Lokales

Mobil ohne eigenes Auto

Die Lokale Agenda 21 und Stadtmobil Stuttgart holen das Carsharing nach Kirchheim zurück

Antje Dörr

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Kirchheim. „Ich bin überzeugt, dass wir genügend Nutzer finden“, sagt Ulrike Kösters von der Lokalen Agenda 21, die das Projekt betreut. Eine Hürde ist bereits genommen: Um eine Carsharing-Filiale oder einen Carsharing-Verein zu gründen, müssen sich mindestens zehn Menschen beteiligen.

Elf haben sich bisher gemeldet. Drei sind bereit, als Vorstände ehrenamtlich ein paar Stunden im Monat zu investieren. Vor etwa zehn Jahren hatte es in Kirchheim schon einmal ein Carsharing-Angebot gegeben. Das Projekt war damals daran gescheitert, dass die Autos zu wenig genutzt worden waren.

Das soll dieses Mal anders werden. Bei der nächsten Sitzung am Freitag, 20. Februar, geht es darum, weitere Nutzer zu finden. Wenn das gelingt, werden ab Juni rote Autos mit dem Aufdruck „Stadtmobil“ in Kirchheim unterwegs sein. Wie viele Autos es werden, weiß Ulrike Kösters noch nicht. „Das hängt davon ab, wie viele sich beteiligen.“

Laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) nutzen 116 000 Kunden in rund 260 deutschen Städten Carsharing-Angebote. In Stuttgart, Nürtingen, Esslingen und Tübingen gibt es die gemeinsame Autonutzung schon lange. Die Anbieter heißen von Stadt zu Stadt verschieden, auch die Tarife können sich unterscheiden. In Kirchheim hat die Lokale Agenda 21 Stadtmobil Stuttgart als Partner mit ins Boot geholt.

Für die Organisation vor Ort ist die jeweilige Carsharing-Filiale zuständig. Wer Interesse daran hat, sich mit anderen Menschen ein Fahrzeug zu teilen, schließt mit dem Verein einen Nutzungsvertrag ab und bezahlt einmalig eine Aufnahmegebühr von 60 Euro und eine Kaution von 550 Euro. Anschließend bekommt man eine Chipkarte ausgehändigt, mit der man das Fahrzeug öffnen kann. Wer ein Auto braucht, bucht es über das Internet oder die Zentrale in Stuttgart, die rund um die Uhr besetzt ist. Dort wird geprüft, ob das Fahrzeug frei ist oder nicht. Die Autos stehen auf festen Parkplätzen, in Kirchheim wahrscheinlich in der Innenstadt und am Bahnhof.

Abgerechnet wird nach Fahrzeugklasse, Zeit und gefahrenen Kilometern. Eine Fahrt im Kleinwagen, zum Beispiel in einem Opel Corsa, kostet zwei Euro pro Stunde und 20 Cent pro gefahrenem Kilometer. Für Besitzer einer VVS-Jahreskarte gibt es Ermäßigungen. Die Autos können für zwei Stunden, einen Tag oder eine Woche gebucht werden. „Man kann damit sogar in den Urlaub fahren“, sagt Ulrike Kösters. Dann schicke Stadtmobil Stuttgart ein zusätzliches Fahrzeug nach Kirchheim. Welche Fahrzeuge angeschafft werden, entscheidet der Verein vor Ort. Zur Auswahl stehen fünf Typen: Mini, Kleinwagen, Kombi, Cabrio beziehungsweise Kleinbus und Transporter. „Das hängt vom Nutzerkreis ab“, sagt Ulrike Kösters. Dazu würden die Teilnehmer befragt. „Es hat ja keinen Zweck, einen Dreitürer anzuschaffen, wenn der Nutzerkreis hauptsächlich aus Müttern mit Kindern besteht.“

Anders als in größeren Städten stellt Stadtmobil in Kirchheim jedoch kein Personal zur Verfügung. „Das würde sich nicht lohnen“, sagt Ulrike Kösters. Den Wagenwart müssen die Vereinsmitglieder also selbst machen. Das Engagement wird allerdings belohnt. „Wer den Wagen reinigt, bekommt entsprechend Fahrzeit gutgeschrieben.“

In der Kirchheimer Verwaltung gibt es Überlegungen, ob man sich am Carsharing-Projekt beteiligt. „Wir denken über neue Regelungen für Dienstwagen nach“, bestätigt Hauptamtsleiter Steffen Weigel auf Anfrage des Teckboten. Bisher nutzten die Mitarbeiter für Dienstfahrten ihre Privatautos. Deshalb führe die Verwaltung mit dem Carsharing-Verein Gespräche darüber, ob die Stadt Carsharing-Fahrzeuge anschaffe oder Fahrzeuge des Vereins nutze. Ergebnisse der Gespräche gebe es aber noch nicht.