heimste kreisweit 47,9 Prozent der Erststimmen ein, 2,3 Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren. In Kirchheim steigerte sich Hennrich von 45,1 Prozent auf 46,7 Prozent. Bei den Stimmen auf der Liste spiegeln sich dagegen die Verluste auf Bundesebene wider: Die CDU verlor im Wahlkreis 3,5 Punkte und landete bei 38,9 Prozent der Stimmen. In Kirchheim war der Rückgang noch extremer: 36,5 Prozent gaben ihr die Zweitstimme, vor drei Jahren waren es 40,7. Das beste Listenergebnis erzielte die CDU in Owen mit 46 Prozent, das damit Erkenbrechtsweiler den Rang abgelaufen hat.

SPD-MdB Rainer Arnold sah mit einem vorderen Listenplatz entspannt der Auszählung entgegen. Er musste zwar Einbußen an Erststimmen verkraften, erfreut sich persönlich jedoch ebenfalls traditionell größerer Sympathien als die Partei insgesamt: In Kirchheim votierten 34,6 Prozent der Wähler für ihn, 2002 waren es noch 37,8 Prozent. Kreisweit erhielt er 33,9 Prozent der Stimmen, vor drei Jahren 37,1 Prozent. Die SPD-Liste hat rund um die Teck weniger verloren als im Bundesdurchschnitt. Sie liegt in Kirchheim bei 30,4 Prozent und hat somit 3,6 Punkte eingebüßt, etwas geringer fiel der prozentuale Verlust im gesamten Wahlkreis aus. Allerdings sind die Sozialdemokraten kreisweit unter die 30-Prozent-Hürde gerutscht. Sie konnten nur noch 29,2 Prozent der Stimmen für sich verbuchen.

Die Korken knallten frühzeitig bei der FDP. Sie sorgte nicht nur bundesweit als eigentliche Wahlsiegerin für Furore, wenn auch ohne das erhoffte Koalitionsziel zu erreichen, sondern punktete in ihrem Stammland besonders. Das könnte der hiesigen Kandidatin Ellen Winkler-Oberman mit Listenplatz zehn zu einem Ticket nach Berlin verhelfen. 13,4 Prozent der Zweitstimmen gingen im Wahlkreis an die Liberalen, 5,2 Punkte mehr als noch vor drei Jahren. In allen Gemeinden liegt die FDP nun im zweistelligen Bereich, an der Spitze liegt der neu zum Wahlkreis gekommene Ort Steinenbronn, wo 15,3 Prozent der Zweitstimmen auf die Liberalen entfielen. Kandidatin Ellen Winkler-Oberman erreichte exakt fünf Prozent der Erststimmen im Kreis. 1998, als sie schon einmal für die FDP kandidiert hatte, waren es dagegen nur 3,9 Prozent gewesen. In Kirchheim befanden sich 4,2 Prozent der Erststimmen-Kreuzchen im Feld für Winkler-Oberman.

Stark im Wahlkreis Nürtingen-Kirchheim sind aber traditionsgemäß nicht nur die Liberalen, sondern auch die Grünen, die auch hier nur einen leichten Rückgang auf hohem Niveau verkraften mussten. Ihr prominentes Mitglied, die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Uschi Eid, auf dem sicheren Platz eins der Landesliste beheimatet, erhielt im Wahlkreis neun Prozent der Erststimmen. Vor drei Jahren waren es 10,2 Prozent gewesen. In Kirchheim büßte sie einen glatten Prozentpunkt ein und landete jetzt bei 10,2 Prozent. An Zweitstimmen erhielten Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis 11,1 Prozent und verloren damit 0,5 Punkte. Kirchheim zählt mit 12,3 Prozent Grünen-Zweitstimmen zu den Spitzenreitern im Wahlkreis. Den Platz als "Grünen-Hochburg" zurückerobert hat sich Bissingen: 12,9 Prozent der Wähler in der Seegemeinde vergaben das zweite Kreuzchen für die Öko-Partei.

Die Linkspartei erreichte 2,9 Prozent der Zweitstimmen, Direktkandidat Jochen Findeisen erhielt kreisweit 2,6 Prozent der Erststimmen. In seinem Wohnort Schlaitdorf waren es 4,4 Prozent der Erststimmen.

Unter den unrühmlichen Schlusslichtern in Sachen Wahlbeteiligung im Kreis fand sich Kirchheim mit 78,9 Prozent wieder.