Lokales

„Mobbing darf nicht Schule machen“

Ludwig-Uhland-Schule startete als erste Schule im Kreis mit Präventionsprojekt

„Hinschauen“, „ein respektvoller Umgang miteinander“, „Niemanden ausgrenzen“ – nun gilt es, dass die Schüler ihre Aussagen in die Tat umsetzen, dass sich das Erarbeitete in der Praxis bewährt. Eine Woche lang haben Siebtklässler der Ludwig-Uhland-Schule in Wendlingen an dem landesweiten Gewaltpräventions-Programm „Mobbingfreie Schule – Gemeinsam Klasse sein!“ teilgenommen.

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Gaby Kiedaisch

Wendlingen. Gewalt und Mobbing an Schulen ist ein weit verbreitetes Problem. Eine Umfrage der Techniker-Krankenkasse (TK) unter Eltern in Baden-Württemberg hat ergeben, dass sich rund 15 Prozent der Schüler durch Mobbing belastet fühlen. „Mobbingopfer leiden daran bisweilen ein Leben lang“, erklärte Bettina Bruder, Sprecherin der TK in Esslingen. Deshalb bietet das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg in Kooperation mit der Techniker-Krankenkasse das Präventionsprogramm seit letzten November an. Bislang haben sich 180 weiterführende Schulen im Land für das Projekt angemeldet. Rund 80 von ihnen sind mittlerweile dafür geschult worden. Als zusätzliche Hilfe hat die Techniker-Krankenkasse einen Anti-Mobbing-Koffer, voll mit pädagogischen Materialien wie DVDs, Unterrichtsmaterialien und Broschüren für Eltern zusammengestellt, 1 000 solche Koffer stehen für das Projekt bereit.

Als erste Schule im Kreis Esslingen hat nun die Grund-, Haupt- und Werkrealschule in Wendlingen das Projekt in der vergangenen Woche durchgeführt. Eine ganze Woche lang hatten die 38 Schülerinnen und Schüler der 7a und 7b mit ihren Lehrern Florian Sikora und Friederike Ehrlich Zeit, sich mit diesem sensiblen Thema auseinander zu setzen. Dass so viel Zeit benötigt wird, das zeigte das Projekt: „Dranbleiben können, nicht nur etwas anreißen, schließlich geht es um Nachhaltigkeit“, erläuterte Friederike Ehrlich den Bedarf.

Durch Filme wurde das Thema verdeutlicht, durch Rollenspiele als Opfer und Täter die Konfliktsituation vertieft und anschließend die Lösung gemeinsam erarbeitet. „Miteinander darüber reden und diskutieren, war ein großes Bedürfnis für die Schüler“, erklärte Florian Sikora. Dabei haben die Schüler viel erfahren, wie zum Beispiel, dass soziale Ausgrenzung durch Mobbing zu Schlafstörungen, Depressionen, Nervosität führen kann. „Ich wusste nicht, dass man davon krank werden kann“, sagte der 14-jährige Jacob. Der 13-jährige Christian war „ganz geschockt, wie gemobbte Schüler behandelt wurden“. Dass man deshalb nicht hilflos ist, dass es Strategien dagegen gibt, das haben die Schüler ebenfalls gelernt: „Streit kann man mit Worten klären“, so Ecem, 13 Jahre. Die beiden Klassenlehrer sind zufrieden: „Die Wahrnehmung untereinander hat sich verändert.“

Nun wurden die Ergebnisse des Projekts den Eltern der teilnehmenden Schüler vorgestellt. Eltern gehören ebenfalls zum Projekt, sie sollen für das Thema sensibilisiert werden.

An der Ludwig-Uhland-Schule soll das Präventionsprogramm als ein weiteres Modul zu bereits vorhandenen Bausteinen im sozialen Schulcurriculum hinzukommen, bestätigte die Rektorin der Schule, Regina Bönisch. „Das Präventionsprojekt soll künftig für alle Siebenerklassen als Modul eingebaut werden.“

„Wir wollen, dass sich eine Kultur des Miteinanders durchsetzt, erläuterte Karl Häberle, Lehrer an der Schule und Berater für Gewaltprävention, das Ziel des Projekts: „Mobbing darf nicht Schule machen.“

Schulen, die an dem Projekt teilnehmen möchten, können sich an das Kontaktbüro Gewaltprävention im Kultusministerium wenden: Telefon 07 11/2 79 29 13 oder 2 79 29 12.