Lokales

Mitbewerber kündigt Prüfung an

Eine unerwartete Verzögerung bringt die Schlierbacher Pläne zur Sanierung der Hauptstraße und des Rathausvorplatzes durcheinander.

VOLKMAR SCHREIER

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SCHLIERBACH "Ich weiche von dem Beschlussantrag ab und möchte die Vergabe auf die nächste Sitzung verschieben und die Vergabefrist verlängern", erklärte Schmid dem verdutzten Ratsgremium. Dass die Gemeinderäte jedoch nicht nur bass erstaunt waren, sondern sich eine zunehmend säuerliche Stimmung im Ratsrund breitmachte, war jedoch nicht die Schuld des Bürgermeisters. "Die Firma Waggershauser hat angekündigt, die Vergabe der Arbeiten rechtlich zu überprüfen", musste Paul Schmid berichten.

In der öffentlichen Ausschreibung hatte die Kirchheimer Straßenbaufirma lediglich das zweitgünstigste Angebot abgegeben. Das Angebot der Degginger Firma Gansloser war mit rund 586 000 Euro immerhin um 56 000 Euro günstiger als das Angebot von Waggershauser. Laut Bürgermeister Schmid ist die Firma Waggershauser nun der Auffassung, die Vergabe sei nicht ordnungsgemäß abgelaufen: "Bei der Submission lag die Urkalkulation der Firma Gansloser nicht vor", so Schmid, fügte aber hinzu, dass der Vertreter der Firma Gansloser den Umschlag lediglich im Auto vergessen hatte und innerhalb weniger Minuten nachreichte.

Die Urkalkulation werde in einem verschlossenen Umschlag dem Angebot beigelegt, in aller Regel aber niemals geöffnet, erläuterte Schmid. Die Urkalkulation diene lediglich dazu, in begründeten Einzelfällen die einem Angebot zugrunde liegende Kalkulation transparent zu machen. Nach Meinung der Gemeinde sei die Urkalkulation bei der Angebotsvergabe aber nicht mehr relevant gewesen.

Die Firma Waggershauser sieht in der verspäteten Eingabe der Urkalkulation jedoch ein Ausschlusskriterium für das Angebot des Konkurrenzunternehmens eine Auffassung, die die Gemeinde Schlierbach nicht teilt. Bürgermeister Schmid: "Deshalb sind wir im Dissens mit der Firma Waggershauser".

Folglich stellte Schmid den Antrag, die Vergabe auf die nächste Sitzung zu verschieben. "Ich brauche noch Zeit, um den Vorgang juristisch prüfen zu lassen", denn nun, so ist er überzeugt, müsse auch die Gemeinde einen Fachanwalt zu Rate ziehen. Es sei auch keine Option, den Auftrag für die Sanierungsarbeiten trotzdem direkt an den günstigsten Anbieter zu vergeben, denn im ungünstigsten Fall sehe sich die Gemeinde mit Schadensersatzansprüchen konfrontiert. Auch darüber, wie die Ausei-nandersetzung mit dem Kirchheimer Bauunternehmen ausgehen wird, wagt Schmid keine Prognose abzugeben. Sicher ist nur, dass sich das gesamte Bauvorhaben verzögert. Entsprechend säuerlich auch die Stimmung unter den Gemeinderäten. "So ein Vorgehen habe ich in meiner ganzen Zeit als Gemeinderat noch nicht erlebt", kommentierte Karl Weiler von der CDU die Ankündigung der Firma Waggershauser, und auch aus den wenigen weiteren Wortmeldungen war deutliches Missfallen herauszuhören. Einstimmig votierte das Gremium dafür, die Vergabe auf die nächste Gemeinderatssitzung zu vertagen.