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Motivationsschub für soziales Engagement

Sie haben Gemeinsinn gezeigt, ihre Teamfähigkeit unter Beweis gestellt und sich für ihre Mitmenschen eingesetzt: Für ihr vorbildliches Engagement in sozialen Projekten erhielten sieben Schüler der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule und 19 Auszubildene der Metabowerke in Nürtingen den Förderpreis für berufsbildende Schulen des Rotary-Clubs Kirchheim-Nürtingen.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM Zum dritten Mal vergab der Rotary-Club Kirchheim-Nürtingen den Förderpreis für berufsbildende Schulen, der mit 5 000 Euro dotiert ist. Jedes Jahr werden damit Berufsschüler und Auszubildende im Kreis Esslingen ausgezeichnet, die sich durch außergewöhnliches soziales Engagement verdient gemacht haben. "Jugendliche tun nicht nur das Notwendige, um ihre Ziele zu erreichen", betonte Dr. Dietmar Stützle, Präsident des Rotary-Clubs Kirchheim-Nürtingen, bei der Preisverleihung in der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule. Die Preisträger hätten bewiesen, dass die pessimistische Einschätzung, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mangle es an Bürgersinn und Engagement für andere, nicht zutreffe. "In den Projekten haben sie sich um ihre Mitbürger bemüht", lobte Stützle die Azubis und Berufsschüler. Darüber hinaus hätten die jungen Leute auch ihre Teamfähigkeit unter Beweis gestellt.

Zwei soziale Projekte überzeugten die Jury, die sich aus Mitgliedern des Rotary-Clubs und Vertretern von Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer zusammensetzt, in diesem Jahr gleichermaßen. "Wir konnten uns nicht entscheiden, welches Projekt besser ist, darum haben wir zwei erste Preise vergeben", sagte Dietmar Stützle. Das Preisgeld teilen sich die beiden Gewinnergruppen, sie erhalten jeweils 2 500 Euro.

Eines der beiden Siegerteams ist eine siebenköpfige Gruppe von angehenden Automobilkaufleuten, die im Rahmen ihrer Ausbildung die Automobilklasse an der kaufmännischen Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim besuchen. In ihrer Freizeit engagierten sich die 17- bis 23-Jährigen für das soziale Projekt "Schüler in der Lehrerrolle: Computer als Integrationshilfe für junge Spätaussiedler".

Darko Cvijanovic, Hans-Jörg Grau, Stefan Grimm, Claudia Höger, Lisa Kindl, Nico Mercaldi und Heike Schrägle schlüpften ein halbes Jahr lang in die Rolle der Pädagogen und gaben 22 jungen Spätaussiedlern Computerunterricht. Neben den fachlichen Inhalten wie beispielsweise Textverarbeitung und Internetrecherche, dem Verfassen von Bewerbungsschreiben und Briefen zur Wohnungssuche stand auch die soziale Komponente im Vordergrund: Die Spätaussiedler hatten Gelegenheit, sich mit ihren jungen "Lehrern" auf Deutsch zu unterhalten und Einblick in ihre Lebenswelt zu bekommen, während die angehenden Automobilkaufleute in den Wochen des PC-Kurses Vorurteile gegenüber ihren "Schülern" abbauten. Sogar erste Freundschaftsbande sind nach Angaben der Berufsschüler bei den zweiwöchentlichen Zusammentreffen im Rahmen des "Sozialen Lernens" entstanden. "Durch dieses Projekt kann es nur Gewinner geben", lobte Ulrich Gottlieb, Teckboten-Verleger und Mitglied des Rotary-Clubs, das Unterfangen.

Auch 19 Auszubildende der Metabowerke in Nürtingen, von denen der Großteil die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen besucht, haben sich außerhalb ihres beruflichen und schulischen Alltags für soziale Belange engagiert und dafür den Förderpreis des Rotary-Clubs erhalten. Unter dem Titel "Lernen in fremden Arbeitswelten" absolvierten sie einwöchige Praktika in sozialen Einrichtungen wie dem Nürtinger Tagestreff, der Diakoniestation, der Bodelschwinghschule, den Werkstätten Esslingen-Kirchheim, der Behindertenförderung Linsenhofen und der Werkstatt am Neckar in Wendlingen. Das Praxis-Projekt "Lernen in fremden Arbeitswelten" beruht auf einer Kooperation von Metabo mit der gemeinnützigen GmbH "Agentur mehrwert", die vom Diakonischen Werk und dem Evangelischen Landesjugendpfarramt Württemberg ins Leben gerufen soziale Praxisprojekte vermittelt.

Die Auszubildenden halfen während ihrer Praktika dabei, alte Menschen zu versorgen, sie betreuten Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen und kamen in Kontakt mit Wohnsitzlosen und Kranken. Das Ergebnis: "Ein neues Verständnis für diejenigen, die anders sind als wir, uns aber doch ganz nahe sind", wie es Eberhard Weinbrenner vom Rotary-Club formulierte. Ausgezeichnet wurden Christian Reisacher, Elias Juninger, Felix Guillard, Eugen Schulz, Patrick Müller, Berthold Büttner, Thomas Schmid, Jan Klazar, Pinar Demir, Ralf Marquardt, Torsten Burkhardt, Sebastian Kästle, Tobias Schaible, David Gross, Phillip Griegel, Marcel Ruoff, Anja Seidel, Michael Kittelberger und Ulrich Klingeberg.

"Die neue Zauberformel der Lehre heißt Projektkompetenz", betonte Norbert Häuser, Leiter der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule. Es gelte schließlich nicht, totes Wissen zu produzieren. Vielmehr sei es unerlässlich, dass Schüler lernten, kreativ zu planen, Ideen zu strukturieren, zu diskutieren, fächerübergreifend zu denken und zu handeln. "Wettbewerbe wie der Förderpreis des Rotary-Clubs motivieren und regen zur Arbeit an", freute er sich über die Würdigung der erfolgreichen Projektarbeiten von Berufsschülern und Azubis.

"Dass Sozialkompetenz immer mehr zur Schlüsselqualifikation wird, wissen seit langem auch die Personalabteilungen großer Firmen", stellte Ulrich Gottlieb die hohe Bedeutung der Sozialprojekte heraus. Dass sich der Förderpreis des Rotary-Clubs Kirchheim-Nürtingen an berufsbildende Schulen richtet, kommt nicht von ungefähr: "Wir haben erfahren, welche Leistungen aus der beruflichen Ausbildung heraus erbracht wurden", hob Dietmar Stützle den Wert der beruflichen Ausbildung im Rahmen des dualen Systems hervor.