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Mit "wildem Auspuff" und 225 Pferdestärken gegen den Wind

Mit seinen Turboumbauten an Serienmotorrädern hat sich Hans Rukavina in der Szene einen Namen gemacht. In seiner Werkstatt "Cars and Bikes" in Gruibingen restauriert der Holzmadener alte Suzukis und Kawasakis für seine Kundschaft.

BORIS-MARC MÜNCH

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HOLZMADEN Wenn sich beim Gasgeben ein fast neues Kettenrad verbiegt, müssen schon gewaltige Kräfte am Werk sein. Rukavina hält das verbogene Metall gegen das Licht und schmunzelt. "Das hat erst 200 Kilometer auf dem Buckel. Normalerweise passiert so etwas erst bei 20 000 Kilometer."

Der Automechaniker liebt schnelle Motorräder. Seit mehreren Jahren realisiert Rukavina Turboumbauten bei verschiedenen Fahrzeugen japanischer Herkunft. Der "Cars and Bikes Lowrider" beispielsweise hat in der Motorradpresse als stärkste Straßen zugelassene Kawa mit 225 PS schon 1995 für Schlagzeilen gesorgt.

Unter den Supersportbikes ragt eines heraus: Die 178 PS starke Kawasaki ZX-12 R, eines der stärksten Serienmotorräder der Welt. Schon das Heizen jenseits der 250 Stundenkilometer ist mit der Zeit anstrengend. Bei Tempo 300 wird der Winddruck aber höllisch. Der Fahrer blickt nun wie durch einen Gartenschlauch. Bei 308 Stundenkilometer ist laut Fahrzeugpapiere die Tachonadel am Anschlag. "Von Gruibingen aus wäre man bei freier Strecke in acht Minuten am Flughafen", grinst Rukavina.

Kaum vorzustellen, wenn erst mal 280 Pferde am Hinterrad ziehen. Genau daran tüftelt Rukavina, drahtige Figur und Pferdeschwanz, derzeit in seiner Werkstatt in Gruibingen. Er ist ganz in Schwarz gekleidet, trägt T-Shirt und Shorts. Schwarz wie die Nacht ist auch seine ZX-12 R. Auf dem Tank liegt ein Laptop. Rukavina verbessert die Daten der Einspritzelektronik. "Es ist nicht damit getan, ein paar geänderte Krümmerrohre und einen Turbo zu montieren." Von Fall zu Fall seien unterschiedliche Maßnahmen, wie etwa Eingriffe in das Motormanagement nötig. Der Gruibinger Meisterbetrieb stellt auch eigene Turbo-Kits her, passend für verschiedene Motoren. Nicht die günstigste Art, ein Motorrad zu frisieren, aber die effektivste, sagt Rukavina.

Liebevoll restauriert er die Zweiräder. Nicht irgendwelche, sondern Klassiker, wie die Kawasaki Z 1000. In Handarbeit schraubt er ein Bauteil nach dem anderen auf den nackten Rahmen: Erst die Gabel, dann die Hinterradschwinge und sobald das Motorrad steht, den Motor. Die Lackierung erfolgt nach den Wünschen des Kunden. "Gerne wollen sie auch einen wilden Auspuff."

Weil er mit den auf dem Markt erhältlichen Auspuffanlagen nicht zufrieden war, entwickelte der Tüftler seinen eigenen Auspuff, den er jetzt aus sechs Meter langen Präzisionsrohren zurecht biegt. Selbst Federn, Schrauben und Halteschellen sind aus rostfreiem Stahl. Rukavinas Auspuffanlagen passen an viele Klassiker.

Ob alte Suzis oder Kawas: Alle Umbauvarianten bekommen bei Rukavina den TÜV-Segen. Dafür greifen die Liebhaber auch gerne tief in die Tasche. Ein kompletter Umbau inklusive Bauteile und Montage kostet zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Also mehr, als so manches Neufahrzeug. "Wer PS will braucht Kohle", sagt Hans Rukavina und lacht.