Lokales

"Miteinander leben, mitten drin", lautet das Ziel

"Miteinander leben, mittendrin" das haben sich die Bewohner und Mitarbeiter des neuen DRK-Seniorenzentrums Neckarstift in Neckarhausen zum Ziel gesetzt. In dem Haus sind ein Pflegeheim mit 39 Plätzen und eine ambulante Tagespflege für zehn Patienten mit zwölf seniorengerechten Wohnungen unter einem Dach vereint.

NECKARHAUSEN In nur 15 Monaten bekam die Neckarhäuser Ortsmitte mit der Neubebauung des Areals an der Neckartailfinger Straße ein neues Gesicht. "Nicht ganz freiwillig", gestand Harald Kuhn, Vorstandsmitglied der Volksbank Kirchheim-Nürtingen, sei man an das Areal gekommen. Sehr wohl aber sah nicht nur die Volksbank, sondern auch der DRK-Kreisverband die Chance, hier in der Ortsmitte Neckarhausens etwas zu bewegen und ein zukunftsweisendes Angebot im Bereich der Altenhilfe für den Nürtinger Teilort zu integrieren.

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Trotz des damals noch im Bau sich befindenden Kirchheimer Steingaustifts entschloss sich der DRK-Kreisverband, das Vorhaben mit Mitteln aus der Zukunfts-Stiftung Rösle Bunz in Kooperation mit der Volksbank anzupacken und sich so ein Standbein in Nürtingen zu schaffen.

Mit dem Neckarstift betritt das DRK Nürtingen-Kirchheim wahrlich kein Neuland. Bereits seit 16 Jahren engagiert sich der Kreisverband in der Altenpflege. In den drei Einrichtungen in Kirchheim und Weilheim stehen derzeit 175 Pflege- und 46 Tagespflegeplätze zur Verfügung, erklärte der Vorsitzende des DRK Nürtingen-Kirchheim, Nürtingens Bürgermeister Rolf Siebert, in seiner Festansprache. "Nicht ganz unumstritten" war das von Architekt Thomas Pfeifer entworfene Objekt mit seinen insgesamt 2 700 Quadratmetern Wohn- und Ladenfläche anfangs, erinnert Ortsvorsteher Willi Knapp in seinem Grußwort auch im eigenen Ortschaftsrat.

Heute hingegen könne er feststellen: "Es hat sich in die Umgebung eingepasst." Mit dem Neckarstift werde nun auch dem durchgreifenden Wandel der Gesellschaft und dem steigenden Anteil der älteren Generation Rechnung getragen. Das Projekt ermögliche ein "lebendiges Miteinander" und das wird schon wenige Tage nach dem Einzug in das neue Haus gelebt. Alltag leben und erleben, ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung das ist es, was Pflegedienst- und Heimleiterin Dörte Flehmig und ihre Mitarbeiter sowie die Kollegen von der Tagesgruppe Bewohnern und Gästen in der Neckartailfinger Straße 3 ermöglichen möchten. "Die Bewohner verbringen viel Zeit in dem gemeinsamen Wohn- und Kochbereich, gestalten hier gemeinsam den Tag", erklärt sie.

Schon bevor das Haus seine Arbeit aufnahm, waren die beiden Mentorinnen Waltraud Jung und Ida Müller vom "Bela"-Projekt Bürgerengagement für Lebensqualität im Alter mit an Bord. Gemeinsam mit den Mitarbeitern wollen sie das Leben in das neue Haus holen und das Miteinander der Generationen fördern. Ein offener Mittagstisch und ein Café bieten zum Beispiel Möglichkeiten der Begegnung, auch die Aktion Herzenswünsche möchte Türöffner für ein bürgerschaftliches Engagement auf Zeit im Neckarstift sein.

"Sei es, aus der Zeitung vorlesen oder ein Spaziergang am Neckar: Unsere Bewohner würden sich darüber freuen", erklärte Brigitte Reich, die den Abend moderierte. Ein Konzept, das auch bei der Kreis-Fachberaterin für Altenhilfe auf viel Zuspruch trifft. Ein Altenheim weit außerhalb, weg von allem Trubel, das, so bekräftigt Inge Hafner, sei längst überholt. Auch Stefan Wiedemann sieht in der neuen Ausrichtung eine zukunftsweisende Entwicklung: "Die Normalität in diesem Haus ist es, die mir besonders gut gefällt", fasst der DRK-Kreisgeschäftsführer seinen ersten Eindruck zusammen.

Überzeugt sind aber anscheinend nicht nur die Fachleute: Die Pflegeplätze im Neckarstift sind weitgehend belegt, die Tagespflege bereits ausgebucht. Bei den vom DRK betreuten Wohnungen mit möglichen Anschluss an den Hausnotruf, Mittagstisch bis hin zur ambulanten Pflege sind nur noch zwei frei. Die Einrichtungen hat offensichtlich ihren Platz in der Neckarhäuser Ortsgemeinschaft schon gefunden.

pm