Lokales

Mörikes Miniaturen

Professor Bausinger widmet sich am Samstag „Kleinmalereien“ des Dichters

Bissingen. Der Möriketag 2010 in Ochsenwang beginnt am Samstag, 12. Juni, um 14 Uhr mit dem Eröffnungsvortrag von Hermann Bausinger über „Mörikes Miniaturen“ in der Ochsenwanger Kirche.

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Miniatur ist keine besondere literarische Gattung. Das Wort bezeichnet die „Kleinmalerei“. Es gibt sie auch in der Dichtung: die genaue Schilderung kleiner Ausschnitte der Wirklichkeit, das liebevolle Ausmalen konzentrierter poetischer Bilder. Für Mörikes Werk ist dies charakteristisch. Das gilt für seine Gedichte mit der genauen Fassung von Stimmungsnuancen der Natur; es gilt für die Märchen und anderen Erzählungen mit ihren detaillierten Genreszenen; und es gilt für die Briefe, in denen Mörike immer wieder von kleinen Alltagsbegebenheiten berichtet.

In der Zeit, als Eduard Mörike in Ochsenwang als Pfarrverweser im Amt war, zwischen Januar 1832 und Oktober 1833, hat er mit „Der Schäfer und das Mädchen“ eines seiner ganz wenigen mundartlichen Gedichte geschrieben, das herbe Schwäbisch des Ortes im Ohr. Auch dies eine Miniatur, die am Samstag hörbar wird durch die geborenen Ochsenwanger Susanne Noss und Ernst Schmid, gesprochen als Auftakt des Möriketages in Ochsenwang vor Prof. Bausingers Vortrag.

Hermann Bausinger wird für Mörike typische Miniaturstücke in den Mittelpunkt seines Vortrags stellen. Der heute emeritierte Professor der Universität Tübingen war Gründer und bis 1992 Leiter des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaften. Seine Forschungsschwerpunkte liegen bei der Erforschung der Alltagskultur, der Landeskunde und Volksliteratur, Kultur- und Sozialgeschichte.

Vor zwei Monaten, Anfang April, wurde an dieser Stelle hingewiesen auf die Beteiligung von Hermann Bausinger am Förderverein Schwäbischer Dialekt. Es ist also ein besonderes Bonbon, dass sein Vortrag eingeleitet wird mit der Ochsenwanger Variante des Alb-Schwäbisch – aus Mörikes Feder stammend.

In seinem Buch „Seelsorger und Leibsorger“ benennt Bausinger den Dichter Eduard Mörike als einen von denen, die zwar das Theologiestudium in Tübingen abgeschlossen, dann aber den Dienst vorzeitig quittiert haben und doch auf ihre Weise Seelsorger und auch Leibsorger geblieben sind.

Das gesamte Programm des Möriketages 2010 liegt aus in der Bücherei und im Verkehrsverein sowie an anderen Stellen der Stadt. Es kann auch gefunden werden unter www.literaturland-bw.de/mörikehaus-ochsenwang. pm