Lokales

Musikalische Sternstunden voller Kreativität

Seit ihrer Einweihung im Jahr 1994 hat die Reußensteinhalle mannigfache Sternstunden erleben können, und ohne solche wäre das Vereinsleben ärmer. Für die traditionelle Winterunterhaltung des Musikvereins bedeutet dies ein alljährliches Aufeinanderzugehen von Musikern und heimischen wie auswärtigen Gästen und Musikfreunden, das auch heuer wieder seinen besonderen Reiz ausgestrahlt hat.

NEIDLINGEN Eine gute Musikformation ist stets der Trumpf des Veranstalters. Wen verwundert's da, wenn der Funke auf die Anwesenden überspringt und begeisterter Applaus aus Überzeugung kommt? Mit einem Programm, das eine perfekte Symbiose zwischen überlieferter Tradition, aber auch gelebter Moderne bietet, gelingt es den Musikern immer wieder aufs Neue, Garant für eine vollbesetzte Halle zu sein, worüber sich Vereinsvorsitzende Claudia Bayer bei ihrer Begrüßung erfreut zeigte.

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Unter der Leitung von Thomas Kuch spielte eingangs die Jugendkapelle auf und beim "Yorkscher Marsch" von Ludwig van Beethoven, bei "Songs of Africa" von Johnnie Vinson und "Born to be wild" von Mars Bonfire zeigte sich das hohe Niveau in puncto Können, kombiniert mit aktuellem Lebensgefühl etwa beim Aufsetzen afrikanischer Masken während der Darbietung oder dem typischen Sound mit einer Motorradeinfahrt in die Halle. Ohne Zugabe durften die Jungmusiker die Bühne nicht verlassen. Bei Carolin und Thomas Kuch ist die Verantwortlichkeit, die Präzision und Geduld ihrer überzeugenden Arbeit für und mit den Jungmusikern spürbar. Offensichtlich wenden sie das richtige Rezept an, das innovative Lehrmethoden mit Herzlichkeit und Freude die Mädchen und Buben am Musizieren verbindet und für das die Vorsitzende herzlich dankte.

Eintauchen in Rhythmus, Spannung und Stimmung hieß es für die Gäste beim sich anschließenden Konzert der Stammkapelle unter der Leitung von Frank Zuber. Und was sich hier an begeistert vorgetragenen Musikstücken und Showeinlagen bot, begeisterte ganz einfach und zeugte vom eindrucksvollen Können der Musiker. Ein gelungener Stilmix aus Alt und Neu durchzog das Programm. Eine Orientierungs- und Informierungsmöglichkeit für das Publikum bietet als Moderatorin Nicole Wagner, indem sie bei den einzelnen Musikstücken den Entwicklungsweg, die künstlerische Eigenart des betreffenden Komponisten und seine wesentlichsten Stilmerkmale treffend erklärt.

"Silberkondor" von Hans Felix Husadel begeisterte zum Auftakt und eine leise Ahnung von dem, was kommen wird, stellte sich beim Stück "Feuerberge Montanas del Fuego" von Markus Götz dar: ein in die Halle gezogener feuerspeiender Vulkanberg, das Lichtspiel hell/dunkel auf der Bühne, eigenwillige und doch faszinierende Töne. Dies alles unterstrich fast wehmütig wie Erde verbrennt. Eine völlig andere Stimmung klang mit der "Schönbrunner Polka" von Alfred Bösendorfer an, mit der dieser im Stil von Johann Strauß einen Hauch Alt-Wiener-Flair in die Reußensteinhalle brachte. Höhepunkte und Ohrenschmaus zugleich waren einmal die Konzertpolka "Gottfried auf Reisen" von Heinz Lener mit Solopartien für Tenorhorn, bei dem Jungmusiker Tobias Kiedaisch sein bewundernswertes Können mit diesem Instrument bravourös präsentierte. Dazu gehörte aber auch Manfred Schneiders "TV-Kultabend". Bekannte Titelmelodien aus vertrauten Fernsehserien begeisterten ebenso wie dazu auf einer Videowand gezeigten Erinnerungsbilder.

Ein wahrer Augenschmaus war angesagt beim nächsten Titel "Auf einem persischen Markt" von Albert W. Ketelbey. Hierzu wurden Elefant und Kamel in die Halle geführt, begleitet von anmutiger Prinzessin und Dienerinnen, die sich über Markttreiber und Schlangenbeschwörer freuen, "Bettler" beschenken und gar noch der Kalif eintrifft. Welch ein amüsantes Treiben. 1976 komponierte John Miles "Music", war mit diesem Klassiker 23 Wochen lang in den Top Ten in Deutschland und setzte damit einen würdigen und tosenden Schlusspunkt hinter ein facettenreiches Musikprogramm.

Natürlich forderte überwältigender Beifall eine Zugabe und diese lockte unverzüglich eine zweite. Bei der Polka mit Gesang "Liebe zur Musik" und danach "Freu dich, die Welt ist dein" überraschten die Musiker Fritz Hitzer und Hans-Dieter Schumann mit ihrem warmen Sound das Publikum. Claudia Bayers Dank an Dirigent Frank Zuber für seinen Ideenreichtum, seine motivierende Begeisterung zum Musizieren wurde unter anhaltendem Beifall bestätigt, wie umgekehrt die Geste des Dankes seitens einem "Meister des Stils" an "seine" Musiker. Hans Schröder ehrte als Vizepräsident des Kreisverbands der Blasmusik Kai-Uwe Eisenhut für zehnjährige aktive Tätigkeit mit der bronzenen Ehrennadel.

Unter der Regie von Gerd Hepperle startete die Theatergruppe des Vereins in die zweite Abendhälfte. Die Lachmuskeln strapazierte die "Tagesschau" mit Nachrichtensprecher Roland Ruoß, der Neues und Originelles aus Neidlingen übermittelte, wie "De nui Hos" mit Lina und Karl Birgit Schare und Gerd Hepperle wie auch "Guat Nacht om sechsa" mit Emma und Eugen alias Carolin und Michael Kuch. Ein begeisterndes Programm, das nicht nach billiger Gefälligkeit schielte, sondern allein durch sein Können, sein Niveau und seine Originalität bestach, fand dankbare Zuhörer.

rr