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"Musik ist mein Leben"

KIRCHHEIM "Ich hab' Musik gemacht, das ist mein Leben", sagt Lydia Weller kurz und bündig über die 90 Jahre, auf die sie vom morgigen

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ANDREAS VOLZ

Freitag an zurückblicken kann. Geboren wurde sie am 9. September 1915 in Fichtenberg bei Schwäbisch Hall. Den größten Teil ihres Lebens hat Lydia Weller, geborene Mailänder, aber in Nürtingen verbracht. "Die Weller kennt mr scho in Nürtingen", stellt sie fest und fügt in aller Bescheidenheit hinzu: "I han au gut g'songa, a gute Stimme g'habt, des muss i scho saga." Gesungen hat Lydia Weller zum einen in der Kirche ("viel Bach"), zum anderen bei Liederabenden ("viel Schubert").

Außerdem ist Lydia Weller vielen Nürtingern bekannt durch den Musikunterricht, den sie privat gegeben hat: "Schüler hab' ich gehabt, und sonst hab' ich gesungen." Beides war unter anderem notwendig, um Geld zu verdienen. Schließlich musste Lydia Weller für sich und die beiden Töchter sorgen, nachdem ihr Mann Martin 1942 im Krieg gefallen war. Nur fünf gemeinsame Jahre waren dem Ehepaar vergönnt gewesen. "Die Musik hat mir geholfen", blickt Lydia Weller zurück, "mein Mann war auch Musiker, er hat Orgel gespielt."

Mittlerweile lebt Lydia Weller mehr von musikalischen Erinnerungen als vom aktiven Musizieren: "Beim Singen ist man nicht mehr so gut, wenn man alt ist, die Stimme ist nicht mehr so schön." Trotzdem singt sie immer noch gern aber nur für den Hausgebrauch und wenn ihre Tochter Adelheid sie am Klavier begleitet. Auch dann zollt sie dem Alter selbstkritisch Tribut: "Es ist nicht mehr wie früher."

Ihren 90. Geburtstag feiert die Jubilarin, die seit zwei Jahren im Kirchheimer Haus Agape lebt, im Kreise ihrer Familie, zu der auch Enkel und Urenkel gehören. Bescheiden wie sie ist, wird sie sich dann sicher ein paar Mal bitten lassen, bevor sie ihr eigenes Ständchen singt.