Lokales

"MSSGV gestern heute morgen"

Den Festvortrag in der Kirchheimer Stadthalle zum 125-jährigen Bestehen hielt in Vertretung von Günther Buck der Kulturwart Gustav Krause. Der Vortrag stand unter dem Motto "MSSGV gestern heute morgen".

KIRCHHEIM Am 26. April 1881, auf den Tag genau vor 125 Jahren, wurde in Freiwaldau im Altvatergebirge der Mährisch-Schlesische Sudetengebirgsverein gegründet. Der Verein zählt damit zu den ältesten deutschen Wandervereinen und seine Entstehungsgeschichte ist eng verknüpft mit der Zunahme des Tourismus. Als weiteres förderndes Element kam die rapide Entwicklung des Kur- und Bäderwesens am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts dazu. Auch entdeckte man wieder die Freuden des Aufenthalts in der Natur und an der frischen Luft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden deshalb die ersten Wandervereine gegründet. In dieser Entwicklung des Tourismus und des Kur- und Bäderwesens liegen auch die Wurzeln des MSSGV, denn sowohl die Touristen als auch die Kur- und Badegäste benötigten eine Infrastruktur angelegte und bezeichnete Spazier- und Wanderwege, Ruhebänke, gefasste Quellen, Schutzhäuser und -hütten, Aussichtstürme.

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Freiwaldau, wo die Vereinsgründung vor 125 Jahren stattfand, liegt in einem Gebiet, welches eigentlich immer Grenzland war. Das Altvatergebirge, ein 35 Kilometer langer Gebirgszug mit einer Fläche von rund 6000 Quadratkilometern, liegt im Osten der Sudeten, jenem 350 Kilometer langen und bis zu 60 Kilometer breiten europäischen Mittelgebirge, welches in der Lausitz beginnt und östlich bis zu den Beskiden reicht.

Unbekannt war dieser Landstrich vor 125 Jahren keineswegs. Denn schon 1826 hatte der Naturarzt Vincenz Prießnitz am Gräfenberg bei Freiwaldau die erste Kaltwasserheilanstalt der Welt eröffnet, also lange vor Sebastian Kneipp, und so die Region weit über die Grenzen des Landes bekannt gemacht. In Ausübung seines Berufes kam der Notar Dr. Edmund Rudolph in die Region und war fasziniert von der landschaftlichen Schönheit. Dr. Rudolph fand in Johann Ripper, einem Schwiegersohn von Vincenz Prießnitz, einen eifrigen Verfechter seiner Idee, und so wurde 1881 mit der Aufstellung einer Satzung begonnen. Weitere Gründungsmitglieder wurden gesucht und schon am 26. April des Jahres fanden sich elf Mitglieder zur Vereinsgründung im Hotel Krone in Freiwaldau zusammen. Der Name war bald gefunden, denn am Hauptkammweg des Gebirges, der vom Fichtlich über die Hochschar zum Roten-Berg-Pass und weiter zum 1492 Meter hohen Altvater und zur Hohen Heide führt, verläuft die Grenze zwischen Mähren und Schlesien daher "Mährisch-Schlesischer Sudetengebirgsverein".

1945 ging dem Verein sein Fundament das Altvatergebirge verloren, die Menschen wurden aus der Heimat, in der der Verein über 60 Jahre gewirkt hatte, in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Nach Jahren des neuen persönlichen Existenzaufbaus wagte Dr. Franz Peschel einen Neuanfang, indem er den Verein wieder entstehen ließ, zunächst durch eine Wiederbelebung der Zeitschrift "Altvater", die bald das Verbindungsglied für die ehemaligen Mitglieder wurde. 1954 wurde in Kirchheim, Patenstadt der vertriebenen Freiwaldauer, die Vereinstätigkeit wieder aufgenommen.

Vor 50 Jahren, als das 75-jährige Bestehen des Vereins in Kirchheim begangen wurde, übernahm der Schwäbische Albverein die Patenschaft über den MSSGV. Damals wagten mit Unterstützung des Albvereins und vor allem der persönlichen Unterstützung des damaligen Präsidenten des SAV, Bankdirektor Georg Fahrbach, die Verantwortlichen auch den Bau einer eigenen "Baude". Es entstand 1957 die Altvaterbaude auf der Schwäbischen Alb noch ohne großen Komfort, dem Zeitgeist angepasst, aber eben ein eigenes Haus.

Der MSSGV hat heute Zweigvereine und Gruppen in München, im Allgäu, an der Teck, in Hessen, in Nordrhein-Westfalen und in Hamburg. Mitglieder hat der MSSGV in 15 Ländern. Den Verein tragen vor allem die zahlreichen Mitarbeiter in allen Zweigvereinen, die von der Spitze herab in ehrenamtlicher und selbstloser Arbeit das umfangreiche Programm erst möglich machen.

stä