Lokales

Mütter und Väter hängen in der Luft

Seit dem 1. Januar ist die Verwaltungsreform in Kraft. Zahlreiche Ämter wurden in die Kreisverwaltungen integriert. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail: Beschäftigte der ehemaligen Staatlichen Vermessungsämter, die derzeit meist aus familiären Gründen beurlaubt sind, haben keine Garantie, dass sie bei ihrer Rückkehr von den Landkreisen übernommen werden.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN "Ich habe im Oktober letzten Jahres eine Willenserklärung unterschrieben, dass ich unter dem Dach des Landkreises Esslingen arbeite, wenn ich wieder einsteige", sagt eine betroffene Vermessungstechnikerin aus dem Verbreitungsgebiet des Teckboten. Als sie im Dezember eher zufällig mitbekam, dass der Arbeitsplatz im Landkreis nicht gesichert ist, schrillten bei ihr und den betroffenen Kollegen die Alarmglocken. Bis heute hat sie nichts Schriftliches in der Hand und weiß nicht, wo sie eine Arbeitsstelle bekommen wird, wenn sie nach der Familienpause wieder in den Beruf zurück will. Wie der Mutter geht es im Landkreis Esslingen insgesamt acht Beamten. Sie haben früher in den Dienststellen in Nürtingen oder Plochingen gearbeitet und kommen unter anderem aus Bissingen, Holzmaden und Ochsenwang. Landesweit sind laut Innenministerium 20 solcher Fälle bekannt.

Als Landesbeamte haben die Betroffenen die Möglichkeit, sich außerhalb der dreijährigen Elternzeit für insgesamt zwölf Jahre beurlauben zu lassen. Wer das Angebot annimmt, tut dies meist, weil er sich um seine Kinder kümmern möchte. "Es kann nicht sein, dass das Problem auf dem Rücken von Familien ausgetragen wird", moniert die Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer. Die SPD fordert die Landesregierung deshalb auf, den Finanzstreit mit den Landkreisen über die Kosten der Übernahme von Beschäftigten unverzüglich zu beenden. Betroffen sind Beamte auch in den Landkreisen Reutlingen, Schwäbisch Hall und Lörrach. Der Landrat des Alb-Donau-Kreises hat sich inzwischen bereiterklärt, eine bereits im Januar aus dem Familienurlaub zurückgekehrte Frau doch zu übernehmen.

In einer Stellungnahme des Innenministeriums auf einen Antrag der SPD-Fraktion des Landtags wird der "Schwarze Peter" den Kreisen zugeschoben: Deren Einwand, die fraglichen Personalkosten nicht ausreichend abgegolten zu bekommen, weist die Landesregierung zurück und hält es auch weiterhin nicht für erforderlich, einen finanziellen Ausgleich zu leisten.

Das Dilemma umreißt Kurt Fauser, Personaldezernent im Landkreis Esslingen: "Für Beurlaubte bekommen wir vom Land keinen Kostenersatz." Zudem würden Vertretungen für beurlaubte Bedienstete im Normalfall befristet angestellt. Im Fall des Vermessungsamtes habe das Land für die Vertretungen unbefristete Verträge aufgesetzt. "Erwartet wurde wohl, dass sich das über die normale Fluktuation regelt", erklärte Fauser. Im Augenblick gebe es im Landkreis Esslingen keine Rückkehrer. Im kommenden Jahr liefen allerdings Beurlaubungen aus. Gebe es im Amt für Geoinformation und Vermessung keine freie Stelle, werde sich der Kreis bemühen, einen Job in einem anderen Amt aufzutun. "Wenn wir wider Erwarten keine Beschäftigung finden, wäre das Land in der Pflicht." Doch genau davor fürchten sich die derzeit Beurlaubten. Eine Betroffene: "Das Landesvermessungsamt sitzt in Stuttgart. Ein Umzug nach Karlsruhe ist im Gespräch. Das ist für mich mit Kind nicht machbar", sagt eine Betroffene.