Lokales

Musik, Tanz und Gespräche

Großer Andrang beim internationalen Frauenfest in der Familien-Bildungsstätte

Viel geboten war beim internationalen Frauenfest in der Familien-Bildungsstätte in Kirchheim. Zwischen Begrüßungs-Cocktails, Tanz und Häppchen berichteten Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, wie der Frauentag in ihren Heimatländern gefeiert wird.

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Brigitte gerstenberger

Kirchheim. Unterschiedliche Nationalitäten friedlich vereint bei Musik, Tanz und Gesang: Dichtes Gedränge herrschte im zweiten Obergeschoss der Familienbildungsstätte in Kirchheim. Es war ein munteres Treiben zwischen Begrüßungs-Cocktails, Musik und köstlich aufgetischten Gaumenfreuden „aus aller Frauen Länder“. Auch ein paar Männer hatten sich unter das bunt gemischte Frauenvolk gewagt – und es ist ihnen offenkundig bestens bekommen.

Zum traditionellen Frauenfest hatten amnesty international, der Arbeitskreis Asyl, die Familien-Bildungsstätte, der Verein „Frauen helfen Frauen“, das Türkische Volkshaus, der deutsch-russische Verein Mosaika und der Eine-Welt-Verein geladen. Temperamentvoll eröffnet wurde die Veranstaltung mit russischem Liedgut vom gemischten Chor „Melodija“ unter der Leitung von Tatjana Bekker und bestens begleitet von Nina Schechtel (Bajan). Vor drei Jahren wurde „Melodija gemeinsam von Spätaussiedlern und Kirchheimerinnen ins Leben gerufen. Gemeinsames Singen als Brückenfunktion für ein verständnisvolleres Miteinander – eine tolle Idee, die von den Zuhörern begeistert aufgenommen wurde. Ebenso wie die Beiträge von Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die darüber berichteten, wie in ihren Heimatländern der Frauentag gefeiert wird.

Traditionsgemäß ist dieser Tag gesetzlich fest verankert in Russland. „Seit 1913 wird er in Russland gefeiert, er ist eine Kombination aus Valentinstag und Muttertag. Man geht gemeinsam Essen, die Frauen bekommen Blumen und durch Liebeserklärungen werden sie schon mal auf den Frühling eingestimmt. Richtig verwöhnt werden die Frauen an diesem Tag. Zwar müssen sie nicht mehr um ihre Rechte kämpfen, aber ein feministischer Tag ist es nicht“, sagte Olga Steinbrenner schmunzelnd. Ganz anders verläuft der Frauentag in Kenia. „Wir Frauen genießen kein hohes Ansehen in der Gesellschaft“, erzählte Waceke Romig, die seit siebzehn Jahren in Deutschland lebt. „Es ist ein ganz normaler Arbeitstag, an dem die Frauen Bedürftigen helfen. Treffen werden organisiert, jeder bringt was mit, egal was er hat. Mais und Bohnen werden gekocht, etwas Geld wird gesammelt. Geld und Essen werden dann an Waisenkinder oder ältere Menschen verteilt. Die Frauen in Kenia brauchen viel Kraft, um ihr eigenes Leben zu meistern.“

Ob Frauen aus Sri Lanka, Italien oder der Türkei: Der internationale Frauentag wird unterschiedlich gefeiert. Gegen Ausbeutung und Unterdrückung setzte sich vor hundert Jahren die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857 – 1933) ein. „Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass wir heute den Internationalen Frauentag feiern können“, betonte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker, die sich über die gut besuchte Veranstaltung besonders freute. In ihrer Rede verwies sie unter anderem darauf, dass weltweit immer noch 60 Millionen Mädchen nicht eingeschult werden und 550 Millionen Frauen Analphabetinnen sind.

Zum Ausklang des Festes war gemeinsames Tanzen angesagt. Bestens dazu geeignet ist der Halay, ein typischer Volkstanz, der von unterschiedlichen Ethnien des Balkans getanzt wird. Lebhaft animiert durch die Jugendgruppe des türkischen Volkshauses wurde der kleine Finger beim Nachbarn eingehakt und trotz drangvoller Enge kamen Arme und Hände doch noch schwungvoll in Bewegung.