Lokales

Musik liegt in der Luft

Investitur von Gerhard Idler in Sankt Mariae in Oberlenningen

Die pfarrerlose Zeit in Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler ist vorbei. Morgen wird Gerhard Idler in der Kirche Sankt Mariae in Oberlenningen in sein neues Amt eingeführt.

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Iris Häfner

Lenningen. „Ich bin mit offenen Armen aufgenommen worden und fühle mich schon richtig wohl hier“, sagt Gerhard Idler. Seine Wahl, sich für die Stelle in Oberlenningen zu bewerben, hat er nicht bereut. Er genießt hier die Stille, die er zehn Jahre lang an seiner vorherigen Stellen in Stuttgart entbehren musste. Betreut hat er dort die Gemeinden in Hedelfingen, Rohracker und Wangen. Direkt gegenüber des Pfarrhauses befindet sich eine amerikanische Schnellimbisskette, die auch nachts geöffnet hat und deren Service der Pfarrer hin und wieder schon zu schätzen gewusst hat. „Meistens koche ich aber selbst. Am liebsten schwäbisch-italienisch“, verrät er. Die italienische Küche hat Gerhard Idler während seiner Studienzeit in Rom schätzen gelernt. Ein weiteres Erbe aus dieser Zeit: er spricht italienisch. „Deshalb kann ich die Sakramente, etwa bei Taufen oder Hochzeiten, auch auf italienisch spenden“, erzählt er.

Die Schwäbische Alb ist dem in Strümpfelbach im Remstal in einer „Wengerterfamilie“ aufgewachsenen Pfarrer vertraut. „Wenn ich Gästen das Schwabenland zeige, fahre ich immer auf den Hohenneuffen“, sagt Gerhard Idler. Ihn freut es besonders, dass das direkt daneben gelegene Erkenbrechtsweiler nun zu seiner Pfarrei gehört.

Gerhard Idler hätte noch in Stuttgart bleiben können, doch vor seiner Pensionierung wollte er noch etwas Neues beginnen. „Mit meinen 57 Jahren bin ich in einem Alter, in dem ich mich noch gut auf neue Menschen und Situationen einstellen kann“, sagt er. Das eigentliche Pensionierungsalter liegt bei der katholischen Kirche bei 70 Jahren, so die Gesundheit der Priester dies zulässt. Da Gerhard Idler in Stuttgart drei Kindergärten zu betreuen hatte, war er stark in die Verwaltungstätigkeit eingebunden. In Lenningen will er nun wieder verstärkt seelsorgerlich tätig sein. Hier will er die nächsten zehn Jahre bleiben beziehungsweise bis zu seiner Pensionierung.

Dass Gerhard Idler einmal katholischer Pfarrer wird, hätte niemand vermutet. Er war zunächst in der evangelischen Landeskirche. „Den evangelischen Glauben gibt man nicht an der Garderobe ab. Strümpfelbach hat schon geprägt“, sagt er. Nach seiner Schulzeit lernte er Anfang der Siebzigerjahre am Sprachenkolleg der Württembergischen Landeskirche zunächst Griechisch und Hebräisch, dann studierte er Evangelische Theologie in Tübingen. In dieser Zeit konvertierte er zur katholischen Kirche. „Mir war die evangelische Kirche zu rational und sachlich“, begründet er diesen Schritt. Für ihn ist in der katholischen Kirche etwas dazu gekommen. „Auch wenn der Ritus in der westlichen Kirche im Vergleich zur orthodoxen Kirche rational und dürftig ist, ist es doch mehr als in der evangelischen Kirche“, sagt er weiter. Zudem sei die katholische Kirche ein großes, weites Haus, in dem er sich wohlfühlt. „Es ist eine Weltkirche“, unterstreicht er.

Schwerpunkte will er noch keine setzen, sondern alles offen auf sich zukommen lassen. „Ich will mich nach den Bedürfnissen der Gemeinde richten“, sagt er. Manche Probleme in Lenningen sind ihm schon bekannt, etwa die Sorgen bezüglich der Papierfabrik. „In der schwierigen pfarrerlosen Zeit wurde hier in der Gemeinde gute Arbeit geleistet“, lobt er. Insbesondere Hans-Jürgen Jung und Maria Lehnart hätten die Gemeinde zusammengehalten.

An eines wird sich die Gemeinde bei ihm gewöhnen müssen: Gerhard Idler ist ein musikalischer Mensch. Es kann durchaus sein, dass er das Morgengebet in der Kirche nicht spricht, sondern singt. Außerdem hat er ein Faible für alte Musik. Das große Pfarrhaus freut ihn gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen will er ein offenes, gastfreundliches Haus führen und zum anderen fand sich für sein Cembalo ein eigenes „Musikzimmer“ mit hervorragender Akustik. Neben vielen Büchern sind deshalb auch jede Menge Noten mit nach Lenningen gekommen. „Ich singe viel mit meiner Gemeinde und arbeite gerne musikalisch“, sagt er. Zudem ist er ein großer Liebhaber der Gregorianik. Dieser alte Gesang übt eine große Faszination auf den Pfarrer aus.

Am morgigen Sonntag wird Dekan Paul Magino die Investitur von Pfarrer Gerhard Idler vornehmen. Um 10.30 Uhr beginnt der Festgottesdienst in der Kirche Sankt Mariae Himmelfahrt in Oberlenningen. Daran anschließend findet ein Stehempfang im Gemeindesaal statt.