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Moderner Kunst auf der Spur

KIRCHHEIM Moderner Kunst auf der Spur zu sein, ist das Anliegen des Kirchheimer Kunstwegs, der mittels einer Broschüre Kunstinteressierten das nicht zu unterschätzende

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FLORIAN STEGMAIER

Potenzial an zeitgenössischer Plastik in Kirchheim vor Augen führt. Von den 15 ausgewählten Objekten befinden sich 13 an öffentlichen Plätzen zwischen Krankenhaus und Jesinger Straße, können also somit auf einem bequemen und direkten durch die historische Altstadt führenden Weg entdeckt werden.

Auf Initiative der Lokalen-Agenda-Gruppe "Attraktive Kernstadt" und in Kooperation mit der Arbeitsgruppe "Runder Tisch Kunst" aus der Taufe gehoben, liegt die bebilderte, mit reichlich Informationen versehene Kunstweg-Broschüre bei der Kirchheim-Info im Max-Eyth-Haus parat. Wenn auch die eigentliche "Premieren"-Führung mit Kunsthistorikerin Barbara Honecker erst im Frühjahr stattfinden wird, können sich bereits jetzt Interessenten zu Gruppenführungen anmelden.

Gerade die Ausdrucksformen zeitgenössischer Kunst stoßen oftmals auf Unverständnis. Daher laden die Autoren des Broschüren-Vorworts auch dazu ein, "sich auf den Weg zu machen, um Kunstwerke unterschiedlichster Formen, Farben und Materialien aufzuspüren, kennen zu lernen und über sie nachzudenken." Zu entdecken gibt es in der Tat so manches.

Im Bereich des Krankenhauses sind die Bildhauer Reinhard Scherer und Josef Nadj mit Werken vertreten. Scherers "Bewegtes Gefüge" aus dem Jahre 1989 wurde aus massivem Eisen gefertigt und ganz bewusst im Hinblick auf die umgebende Architektur platziert. Nadjs virtuos gearbeitete "Passage" aus Granit ist nur wenige Meter entfernt, an der Ecke zur Eugenstraße zu finden. Ebenfalls im Areal des Kreiskrankenhauses befinden sich Skulpturen von Rotraud Hofmann und K. H. Türk.

Giacometti-Schüler André Bucher hat nicht nur mit seinem 1985 eingeweihten und auf die hiesige Sagenwelt Bezug nehmenden Postplatz-Brunnen künstlerische Spuren in Kirchheim hinterlassen, auch der "Atlas" auf dem Krautmarkt sowie zwei auf dem Gelände der Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen befindlichen Werke zeugen von den künstlerischen Qualitäten des in Genf lebenden Bildhauers.

Der wuchtige, energiegeladen aus Trachyt gehauenen Stein des Sarden Pinuccio Sciola belebt die Grünfläche westlich der Martinskirche und besitzt eine wichtige Funktion als kulturelles Bindeglied: 1979 machte der Künstler den Stein der Stadt Kirchheim anlässlich der Wiedereröffnung des Kornhauses und der ersten Wahl zum Europäischen Parlament zum Geschenk.

Natürlich kommt ein Kirchheimer Kunstweg auch nicht am "Kunsthöf-le" der Volksbank vorbei, wo Lutz Ackermanns Ensemble "Schichtungen" zu bewundern ist. Ensemble deshalb, weil sich die "Schichtungen" bis in die Brandstraße hineinziehen, was durch eine andere Bepflasterung und in den Boden eingelassenen Ammoniten umgesetzt wurde.

In Privatbesitz befindet sich an der Jesinger Straße die Skulptur "Bell Hop" des Amerikaners David Lee Thompson, die manchem Autofahrer oder Passanten vom Vorbeieilen her bekannt sein dürfte. Gelegenheit, sich auch ausführlich mit dieser und etlichen anderen Plastiken zu beschäftigen, werden die Kunstweg-Führungen als Bereicherung des ohnehin vielfältigen Stadtführungsangebots in Zukunft zu Genüge bieten.