Lokales

Moderne Konten wachsen mit

Die Weltsparwoche und den morgigen Weltspartag nutzen Banken zur Anlage-Beratung

Längst vorbei die Zeiten, als sich in der Weltsparwoche an den Bankschaltern Schlangen bildeten, weil unzählige Münzen in Geldzählbretter sortiert und rolliert werden mussten. Auch wenn der Weltspartag an Attraktivität etwas eingebüßt hat – gespart wird nach wie vor.

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Anke Kirsammer

Kirchheim. Klimperte in Sparschweinen früher häufig Kleingeld, so ziehen Mitarbeiter von Banken in der aktuellen Sparwoche meist Scheine aus den Spardosen. „Es kommen weniger Kinder, aber sie bringen mehr Geld“, sagt Roland Liebrich, Vertriebsdirektor bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen. Kinder zum Sparen zu bringen, hält er nach wie vor für wichtig. „Wer das gelernt hat, geht später auch mit dem Thema Altersvorsorge anders um“, so Liebrichs Erfahrung.

Dass der Weltspartag für Kinder und Jugendliche eine wichtige Erziehungsfunktion hat, ist auch die Überzeugung von Michael Vogt, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. „Heranwachsende müssen angesichts des steigenden Konsumdrucks lernen, was Geld wert ist und dass man sparen und es sich einteilen muss.“ Einer repräsentativen Studie des Bundesverbands deutscher Banken zufolge gibt es bei der Sparmentalität der verschiedenen Generationen offensichtlich kaum Unterschiede, bei den Sparzielen erwartungsgemäß schon: „Während Jugendliche und junge Erwachsene in erster Linie für größere Anschaffungen sparen, steht bei der älteren Generation das Thema Vorsorge – etwa für Notfälle und das Alter – im Vordergrund“, heißt es dort. Immer beliebter bei jungen Leuten würden Konten, die sich den verschiedenen Lebensphasen und Bedürfnissen flexibel anpassten, sagt Michael Vogt. Die Nachfrage nach solchen Angeboten sei enorm gestiegen. Gleiches gelte für Anlageformen mit dem Führerschein als Sparziel. Auf „mitwachsende“ Konten setzen auch Liebrich und Bruno Foldenauer, Vorstand der Raiffeisenbank Teck. Er verweist auf ein mit Pädagogen und Psychologen entwickeltes Modell der Genossenschaftsbanken, das sich vom Spar- zum Lern- und Taschengeldkonto bis zum Jugendgirokonto entwickelt.

Berater der Raiba nutzen die Sparwoche wie andere Banken, um ihre Kunden über verschiedene Formen des Vermögensaufbaus zu informieren. „Für das Sparen und die Geldanlage gibt es kein pauschales Rezept. Jeder Mensch steckt in einer anderen Lebenssituation, hat individuelle Pläne und Ziele“, betont Foldenauer.

Sparen lag auch im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2008 im Trend: Die Bundesbürger legten 12,8 Milliarden Euro mehr auf die hohe Kante als im Vorjahr und damit insgesamt 178,5 Milliarden Euro. Mehr sparten die Bundesbürger zuletzt im Jahr 1994. Wie Michael Vogt berichtet, wirkt sich die Finanzmarktkrise auf die Auswahl der Geldanlagen aus: „Die Sicherheit des Ersparten war für viele Leute schon in den Vorjahren ein wichtiges Kriterium.“ Dieser Anteil sei aber sig­nifikant gestiegen. Laut einer bundesweiten Umfrage des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes erklärten 95 Prozent aller Verbraucher, dass ihnen die Sicherheit der Geldanlage am wichtigsten sei.

Darüber machen sich Steppkes, die ihr Sparschwein in dieser Woche bei der Bank ausleeren, weniger Gedanken. Wichtig ist ihnen, dass sie ein kleines Geschenk nach Hause tragen dürfen. Und da sorgen die Banken nach wie vor mit Kuscheltieren und Spielzeugautos oder Kinogutscheinen für leuchtende Augen.

Ins Leben gerufen wurde der Weltspartag 1924 auf dem ersten internationalen Sparkassenkongress in Mailand von Vertretern aus 29 Ländern, um den Gedanken des Sparens im Bewusstsein zu verankern. In Deutschland wird der Weltspartag jeweils am letzten Arbeitstag vor dem 31. Oktober begangen.