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Musik gibt den Schülern ein Profil

Mit Musik geht alles besser, auch das schulische Lernen. Diese Feststellung bezieht sich allerdings nicht auf elektronische Berieselung, sondern auf das eigene, aktive Musizieren. Gerade darauf legt Dr. Andreas Jetter, Schulleiter des Ludwig-Uhland-Gymnasiums, besonderen Wert, wenn an seiner Schule im Herbst das Musikprofil eingeführt wird.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Jahrelang habe sich das Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) um das Musikprofil bemüht, erzählt Oberstudiendirektor Jetter. Vor knapp einem Jahr sei der positive Bescheid eingetroffen. Mit Beginn des kommenden Schuljahrs 2007/2008 wird das Musikprofil dann eingeführt. Die Zahl der Gymnasien mit Musikprofil in Baden-Württemberg ist begrenzt. "Wenn man nicht mehr genügend Schüler hat, die daran teilnehmen, kann man das Musikprofil auch wieder verlieren", weiß Andreas Jetter zu berichten. Sehr kleine Gymnasien kämen dadurch mitunter in Schwierigkeiten. Am LUG in Kirchheim dagegen lassen die Schülerzahlen nicht befürchten, dass das Interesse am Musikprofil zu gering werden könnte.

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Das Profil, das jetzt neu eingeführt wird, gilt ab der 8. Klasse. Musik ist dabei gleichzusetzen mit der dritten Fremdsprache oder dem Fach NWT, das für andere Achtklässler als zusätzliches Unterrichtsfach hinzukommen kann. Wer sich dagegen für das Musikprofil entscheidet, bekommt Musik als vierstündiges Hauptfach. Um Befürchtungen entgegenzutreten, dass "Musiker" bei der dritten Fremdsprache ins Hintertreffen geraten könnten, verweist Andreas Jetter gleich darauf, dass es am LUG beispielsweise auch möglich ist, im Rahmen des AG-Unterrichts Italienisch zu lernen.

Nicht zu verwechseln ist das Musikprofil mit der "Streicherklasse", die das Ludwig-Uhland-Gymnasium im laufenden Schuljahr erstmals anbietet. Allerdings soll die Streicherklasse beibehalten und durch eine zusätzliche Klasse ergänzt werden, in der Streicher mit Vorbildung und andere Instrumentalisten ihren Platz haben. Auch Stimmbildung ist ein fester Bestandteil der zweiten Musikzug-Klasse am LUG. Bei diesem Musikzug, der für die Klassen 5 bis 7 gilt, spricht Schulleiter Jetter auch von einem "Musikprofil I".

Der Übergang zum "Musikprofil II" ab Klasse 8 ist fließend. Schülerinnen und Schüler können am Schnittpunkt beliebig hin- und herwechseln. Die Teilnahme am Musikzug bis Klasse 7 ist also weder Voraussetzung noch Verpflichtung zur Wahl des Musikprofils II. Zusätzliche Wahlmöglichkeiten bieten sich den Gymnasiasten am LUG vor allem in der Kursstufe, also in den künftigen Klassen 11 und 12. Wer dann seit der achten Klasse seine schulische Laufbahn mit dem Musikprofil verbunden hat, kann Musik als jeweils vierstündiges Profil- oder Neigungsfach wählen. Bis jetzt kann das Ludwig-Uhland-Gymnasium das Fach Musik nur als Neigungsfach anbieten. "Das Musikprofil erweitert die Wahlmöglichkeiten der restlichen Fächer beträchtlich", macht Andreas Jetter bereits jetzt im Vorfeld Werbung in eigener Sache.

Außerdem soll das LUG durch das Musikprofil zu einem "musikdidaktischen Zentrum" werden, das Fortbildungen und Vortragsveranstaltungen für Fachkollegen aus der Umgebung organisiert. Die Zusammenarbeit mit den Musikhochschulen wird ebenfalls intensiviert. Regional bedingt dürfte das LUG vor allem mit der Musikhochschule Stuttgart kooperieren. Begabte Musiker können dann bereits während ihrer Schulzeit verstärkt an Vorstudiengängen der Musikhochschule teilnehmen. Das dient unter anderem der Förderung des musikalischen Nachwuchses in Deutschland, der schon seit Längerem qualitativ und quantitativ nicht mehr Schritt halten könne mit der weltweiten Konkurrenz.

Vor allem aber legt Dr. Andreas Jetter Wert auf die lernpsychologischen Vorteile der musikalischen Ausbildung. Die Feinmotorik profitiere davon besonders gerade auch bei den Streichern, die einerseits ihre linke Hand speziell trainieren und andererseits lernen, mit beiden Händen völlig unterschiedliche Bewegungen zu koordinieren. Hinzu komme die kognitive Gehirnbeanspruchung, also die korrekte Umsetzung von Noten, Rhythmus und Spielanweisungen, sowie der "affektive Bereich".

Auch völlig unabhängig von der Musik lasse sich der größte Lernerfolg dann erzielen, wenn Emotionen mit im Spiel sind natürlich möglichst positive. Bei der Musik sollte es im Idealfall nur positive Emotionen geben, und das auch noch reichlich. Sozialpsychologische Kriterien runden die Vorteile der musikalischen Erziehung im Klassenverband ab. "Teamgeist, die Fähigkeit, auf andere zuzugehen, sich selbst zurückzunehmen und dann auch wieder bei Solostellen hervorzutreten": Das alles nennt Andreas Jetter an sozialen Lernerfolgen, die sich bereits jetzt bei der Streicherklasse erkennen lassen, von der Konzentrationsfähigkeit ganz zu schweigen. Musik gibt den Schülern also durchaus ein Profil.