Lokales

Multitalent mit Tiefgang

Hauptamtsleiter Holger Nußbaumer verlässt Weilheimer Rathaus

Nach 35 Jahren übergibt Holger Nußbaumer das Hauptamt der Stadt Weilheim in jüngere Hände. Als „Mädchen für alles“ hatte er genügend Spielraum, um seine zahlreichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

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Anke Kirsammer

Weilheim. „Mehr als 100 Mal war Holger Nußbaumer als Hauptamtsleiter und damit als Personalamtsleiter in Personalunion maßgeblich daran beteiligt, Mitarbeiter der Stadt in den Ruhestand zu geleiten. – Heute ist er selber dran“, sagte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Das Trio, das über drei Jahrzehnte die Geschicke der Stadt geleitet hatte, ist damit innerhalb weniger Monate in den Ruhestand getreten: Bürgermeister Hermann Bauer machte im Frühjahr den Anfang, gefolgt von Stadtkämmerer Reiner Philipp im September, und nun verlässt Holger Nußbaumer als Dritter im Bunde die Weilheimer „Regierungsbank“.

Am 17. Oktober 1944 in Ravensburg geboren, wuchs Holger Nußbaumer in Schelklingen auf. Stationen seiner Verwaltungslaufbahn, die er mit knapp 17 Jahren begann, waren Landratsämter beziehungsweise Rathäuser in Ehingen, Schelklingen, Tuttlingen, Herrlingen und Leinfelden. Am 1. Mai 1974 trat der Verwaltungsfachmann schließlich die Stelle als Hauptamtsleiter in Weilheim an. Seine Aufgabe sei es gewesen, die inneren Angelegenheiten zu regeln – „sprich dafür zu sorgen, dass der Laden läuft“, so Johannes Züfle. Zu Nußbaumers Aufgaben als Personalchef von 160 Beschäftigten gehörte auch, ab und zu Tacheles zu reden – „doch dies immer fair und auf Augenhöhe, das Wohl des Mitarbeiters im Auge, genauso aber das des Arbeitgebers“, sagte Züfle. Als „Mädchen für alles“ hinterlasse Nußbaumer auch nach außen sichtbare Spuren, unter anderem bei der Einrichtung des serviceorientierten Bürgerbüros, als Standesbeamter und als „Geschäftsstelle“ für den gemeinsamen Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft. Nicht zuletzt habe er als „Chef vom Dienst“ rund 1 700 Weilheimer Mitteilungsblätter herausgegeben. Als „Multitalent mit Tiefgang“ habe er sein Interesse für Musik, bildende Kunst und Literatur bei der Organisation beispielsweise von Konzerten und Ausstellungen eingebracht. Motor sei Nußbaumer außerdem gewesen bei der Verbindung zu den übrigen Zähringerstädten, bei der Stadtsanierung und der umfassenden Stadtgeschichte. Züfle bedankte sich bei Nußbaumer für die „offene Tür“ seines Büros. „Es waren kurze Wege zwischen uns.“ Zum Zeichen des Dankes überreichte er dem künftigen Ruheständler die große goldene Gedenkmünze der Stadt. Die Auszeichnung wurde in den vergangenen zehn Jahren nur zweimal vergeben.

Als letzten Kopf aus „Hermann Bauers Tafelrunde“ bezeichnete Karl Mohring den scheidenden Hauptamtsleiter. „Seine Meinung war wichtig. Sein Wort galt ohne Wenn und Aber“, betonte der Stadtrat.

Altbürgermeister Bauer war es ebenfalls ein Anliegen, eine Laudation auf den „langjährigen, sehr engen Weggefährten“ zu halten. Mit dem Rahmenplan Stadtmitte habe Nußbaumer bis heute entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. „Seine Aufgabe war ihm auf den Leib geschneidert“, so der ehemalige Schultes.

„Was ich geleistet habe, entspricht meinem Verständnis von Arbeit“, unterstrich Holger Nußbaumer. Für die Stadt Weilheim sei es Anfang der 1970er-Jahre sicher eine gute Fügung gewesen, dass damals ein junger Bürgermeister und drei Amtsleiter zu einem „schlagkräftigen“ Team zusammengekommen seien. Manches Mal sei intern um den besten Weg gerungen worden. Doch egal, zu welcher Lösung die Truppe gekommen sei: – „Das Ergebnis haben wir nach außen und im Gemeinderat immer gemeinsam getragen“, erklärte Nußbaumer. Seine Devise habe immer gelautet: „Die Bürger mitnehmen und begeistern für die Stadt Weilheim.“