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Modelle für ein kleines Theater und Skulpturen für den Park

"Als eine der Kulturmetropolen in der Region Stuttgart", bezeichnete Jürgen Fritz, Vorsitzender des Regionalverbands und Vorstandsmitglied des Forums Region Stuttgart, die Stadt Plochingen.

PETRA BAIL

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PLOCHINGEN Mit nur einem Satz zauberte er ein strahlendes Leuchten auf viele Gesichter, die zum Tag der offenen Ateliers samt Sommerfest in den Kulturpark Dettinger gekommen waren.

Die Stadtverwaltung freute sich, Vertreter des Landkreises ebenfalls und schließlich die vielen Künstler, die im Kulturpark arbeiten. In der Steingießerei fand der Empfang zur "Tour des Wissens" des Forums Region Stuttgart statt. Bis Oktober sind in Kooperation mit regionalen Einrichtungen sieben Thementouren zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen geplant.

Bürgermeister Eugen Beck punktete zu Beginn mit Ereignissen, die Geschichte geschrieben haben. So fand 1827 das erste deutsche Sängerfest in Plochingen statt. 1888 wurde der Schwäbische Albverein gegründet, und 1996 erhielt die Stadt eine Auszeichnung für vorbildliche Stadterneuerung. Auch die ehemalige Mühlsteinfabrik gehört in den Bereich Sanierung. Was da Anfang der 90er-Jahre erfolgte, "könnten wir uns heute nicht mehr leisten", bemerkte Beck.

Der Dettinger-Garten wurde zur öffentlichen Anlage, die ehemalige Fabrik zu 14 Ateliers umgebaut. Im Pferdestall befindet sich die Kunstwerkstatt der Initiative Mahlwerk, die Steingießerei ist Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. Die einstige Fabrikantenvilla wird für Lesungen und Vorführungen genutzt.

Dass aus dem Kulturpark Impulse kommen, zeigt eine Ausstellung in der Villa Dettinger. Dort präsentieren Innenarchitektur-Studenten der Hochschule für Technik in Stuttgart Pläne und Modelle für ein kleines Theater auf dem Bruckenwasen und einen Ausstellungsraum für Skulpturen im Dettinger Park.

Die Studenten erarbeiteten ein Konzept für das leer stehende "Theaterhaus" auf dem Gartenschaugelände. In dem früheren Otto-Garnlager könnte tatsächlich eine Spielstätte mit 99 Plätzen auf 200 Quadratmetern entstehen. Der Bildhauer Wolfgang Thiel, der im Kulturpark arbeitet, gab den Anstoß, die neben seinem Atelier liegende alte Schmiede zum Ausstellungsraum zu machen. Laut Professor Klaus Peter Goebel sind die Pläne realisierungsfähig. Hier griffen die Fäden des "Netzwerks Kultur", lobte er.

Wie Bürgermeister Beck ist sich auch Landrat Heinz Eininger bewusst, welch kreative Keimzelle im kulturellen Kleinod Kulturpark Dettinger schlummert. Eininger beschwor den neuen Geist, der aus alten Mauern sprießt. Vorbildlich ist auch die kommunale Partnerschaft zwischen Stadt und Landkreis. Seit 1992 hat der Kreis Ateliers von der Stadt gepachtet und vergibt diese in Form von Stipendien an junge Künstler. Der Kreis sieht sich in der Ergänzungsfunktion der vielfältigen Aktivitäten der Kommunen.

Bei einem Spaziergang durchs Haus konnten sich die Besucher von der Schaffenskraft der Künstler selbst überzeugen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Im Alten Pferdestall durften sogar Bilder mit nach Hause genommen werden. In der "Mahlwerkothek", die einmal pro Jahr ihre Pforten öffnet, können sich Besucher für 20 Euro ein Kunstwerk für ein Jahr ausleihen. Die Arbeiten stammen von Künstlern, die in der Galerie der Stadt Plochingen ausstellten und der Initiative Mahlwerk ein Werk als Dankeschön überlassen haben. Bei der Malaktion mit Pferdestallleiterin Anu Paflitschek durften die Besucher ein Bild selbst malen.

Weitere Informationen zur Mahlwerkothek und zur Tour des Wissens gibt es im Internet unter .www.initiative-mahlwerk.de beziehungsweise www.tour-des-wissens.de.

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