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Motto: "Wer kriegt was?"

"Wer kriegt was?" so lautet das Motto der bis Mittwoch, 16. November, währenden Friedensdekade. In vielen Kirchengemeinden wird während dieser Zeit abends zum Friedensgebet ins Gemeindehaus oder in die Kirche eingeladen.

"Wer kriegt was?" Ist Ihnen das Wort in der Mitte aufgefallen? "Kriegen" steht umgangssprachlich für "bekommen", "erhalten". "Wer erhält, wer bekommt was?" Früher allerdings benutzte man das Wort "kriegen" für Krieg führen. Wer Krieg führte, der kriegte.

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"Wer kriegt für was?". Wer führt Krieg für was? Wer kriegt, um etwas zu kriegen? Wer kriegt was, wenn er kriegt? Der Friedensdekade geht es darum, weg zu kommen vom Kriegen und hin zum Geben. Die Grenzen des Wachstums sind erreicht und es geht nun darum, mit dem Vorhandenen klar zu kommen. Dem Gemeinwohl und der Weltgemeinschaft verpflichtet, lernen Menschen zusammenzuleben.

Geben befreit vom Kriegen. Dass dies Wirklichkeit werde, darum wird in der Friedensdekade anhand verschiedener Bibeltexte gebetet, denn "die Welt kann nicht die Welt verändern. Was die Welt ändern soll, muss anders sein als die Welt" (Leonard Ragaz 1868 1945).

Alle Bemühungen um Bewahrung der Schöpfung, Erhaltung des Friedens und eine verbesserliche Gerechtigkeit lösen die weltweiten Probleme von Hunger, Arbeitslosigkeit, Krieg und Zerstörung der Schöpfung immer noch nicht. "Einem König hilft nicht seine große Macht, ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft" (Psalm 33,16). Weil aber Frieden, Gerechtigkeit, soziale, innere und äußere Sicherheit hohe Werte sind, weil Menschen Raum brauchen zur Freude und zum Dank, deshalb beten Christen.

Sie wenden sich an Gott, von dem sie die Veränderung der Welt erhoffen und erbitten. Angesichts der Verheißungen Gottes für eine neue Welt können und wollen sie sich nicht mit dem derzeitigen Zustand der Welt abfinden. Gewiss, das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist auch durch keine Tat zu ersetzen.

Darum sind alle Menschen herzlich eingeladen, sich einzubringen und zu engagieren in der Friedensdekade und natürlich auch darüber hinaus. Denn "wo das Wort ist, da ist das Paradies und alles" (Martin Luther).

Ulrich Müller

Pfarrer in den Evangelischen

Kirchengemeinden Ochsenwang

und Bissingen